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Anderes Verhalten nach Corona? «Mensch vergisst so Sachen»

Alle Jahre wieder schlagen sich viele Menschen mit Husten und Schnupfen herum. Ihr Verhalten während Erkältungszeiten werde Corona nicht langfristig verändern, sagt ein Experte. Ein altbekannter Erreger steht MV erst noch ins Haus.
Erkältung
Eine Frau benutzt ein Taschentuch. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Der Rostocker Infektiologe Emil Reisinger erwartet nach der Corona-Pandemie keine nachhaltige Auswirkung auf das Verhalten der Menschen etwa zu Erkältungszeiten. «Der Mensch vergisst solche Sachen relativ schnell», sagte der Mediziner der Deutschen Presse-Agentur. Die letzte Corona-Welle sei allerdings erst ein Jahr her. Viele Menschen achteten daher etwa auf Impfungen und vermieden größere Veranstaltungen. Andere hingegen passten überhaupt nicht mehr auf. «Wenn man auf der Straße unterwegs ist, man sieht nicht viel Veränderung im Vergleich zur Zeit vor Corona», sagte Reisinger.

«Wir haben jetzt den Kälteeinbruch und die Zahlen der Atemwegserreger nehmen deutlich zu.» Laut jüngstem Bericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) haben in der vorletzten Novemberwoche in Mecklenburg-Vorpommern hochgerechnet rund 38 300 Menschen wegen einer neu aufgetretenen Erkältungskrankheit einen Arzt aufgesucht und damit mehr als in den beiden Vorwochen. In der letzten Oktoberwoche waren es den Angaben zufolge allerdings schon mehr als 41 400.

In den zurückliegenden Wochen ist den Daten zufolge der Anteil von Corona an den zugrundeliegenden Erregern stetig gewachsen. Coronaviren machten demnach zuletzt den größten Anteil aus. Auch nach Aussage Reisingers nimmt Corona wieder deutlich zu. Das habe mit dem wiederkehrenden Auftreten neuer Stämme zu tun. Diese setzten sich deshalb durch, weil sie infektiöser seien. «Aber Gott sei Dank nicht krankmachender.» Die Verläufe seien in der Regel mild. Ein Großteil der Bevölkerung sei immunisiert durch Infektion oder Impfung. In ganz MV waren laut Reisinger zuletzt zehn Patienten mit Covid intubiert. Er rechne nicht mit einer Überlastung der Krankenhäuser.

Laut Lagus machten hinter den Coronaviren zuletzt Rhinoviren den größten Anteil aus. «Rhinoviren sind Lästlinge, machen aber in der Regel keine schwere Erkrankung», sagte Reisinger. Sie verursachten Husten, Schnupfen, Heiserkeit oder leichtes Fieber. An dritter Stelle der Atemwegserreger kamen zuletzt laut Lagus Adenoviren. Auch die verursachen Reisinger zufolge in der Regel keine allzu schwere Krankheit.

Mit der Ankunft der Grippe in MV rechnet Reisinger im Januar. «Es ist jetzt noch die Zeit, sich gegen Corona und Grippe impfen zu lassen.» Das gelte besonders für ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen, Menschen, die in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen arbeiteten oder viel Kontakt zu anderen hätten. «Und auch Schwangere sollten sich impfen lassen. Wir haben in Deutschland eine Schwangeren-Impfrate gegen Grippe von circa 17 Prozent. Das ist sehr niedrig.» Dabei komme es bei ihnen zu schweren Verläufen und auch Neugeborene seien dadurch betroffen.

Auch gegen RSV könnten sich Schwangere impfen lassen, um Kleinstkinder zu schützen. Der Erreger betreffe vor allem Kinder von null bis vier Jahren und ältere Menschen. Reisinger rechnet mit einer RSV-Welle um die Weihnachtszeit.

Maske trage er etwa noch, wenn im Zug oder im Flugzeug Menschen husteten, so Reisinger. Er sagte zudem: «Wenn man selbst erkrankt ist, macht es Sinn, Maske zu tragen.» Möglich wäre auch, wieder in Krankenhäusern das Tragen von Masken zu empfehlen, sollten die Zahlen deutlich steigen. An der Universitätsmedizin Rostock könne man krankheitsbedingte Personalausfälle bislang ausgleichen.

Unterdessen verzeichnete das Lagus zuletzt im Nordosten für diese Zeit überdurchschnittlich viele Kita-Kinder mit Atemwegserkrankungen. In Vorpommern-Rügen etwa war demnach bei den erfassten Kitas jedes fünfte Kind krankgemeldet.

© dpa
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