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Bewaffnet und verschanzt: Mann hält Gemeinde in Atem

Seit mehr als 24 Stunden ist die Polizei mit Spezialkräften im Milower Land im Einsatz. Sie hat dort ein Haus umstellt, wo sich ein Mann verschanzt hat. Ein Kind und seine Mutter sind inzwischen in Sicherheit. Doch nach Schüssen ist die Lage weiter unübersichtlich.
SEK-Einsatz im Havelland
Schweres Gerät eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei rollt durch den Ort. © Cevin Dettlaff/TNN/dpa

Schüsse aus einem Wohnhaus, ein bewaffneter Mann, der sich darin verschanzt hat, eine Festnahme und ein Kind, das dem Jugendamt übergeben wird: Seit Freitagnachmittag hält ein Großeinsatz der Polizei die Gemeinde Milower Land in Atem. Mehr als 24 Stunden dauerte der Einsatz am Samstagnachmittag schon an. Nachdem am Abend weitere Schüsse in dem Haus fielen, rückten Beamte in das Gebäude vor. Unklar blieb zunächst, ob der Mann dabei überwältigt werden konnte.

In dem Haus hielten sich bei Ankunft der Einsatzkräfte am Freitag um 13.45 Uhr ersten Erkenntnissen zufolge der Verdächtige, ein weiterer Mann sowie ein Kind mit seiner Mutter auf. Zahlreiche Details sind derzeit noch unklar - etwa, in welcher Beziehung die Menschen zueinander stehen. Die Polizei war nach einem Beschluss des Amtsgerichts aktiv geworden, den das Jugendamt angeregt hatte.

In der Nacht kam die Mutter dann aus dem Haus und übergab das Kind dem Jugendamt. Zuvor war am späten Freitagnachmittag einer der beiden Männer mit einer Waffe aus dem Haus getreten und von Polizisten überwältigt und festgenommen worden, wie eine Sprecherin der Polizeidirektion West sagte. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand.

Der andere Mann hielt sich weiter in dem Gebäude auf, er soll auf die Polizisten vor dem Haus geschossen haben. Am Samstagnachmittag gab der Mann dann erneut mehrere Schüsse in dem Haus ab, wie Polizeisprecher Daniel Keip sagte. Kontakt zum Verdächtigen hatte die Polizei nicht. Weiterhin versuchten die Beamten, einen Kontakt herzustellen, sagte der Sprecher.

Die Lage blieb am Samstag auch am Abend unübersichtlich. Ein dpa-Reporter berichtete am Samstagmittag von einer Detonation vor dem Haus. Ein Panzerfahrzeug habe sich Richtung Gebäude in Bewegung gesetzt.

Die Polizei forderte Anwohner dazu auf, in ihren Häusern zu bleiben. Der Bürgermeister der Gemeinde Milower Land rief zur Besonnenheit auf. Die Gemeinde hat rund 4400 Einwohner, im Ortsteil Vieritz leben rund 300. Das Dorf liegt etwa 20 Kilometer nordwestlich von Brandenburg an der Havel.

Die Polizei hatte mit ihrem Einsatz das Jugendamt bei der Durchsetzung eines Beschlusses des Amtsgerichts unterstützt. Wegen anzunehmender Kindeswohlgefährdung waren auch Spezialeinheiten zum Einsatzort angerückt. Unterstützt wurden sie von Polizisten aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Die genauen Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar. Auch Details zu dem bewaffneten Mann wollte ein Polizeisprecher zunächst nicht mitteilen.

Einwohner zeigten sich besorgt. «Man weiß ja nicht, wie es ausgehen wird», sagte der 33-jährige Harry Meier der dpa. Anwohner hätten von Familienstreitigkeiten in dem betroffenen Wohnhaus berichtet. Meier wohnt am Ortsrand, außerhalb des abgesperrten Gebietes. Das Wohnhaus, aus dem die Schüsse abgegeben wurden, befinde sich etwa in der Mitte des Dorfes, beschrieb er. Bürger sollten dort auf Anweisung der Polizei für die Dauer des Einsatzes in ihren Wohnungen bleiben. Anwohner, die von außerhalb kommen, dürfen seit dem Polizeieinsatz nicht in ihre Häuser.

Bürgermeister Felix Menzel rief dazu auf, sich nicht an Spekulationen im Internet zu beteiligen. «Das bringt nichts, die Leute sollen bitte abwarten», sagte Menzel am Samstagmorgen in der «Märkischen Allgemeinen Zeitung». «Ich hoffe, dass niemand verletzt wird - weder von der Bevölkerung noch von den Einsatzkräften.» Die Situation sei beunruhigend und außergewöhnlich. «Hoffentlich behalten alle die Nerven.»

Redaktionshinweis: Neu: Weitere Schüsse am Abend; Vorrücken der Einsatzkräfte

© dpa ⁄ Silke Nauschütz, Matthias Arnold und Cevin Dettlaff, dpa
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