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Massives Polizeiaufgebot und weniger Krawalle an Silvester

So viele Polizisten schickte Berlin noch nie zu Silvester auf die Straße. Das Aufgebot zeigte Wirkung. Trotzdem blieben Krawalle, illegales Feuerwerk und Schreckschusspistolen ein großes Problem - und das könnte auch in einem Jahr wieder so sein.
Feuerwehr
Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr fährt mit Blaulicht zu einem Einsatz. © Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild

An gefährlichen Szenen hat es in der Berliner Silvesternacht nicht gemangelt. Raketen wurden quer durch die Gegend abgeschossen, betrunkene Männer warfen Böller auf Menschengruppen, Autos, Polizisten und Feuerwehrleute. Andere feuerten Schreckschusspistolen ab und ließen sich dabei filmen. Explosionen illegaler Kugelbomben erschütterten ganze Straßen. Im Vergleich zum Vorjahr zog die Polizei dennoch eine positive Bilanz: Ein massives Polizeiaufgebot griff demnach an vielen kritischen Stellen deutlich schneller ein als früher, schützte besonders die Feuerwehr viel besser und konnte viele hundert mutmaßliche Randalierer fassen.

Am Brandenburger Tor feierten unterdessen in der Nacht Zehntausende Menschen bei der Silvester-Party, die im Fernsehen übertragen wurde. Aus Angst vor möglichen Terroranschlägen waren die Sicherheitsvorkehrungen hoch, privates Feuerwerk war verboten, schlimme Verletzungen gab es nicht.

Nach ersten Zahlen der Polizei wurden in der Silvesternacht in ganz Berlin rund 390 Menschen vorläufig festgenommen, vor allem wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Vor einem Jahr gab es 145 festgenommene Verdächtige, oft kam die Polizei einfach zu spät oder hatte zu wenig Leute.

Aktuell leitete die Polizei 720 Strafermittlungen ein. 54 Polizisten wurden verletzt, 30 davon durch Pyrotechnik. Die meisten Verletzungen waren leicht, acht Polizisten mussten ihren Dienst beenden.

Das Konzept mit definierten Brennpunktbereichen in bekannten Problemkiezen in Neukölln, Mitte und dem Süden von Berlin und der Konzentration von Polizei sei aufgegangen, so die Polizei. Das gleiche gelte für die drei Böller-Verbotszonen. Tatsächlich lag die nördliche Sonnenallee in Neukölln, wo in früheren Silvesternächten der Ausnahmezustand herrschte und nun Absperrgitter der Polizei, Mannschaftswagen und Scheinwerfer standen, eher ruhig da. Auch das Verbot von Demonstrationen palästinensischer Gruppen wegen des Gaza-Kriegs setzte die Polizei erfolgreich durch.

Es waren 3200 zusätzliche Polizisten aus mehreren Bundesländern auf der Straße im Einsatz, im vergangenen Jahr lag die Zahl bei 1300. Dazu kamen noch 1000 Polizisten in Streifenwagen und den Wachen sowie 500 Bundespolizisten an den vielen Bahnhöfen. Insgesamt also etwa 4700 Polizisten - der größte Einsatz zu einer Berliner Silvesternacht überhaupt -, um Schlimmeres zu verhindern.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), dessen Wahlerfolg gegen die SPD Anfang 2023 auch mit den Krawallen in der vorherigen Silvesternacht zu tun hatte, sagte, er sei «schon erleichtert» über den Verlauf der Nacht: «Starke Präsenz, konsequentes Handeln und volle Rückendeckung für unsere Polizei helfen, solche Lagen im Griff zu halten.» Nun sei die Justiz gefordert, die Täter spürbar zu bestrafen.

Meldungen über Polizisten und Feuerwehrleute, die mit Feuerwerk beschossen und beworfen wurden, liefen trotz allem während der ganzen Silvesternacht. Aggressive Ansammlungen vor allem von jungen Männern gab es in Neukölln in der sogenannten High-Deck-Siedlung, wo vergangenes Jahr ein Bus abbrannte, aber auch in Lichtenrade im Süden Berlins und erst recht am Alexanderplatz, wo 500 Menschen schon vor Mitternacht eine Art Straßenschlacht nachspielten.

Sehr laute Explosionen deuteten auch auf illegale Böller hin. Immer wieder waren Schüsse aus Schreckschusspistolen zu hören. Zahlreiche Autos und andere Fahrzeuge wurden angezündet. Fenster wurden durch Explosionen zerstört, Männer feuerten mit Schreckschusspistolen und die Polizei fand verbotene Kugelbomben.

Gegen 20.00 Uhr wurde in Gropiusstadt ein Einsatzwagen der Polizei durch die Detonation einer Kugelbombe beschädigt, die Frontscheibe splitterte. In Moabit warf ein Mann laut Polizei eine Art Molotow-Cocktail auf einen Bus und zerstörte eine Tür. In Gropiusstadt fasste die Polizei neun Menschen, weil sie elf Molotow-Cocktails gebaut haben sollen. In Kreuzberg löschten Feuerwehrleute einen Brand auf einem Balkon, dabei hörten sie mehrere Explosionen an ihrem Löschfahrzeug, das stark beschädigt wurde. In der Rigaer Straße in Friedrichshain nutzten laut Polizei vermummte Linksradikale die Nacht und warfen Böller von den Dächern auf Beamte.

Zahlreiche Menschen wurden durch Böllerexplosionen verletzt. Zwei Männer verloren durch Explosionen je eine Hand. Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) behandelte 28 Opfer von Böllerexplosionen, vor allem Männer, und sprach von zum Teil «dramatischen Amputationsverletzungen». Festgestellt wurden Sprengverletzungen an den Händen und im Gesicht, schwere Augenverletzungen und Brandwunden.

Die Feuerwehr registrierte 30 Übergriffe - 18 an der Einsatzstelle, 12 während Fahrten. Vor einem Jahr waren es 69 Übergriffe mit 15 verletzten Feuerwehrleuten. Der Jahreswechsel sei im Vergleich zum Vorjahr «glimpflich abgelaufen». Die Feuerwehr rückte zu 1598 Einsätzen aus, davon waren 663 Brände. Mehr als 1500 Sanitäter und Feuerwehrleute waren demnach mit 421 Fahrzeugen im Dienst.

Die Berliner Oppositionsparteien blickten am Neujahrstag nach vorne und stellten die Frage, ob Berlin zu Silvester immer ein Großaufgebot der Polizei brauche. Die Berliner Grünen forderten erneut ein Verbot von privatem Feuerwerk, gerade «Frauen und Kinder haben ein Recht auf ein sicheres Silvester». Die Linke sprach von «sozialen Spannungen» und Repressionen durch die Polizei. Die AfD kritisierte, Silvester werde «zum neuen 1. Mai», es gehe um «fehlerhafte Einwanderungspolitik» und ein gesamtgesellschaftliches Problem.

© dpa ⁄ Andreas Rabenstein und Marion van der Kraats, dpa
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