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In Kommunen, Verwaltung und Justiz: KI in Hessen angekommen

Ob beim Erkennen von Schlaglöchern oder bei der Warnung vor Starkregen - Künstliche Intelligenz ist auch im Alltagsleben in Hessen angekommen. Doch die Technologie hat Grenzen.
Künstliche Intelligenz
Tasten einer beleuchteten Tastatur. (Aufnahme mit Zoomeffekt). © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Spätestens seit dem Start des Programms ChatGPT ist Künstliche Intelligenz keine theoretische Zukunftsvision mehr. KI wird inzwischen vielfach angewendet - auch in Hessen. «KI ist schon heute in unserem Leben angekommen. Sie hilft beispielsweise bei der Wartung von Fabrikanlagen, unterstützt Ärztinnen und Ärzte in ihren Diagnosen und hilft uns, auf Autofahrten die beste Route zu finden», erklärt eine Sprecherin des hessischen Digitalministeriums.

Sie könne einen wichtigen Baustein für die Lösung grundlegender Herausforderungen in verschiedensten Themenfeldern bilden - «beispielsweise in den Bereichen Gesundheit, Mobilität und Energieversorgung, beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels oder beim Thema Fachkräftemangel.» Entscheidend sei, dass die richtige Balance zwischen Innovationsförderung und rechtlichen Anforderungen geschaffen werde. «Der Mensch muss auch im Bereich KI immer im Mittelpunkt stehen.»

Personalmangel war für die Gemeinde Mühltal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg der Grund für den Einsatz von KI, um den Sanierungsbedarf ihrer Straßen zu ermitteln. «Dazu wird ein Smartphone in der Windschutzscheibe eines unserer Fahrzeuge angebracht, auf dem eine spezielle App installiert ist», berichtet der Leiter des Mühltaler Bauamtes, Karsten Kutschera. Alle zehn Meter macht sie ein Foto und schickt es zu einem Server. Die KI untersucht, ob die Straße ein Schlagloch oder Risse hat. «Die Daten werden ausgewertet und eine Karte erstellt, die den Zustand der Straßen in verschiedenen Farben abbildet», erklärt Kutschera. Darauf aufbauend plane das Bauamt deren Sanierung.

«Das System ersetzt die Begehung durch unsere Mitarbeiter nicht, auch weil es Geh- und Radwege nicht erfasst. Aber es liefert uns einen Vorab-Überblick unseres 180 Kilometer langen Straßennetzes und darüber, wo der Sanierungsbedarf am größten ist. Das ist auf jeden Fall eine Erleichterung», sagt Kutschera.

Ein weiteres Beispiel für KI-Anwendungen in Hessen ist das Starkregenfrühalarmsystem im Landkreis Fulda. Es misst in Echtzeit Niederschlag, Pegelstände und Abflussverhalten und kombiniert diese Daten mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes. Bei Erreichen kritischer Werte alarmiert das System Verwaltung, Rettungskräfte und Bürgerinnen und Bürger per Web und App.

Doch nicht nur in Kommunen kommt KI schon zum Einsatz. Am Amtsgericht Frankfurt beispielsweise wird sie nach Angaben des Digitalministeriums bei Massenverfahren im Bereich Fluggastrechte eingesetzt. Die Software «Frauke» («Frankfurter Urteils-Konfigurator Elektronisch») ist demnach das bundesweit erste Richterassistenztool, bei dem eine KI in der Urteilsfindung assistiert. Es soll Richterinnen und Richter bei gleich gelagerten Fällen mit Textbausteinen und Vorschlägen unterstützen.

Das Hessische Landeskriminalamt und die IT-Ideenschmiede der hessischen Polizei, der «Innovation Hub 110», entwickeln dem Ministerium zufolge zurzeit gemeinsam eine Forensikplattform, um die Arbeit der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Fokus zur Bekämpfung von Kinderpornografie zu unterstützten. «Seit ihrer Gründung im Oktober 2020 wurden unter anderem mehr als 69.000 Datenträger sichergestellt. Dabei spielt die KI-gestützte Auswertung dieser großen Datenmengen eine zunehmend wichtige Rolle», erläutert die Sprecherin.

«KI ist gekommen, um zu bleiben», sagt Peter Buxmann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Darmstadt. Beim autonomen Fahren seien die Fortschritte bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben. «In anderen Bereichen aber wie bei der Bilderkennung und der Erstellung von Texten und Grafiken sind wir noch lange nicht am Ende angekommen. Dort werden uns die Entwicklungen noch überraschen.»

Dennoch sieht Buxmann Grenzen: «Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass KI auf alle möglichen Anwendungsfelder zu übertragen ist. Künstliche Intelligenz ist keine universelle Lösungsmaschine für alle möglichen Probleme.» Dem setze vor allem die Verfügbarkeit von Daten Grenzen. Denn die Qualität der Anwendungen hänge von den Daten ab, die zu Trainingszwecken in ein System eingespeist werden. So könne eine KI einem kleinen Unternehmen beispielsweise nicht dabei helfen, die Insolvenz zu vermeiden, weil zu dieser speziellen Aufgabe nicht genug Trainingsdaten zur Verfügung stünden. Sehr hilfreich hingegen sei sie in der Medizin, etwa bei der Analyse von Bildern. In der Dermatologie zum Beispiel werde KI eingesetzt, um nach Auffälligkeiten zu suchen. «Je mehr Daten eingespeist werden, desto besser wird die KI dabei», erklärt Buxmann.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Künstlicher Intelligenz wächst auch die Sorge vor dieser Technologie. Die Angst vor einer KI-Superintelligenz, die den Menschen irgendwann überlegen ist, teilt Buxmann nicht. «Aus meiner Sicht muss man sich auf absehbare Zeit keine entsprechenden Sorgen machen, da die Anwendungen immer auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind.» In einigen Bereichen könnten Arbeitsplätze der KI zum Opfer fallen. «Der Haupteffekt aber wird die Zusammenarbeit von KI und Menschen sein, um gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen.» So könne KI etwa Ärzten wichtige Hinweise geben, sie auf absehbare Zeit aber nicht ersetzen. Auch könnten die Systeme helfen, Texte zu formulieren. «Aber am Ende muss der Mensch das Ergebnis immer kontrollieren.» Denn die Anwendungen produzierten manchmal auch Unsinn.

Genau da sieht Buxmann auch ein Risiko: «Nehmen wir ChatGPT als Beispiel: Wir kennen die Trainingsdaten, Algorithmen und Menschen, die die KI trainiert haben, nicht. «Diese Intransparenz halte ich für schwierig, weil nicht mehr nachvollziehbar ist, wie die Entscheidungen der Systeme zustande kommen. Noch nicht einmal die Entwickler sind beispielsweise in der Lage zu erklären, wie fehlerhafte Texte zustande kommen. »

© dpa
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