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24 Jahre nach Mord an junger Mutter: Ehemann in U-Haft

Fast ein Vierteljahrhundert ist es her: Eine junge Türkin, Mutter von vier Kindern, wird erhängt in ihrer Wohnung gefunden. Selbstmord? Die Ermittler sind schnell sicher: Das war es nicht. Jetzt gibt es einen Ermittlungserfolg.
Prozessakten
Prozessakten in einem Gerichtssaal. © Holger Hollemann/dpa/Symbolbild

Knapp 24 Jahre nach dem Mord an einer jungen Frau hat die Polizei in München deren früheren Ehemann als Tatverdächtigen verhaftet. Eine Person aus dem Umfeld des inzwischen 56 Jahre alten Mannes habe das Gewissen geplagt, berichtete die Münchner Polizei am Donnerstag. Der Bekannte des Beschuldigten habe sich an die Ermittler gewandt und berichtet, der Ehemann habe ihm gegenüber die Tat damals eingeräumt.

Der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit, der zuletzt als Lagerist gearbeitet hatte, sei am Freitag festgenommen worden, sagte Stephan Beer vom Kriminalkommissariat 11. Er habe die Vorwürfe zurückgewiesen und versichert, nichts mit der Tat zu tun zu haben. Allerdings war am Tatort auch seine DNA gefunden worden - an einer Stelle, die für die Tathandlung relevant gewesen sei, sagte Beer.

Die ebenfalls türkischstämmige 28 Jahre alte Mutter von vier kleinen Töchtern war am Abend des 20. Februar 2000 tot in ihrer Wohnung im Münchner Stadtteil Hasenbergl gefunden worden - erhängt an einem Knauf des Kleiderschrankes.

Sie hatte 1999 die Scheidung eingereicht, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I, Anne Leiding, berichtete. Anfang des Jahres 2000 habe sich die Frau verliebt und eine Beziehung zu dem anderen Mann aufgenommen. Das habe - so die Einschätzung der Anklagebehörde - bei dem Noch-Ehemann «narzisstische Wut» ausgelöst. «Er konnte nicht akzeptieren, dass seine Noch-Ehefrau eine neue Beziehung führte», sagte Leiding. «Das war aus Sicht der Staatsanwaltschaft der Auslöser.» Der Mann habe - so der Vorwurf - seine Vorstellung über das Lebensrecht der Frau gestellt.

Den Begriff Ehrenmord, der im Zusammenhang mit dem Fall gebraucht worden war, verwende sie nicht, betonte Leiding. «Sowas wie einen Ehrenmord gibt es überhaupt nicht.» Mord könne nie ehrenwert sein.

Die aus Westanatolien stammende Frau war im Alter von 15 Jahren mit ihrem Cousin verheiratet und danach nach München gebracht worden. Bereits drei Jahre vor ihrem Tod hatte sie sich von dem Mann getrennt, der sie Medien zufolge auch misshandelte. Mit ihren vier Kindern lebte sie in einer eigenen Wohnung.

Der Mann hatte die Kinder am Freitag vor der Tat für das Wochenende zu sich geholt - am Sonntag wurde die Frau tot gefunden. Auch wenn es zunächst wie ein Selbstmord aussah, war für die Ermittler schnell klar, dass die Frau getötet wurde. Sie hatte, das ergab die Obduktion, Verletzungen am Hals und am Kopf. Damals wurde der Ehemann unter Tatverdacht verhaftet, aber nach vier Wochen freigelassen - der Verdacht ließ sich nicht erhärten. Der Mann sei seitdem mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, vor allem wegen Rauschgiftdelikten; er habe auch eine mehrjährige Haft abgesessen.

Ob es Mittäter oder Mitwisser gegeben haben könnte, ist offen. Seinerzeit war spekuliert worden, dass andere Familienmitglieder bei der Tat geholfen haben könnten - oder zumindest davon wussten. Es seien noch verschiedenste Dinge abzuklären, darunter der genaue Tatablauf und wer daran beteiligt gewesen sein könnte, sagte Leiding. «Wir ermitteln mit Hochdruck.» Mord verjähre nie. Sie wertete es somit als positiv, dass eine Person aus dem Umfeld des Beschuldigten sich endlich getraut habe, das Richtige zu tun, nämlich «sich an die Ermittlungsbehörden zu wenden und die Wahrheit ans Licht zu bringen».

Auch die Polizei unterstrich: «Melden Sie sich bei uns, seien Sie Teil der Fallaufklärung.» Es gebe Hilfe bei häuslicher Gewalt, sagte Pressesprecher Andreas Franken. Die Polizei könne Opfer schützen, etwa einem Täter für bestimmte Zeit verbieten, die gemeinsame Wohnung zu betreten oder den Täter in Gewahrsam nehmen.

© dpa
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