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TransnetBW will bei Stromautobahnen oberirdische Leitungen

Der Ausbau der Hochspannungsleitungen durch Deutschland verläuft bislang schleppend. Stromautobahnen sind in der Bevölkerung höchst umstritten. TransnetBW fordert, sie nicht mehr unterirdisch zu verlegen.
TransnetBW
Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung der TransnetBW im Interview mit der dpa. © Christoph Schmidt/dpa

Künftige Stromtrassen sollen nach einem Vorschlag des Netzbetreibers TransnetBW nicht unterirdisch, sondern als Freileitung verlegt werden. TransnetBW-Chef Werner Götz sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Bei neuen Großprojekten muss wieder das Thema Kosten im Vordergrund stehen.» Wenn man die neu in der Diskussion befindlichen Stromautobahnen als Freileitung plane und nicht als Erdkabel verlege, könnten bis zu 20 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspreche einer Halbierung der Kosten.

Die neuen Stromautobahnen sollen das Rückgrat der deutschen Energiewende werden. Sie sollen den im windreichen Norden Deutschlands produzierten grünen Strom in den Süden transportieren. Gesetzlich ist bislang geregelt, dass sie auf Basis von Erdverkabelung entstehen.

TransnetBW, TenneT und 50 Hertz fordern nach den Worten von Götz, dass Freileitungen künftig Priorität haben. Insgesamt sind vier weitere Trassen im Netzentwicklungsplan 2037 vorgesehen. Zwei davon werden den Angaben zufolge ihren Endpunkt in Baden-Württemberg haben - in Obrigheim und im südlichen Landkreis Böblingen. Bei dem Bau von Hochspannungsmasten und deren Verkabelung müsse im Vergleich zur Realisierung als Erdkabel auch weniger in die Natur eingegriffen werden. Bei einer Leitung unter der Erde seien Trassen in einer Breite zwischen 50 und 100 Metern notwendig. «Wegen der Wärmeabgabe muss jedes Kabel einen gewissen Abstand vom Nächsten haben.»

Der Bau der oberirdischen Stromtrassen geht nach Angaben des Managers auch schneller. «Der Vorteil gegenüber dem Erdkabel beträgt von der Planung bis zur Inbetriebnahme ein Jahr.» Götz sagte, man habe der Politik den Vorschlag zu den Freileitungen unterbreitet. Notwendig sei nun eine rasche Entscheidung.

Energieministerin Thekla Walker (Grüne) sagte, man brauche im Land, auch für unsere energieintensiven Unternehmen, schnellstmöglich sauberen und günstigen Strom. In der aktuellen Haushaltssituation sei pragmatisches Handeln gefragt. Generell gelte aber: «Alle Ideen, die dazu beitragen, die Energiewende voranzubringen, sind willkommen. Wenn sich mit Freileitungen Geld und Zeit sparen lässt, dann befürworte ich diesen Vorschlag.»

Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), Oliver Barta, begrüßte den Vorstoß von TransnetBW. Er warnte aber zugleich, dass die Vorteile ins Leere liefen, wenn ein geplanter oberirdischer Ausbau sich wegen langwieriger Genehmigungs- und Widerspruchsverfahren massiv verzögere oder letztlich sogar daran scheitere. «Deshalb ist eine solche Entscheidung zwingend mit einer deutlichen Abkürzung der Genehmigungs- und Widerspruchsverfahren zu verbinden. Die schnelle Errichtung der ersten schwimmenden LNG-Terminals und das LNG-Beschleunigungsgesetz können dafür eine Vorlage liefern.»

TransnetBW baut gerade SuedLink. Dort müssten zahlreiche Flüsse und Infrastrukturen wie zum Beispiel Bahnleitungen mithilfe von Bohrungen unterquert werden, um das Erdkabel zu verlegen. Das sei sehr aufwendig. Die insgesamt rund 700 Kilometer lange Trasse, die von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Leingarten-Großgartach bei Heilbronn führt, sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr fertiggestellt sein. Zunächst verzögerte es sich auf 2026, nun ist 2028 im Gespräch. SuedLink ist eine von mehreren geplanten Stromautobahnen.

Mancherorts gibt in Deutschland Kritik und Bedenken von Bürgerinitiativen, die Klagen gegen Trassen angedroht haben. Dies ist ein Grund, dass der von Bundespolitik und Wirtschaft schon seit langem geforderte Ausbau von Hochspannungsleitungen in Deutschland eher schleppend vorankommt.

Die Referentin für Klimaschutz und Energie beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Andrea Molkenthin-Keßler, sagte, es gebe kein Zweifel daran, dass der Stromnetzausbau eine Beschleunigung brauche. «Freileitungen und Erdverkabelungen haben jeweils unterschiedliche Auswirkungen auf die Umwelt. Freileitungen können in bestimmten Bereichen eine Gefahr für Vögel darstellen.» Es sei daher notwendig, für jeden Streckenabschnitt einzeln zu prüfen, welche Trassenverläufe und welche Bauweise - Freileitung oder Erdverkabelung - die geringsten Eingriffe und Auswirkungen auf die Natur hätten.

© dpa
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