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Hochschulen fürchten Sparzwänge und die politische Stimmung

Die Thüringer Hochschulen sind laut einer Studie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Doch für die Zukunft fürchten sie Einsparungen beim Personal. Der Blick auf den Herbst verheißt zudem nichts Gutes.
Hörsaal
Studierende verfolgen eine Vorlesung. © Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Die Thüringer Hochschulen befürchten Sparzwänge in den kommenden Jahren. Mögliche Einsparungen könnten sich vor allem beim Personal bemerkbar machen, sagte der Vorsitzende der Landespräsidentenkonferenz, Kai-Uwe Sattler von der Technischen Universität Ilmenau, der Deutschen Presse-Agentur. «Das sind die befristeten Verträge, das sind Doktoranden, die man dann eben nicht anschließen kann.» Je nach Hochschule sei auch denkbar, dass Fachgebiete oder Angebote wegfallen müssten. Zudem sorgen die anstehenden Landtagswahlen und deren Folgen für Sorgenfalten.

Die Hochschulen hätten zuletzt einen Kostensprung erlebt. Zugleich seien die Zuwendungen vom Land jährlich um drei bis vier Prozent angestiegen, so Sattler. Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte zuletzt gesagt, dass deutlich höhere Steigerungen vermutlich nicht machbar seien. Wie die Finanzierung ab 2026 aussehen soll, wird derzeit noch erarbeitet. Thüringen ist laut Statistischem Bundesamt das Bundesland mit den zweithöchsten Ausgaben für Lehre und Forschung je Studierendem nach Sachsen.

Die Personalkosten seien der mit Abstand höchste Kostenblock, der jüngste Tarifabschluss mache sich deutlich bemerkbar, sagte der Vizepräsident Steffen Teichert, der auch die Ernst-Abbe-Hochschule in Jena leitet. «Wenn das Land nicht in der Lage ist, diese Lücke zu füllen, wird man auch darüber sprechen müssen, was wir als Leistung erbringen können und was nicht.» Hier wünsche er sich auch eine Priorisierung vom Land. In den vergangenen beiden Jahren hätten die Hochschulen schon in ihre Rücklagen greifen müssen.

Studie: Hochschulen sind wichtig für regionale Wirtschaft

Bei einem parlamentarischen Abend im Thüringer Landtag stellten die beiden Hochschulpräsidenten am Mittwoch eine Studie zu den wirtschaftlichen Effekten der staatlichen Hochschulen im Freistaat vor. Demnach sorgten sie im Jahr 2022 für rund zwei Milliarden Euro an Nachfrage und für gut 30.000 Arbeitsplätze, wie aus dem Papier der Universität Heidelberg im Auftrag der Landespräsidentenkonferenz hervorgeht.

Darin seien unter anderem die Ausgaben für Personal oder Sachleistungen enthalten, das Mehreinkommen der Absolventen gegenüber Menschen ohne Hochschulabschluss sowie die Ausgründungen von Firmen aus den zehn staatlichen Hochschulen. Den Studienautoren zufolge entfaltete jeder vom Land in die Grundfinanzierung der Hochschulen investierte Euro eine Wertschöpfung von 3,64 Euro.

Nur 40 Prozent der Absolventen bleiben im Land

Im Vergleich zu Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, wo ähnliche Studien durchgeführt worden seien, sei der wirtschaftliche Effekt der Hochschulen für das Bundesland aber geringer, schrieben die Autoren. Zwar zögen die Thüringer Unis deutlich mehr Studierende von außerhalb in das Bundesland als die Hochschulen in den anderen beiden Ländern. Von den Absolventen blieben aber nur 40 Prozent in Thüringen, der Rest suche sich woanders einen Job.

Die Hochschulen könnten hier beispielsweise mehr für die Integration ausländischer Studierender tun, sagte Sattler. «Wir werden sicher mehr Wert auf Deutschkenntnisse legen müssen, damit die Absolventen auch an den kleinen Thüringer Unternehmen, wo Englisch nicht die Geschäftssprache ist, einen Weg finden.» Auch eine engere Zusammenarbeit mit Unternehmen sei sinnvoll, etwa bei Praktika.

Ansonsten müsse aber auch vor allem die Gesellschaft etwas tun. «Die Diskussion haben wir natürlich auch: Ist man in Thüringen noch sicher?», so Sattler. Es gebe schon jetzt Fragen von internationalen Studierenden, Bewerbern oder Kollegen aus anderen Bundesländern. Der Blick auf die kommenden Landtagswahlen und die Folgen seien inzwischen tägliches Gesprächsthema in der Hochschule, ergänzte Teichert. «Wir können uns nicht vorstellen, dass es irgendetwas Positives gibt, was man irgendwelchen Szenarien abgewinnen kann.» Die AfD lag in Umfragen in Thüringen zuletzt mit deutlichem Vorsprung auf dem ersten Platz.

© dpa
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