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100 Jahre Callas: «Ich bin kein Idol, ich bin ein Mensch»

Schon als Kind sang sie «wie ein Engel», später revolutionierte sie mit ihrer Bühnenpräsenz das längst altmodische Operngeschäft. Bis heute fasziniert Maria Callas sowohl künstlerisch als auch privat.
100 Jahre Maria Callas
Die Operndiva Maria Callas und ihr Ehemann Giovanni Battista Meneghini sind mit dem Zug unterwegs von Rom nach Mailand. Bis heute fasziniert Maria Callas sowohl künstlerisch als auch privat. © Publifoto/dpa

Maria Callas war «die Göttliche», die «Primadonna assoluta»: Eine Ausnahmesopranistin mit unglaublicher Ausstrahlung, überbordendem Charme, aber auch explosivem Charakter und einem Privatleben, das regelmäßig für Schlagzeilen sorgte. Am 2. Dezember wäre die Opernsängerin 100 Jahre alt geworden.

Die Diva starb 1977 bereits im Alter von 53 Jahren in Paris - einsam, allein und «an gebrochenem Herzen», wie viele Fans und Verehrer bis heute überzeugt sind.

Der unglückliche Engel

«Sie hatte eine himmlische Stimme», sagen jene Senioren unter den Griechen, die das Glück hatten, die Callas in jungen Jahren live in Athen zu erleben. Maria Anna Cecilia Sophia Kalogeropoulou, wie die 1923 in New York geborene Tochter griechischer Auswanderer ursprünglich hieß, kehrte 1937 mit ihrer Mutter von den USA in die griechische Hauptstadt zurück. Dort wurde sie am Athener Konservatorium eingeschrieben - und sang schon damals «wie ein Engel», berichteten Zeitgenossen.

Ausbildung und Stimme hatten jedoch einen Preis: Das Verhältnis zur ehrgeizigen Mutter sollte bis zum Schluss gespalten bleiben. «Nur wenn ich sang, durfte ich mich geliebt fühlen», klagte Callas als Erwachsene. Später soll sie mit Blick auf ihre Kindheit gesagt haben: «Es müsste ein Gesetz dagegen geben, kleine Kinder dazu zu zwingen, aufzutreten. Kinder sollten eine wundervolle Kindheit haben, ihnen sollte nicht zu viel Verantwortung übertragen werden.»

Sie sei immer zu reif für ihr Alter gewesen - und dabei nicht sehr glücklich. Bittere Bilanz: «What a fool I was» - was für ein Narr ich war.

Auf dem Weg zur Mailänder Scala

Maria nahm die Verantwortung an, bestach nicht nur durch Talent, sondern auch Ehrgeiz und höchste Professionalität. Ihr erster Auftritt in Verona 1947 legte den Grundstein für den Erfolg im Land der Oper.

Bald verliebte sich der 27 Jahre ältere italienische Industrielle und Opernmäzen Giovanni Meneghini in die junge Frau. Er förderte Callas' Karriere und heiratete sie 1949. «Liebe ist so viel besser, wenn man nicht verheiratet ist», sollte Callas später allerdings sagen.

Ihrem Erfolg tat die zehn Jahre währende Ehe jedoch keinen Abbruch, denn es ging steil bergauf. Maßgeblich unterstützt wurde sie vom Dirigenten Tullio Serafin, den sie später oft als einen der wichtigsten Menschen in ihrem Leben bezeichnete.

Die Revoluzzerin

Ihre Kunst: Maria Callas brachte Emotionen auf die Bühne und revolutionierte damit ein altes Fach, das manche leid geworden waren. «Die Oper ist tot» soll die Primadonna gesagt haben, um 1968 in einem BBC-Interview klarzustellen: «Wir sind nicht jene, die die Oper geschrieben haben, wir sind die Darsteller.» Als Darsteller müsse man dem Werk zwar treu bleiben, aber auch das Publikum mitnehmen.

Oper sei altmodisch, deshalb müsse man neu denken: «Da, wo wir finden, dass der Komponist versagt haben könnte, nun, da können wir dem Ganzen ein bisschen frischen Wind, ein bisschen Leben einhauchen», fand Callas. «Das ist, was ich damit meine, wenn ich sage, die Oper ist tot.»

Callas scheute sich nicht, dafür zu plädieren, lange Sequenzen und Wiederholungen in berühmten Kompositionen zu kürzen und das Werk auf der Bühne auf ihre eigene Weise zu interpretieren - «selbst, wenn der Komponist es einst nicht so gefühlt hat. Denn das Leben geht weiter, die Zeiten haben sich geändert.»

Höhepunkte der Karriere

«Auf der Bühne ist sie pure Elektrizität. In (der Oper) Medea ist sie ein Kraftwerk.» Das sagte einst der gerade mal 35-jährige Dirigent Leonard Bernstein über Maria Callas - gemeinsam reüssierten sie 1953 in der Mailänder Scala, dem künftigen künstlerischen Zentrum der Sängerin. «Es war perfekt. Sie verstand alles, was ich wollte, und ich verstand alles, was sie wollte.» Am Ende des Abends, so Bernstein, war das Publikum außer sich vor Begeisterung.

Als Callas 1956 an der Metropolitan Opera in New York ihr Debüt als Norma feierte, verbrachten Opern- und Callasfans zuvor Tage im Freien, um die günstigen Stehkarten zu ergattern, berichtete ein Zeitgenosse. Elfmal klatschte das Publikum die Sopranistin nach dem Ende der Vorstellung zurück auf die Bühne.

Die Liebe ist ein wilder Vogel

Kann die Geschichte von Maria Callas ohne ihre fatale Liebe zum griechischen Reeder Aristoteles Onassis erzählt werden? Ja - so entschieden es jedenfalls die Kuratoren des Maria-Callas-Museums, das im Oktober in Athen eröffnet wurde.

Kein Foto, kein Video oder anderes Dokument, das den ultrareichen Playboy benennt. Lediglich eine elegante Einladung an Maria Callas zu einem Dinner im September 1957 in Venedig ist in einer Vitrine ausgestellt. «Bei diesem Dinner hat sie Onassis kennengelernt», verrät eine Museumsmitarbeiterin.

Bei Callas soll es Liebe auf den ersten Blick gewesen sein - bei ihm jedoch nicht unbedingt. Das jedenfalls meinen Fans unter anderem in der Arie «Habanera» von Georges Bizets «Carmen» zu erkennen - etwa in einer Aufnahme von 1962 in London. Überaus glücklich wirkte die Diva dort, als sie singt: «Die Liebe ist ein wilder Vogel». Allerdings droht sie auch: «Liebst Du mich nicht, so lieb ich Dich ... doch lieb ich Dich, nimm Dich in Acht!»

Callas ließ sich für den Reeder scheiden, auch Onassis verließ seine Frau. Ein Skandal zu damaliger Zeit, der weltweit Schlagzeilen produzierte. Doch Onassis heiratete Maria Callas nicht, sondern sorgte für weiteren Aufruhr, als er 1968 Jacky Kennedy ehelichte, die Witwe des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy.

Tragisches Finale

Callas litt nicht nur unter der Trennung, die sie zutiefst verletzte, sondern insgesamt unter den Schlagzeilen. Auf die Frage, warum sie kein Idol sein wolle, sagte sie später: «Ich habe Angst. Man braucht sie (die Idole), aber man zerstört sie auch sehr leicht. (...) Ich bin kein Idol, ich bin ein Mensch. Ich bin nicht immer perfekt.»

Das aber erwartete das Publikum und ging umso härter mit Callas ins Gericht, als diese Schwierigkeiten mit ihrer Stimme bekam. Für Schlagzeilen sorgte auch ihr bisweilen aufbrausender Charakter: Callas überwarf sich mit den Chefs und Dirigenten sowohl der Mailänder Scala als auch der Met in New York - stets wegen der Sache, der Musik, wie sie in Interviews betonte.

Ihre Karriere soll bereits während der Beziehung zu Onassis gelitten haben. Er habe sie nicht mit der Bühne teilen wollen, sie sei deshalb seltener aufgetreten, sagte Callas später. Andere schoben die Schwäche ihrer Stimme dem großen Gewichtsverlust der einst pummeligen Sängerin zu: Callas hatte 1953 binnen Monaten gut 36 Kilo abgespeckt, weitere Crash-Diäten folgten.

Während der letzten Jahre ihres Lebens zog sich Maria Callas in ihr Pariser Appartement zurück - alleine, unglücklich, wohl auch körperlich geschwächt. Am 16. September 1977 kollabierte sie, ein hinzugerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. «Die göttliche Callas ist tot», titelten die Zeitungen. Und vermuteten: «Sie starb an einem gebrochenen Herz.»

© dpa ⁄ Alexia Angelopoulou und Takis Tsafos, dpa
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