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10H-Regel bremst weiter Bayerns Windkraftpotenziale aus

Im November 2022 hat die Staatsregierung nach langem hin und her die umstrittene Abstandsregel für Windräder reformiert. Eine neue Studie zeigt jetzt: Auch die Novelle hemmt den Ausbau der Erneuerbaren.
Windkraft
Ein Windrad dreht sich hinter einem Wohnhaus im Wind. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Auch nach ihrer Lockerung erschwert die 10H-Abstandsregel laut einer Studie weiter massiv den Ausbau der Windkraft in Bayern. Demnach gestattet die aktuelle Regelung im Idealfall bei einem weiteren Ausbau zwar eine Verdoppelung der installierten Leistung von aktuell 2,6 auf 5,2 Gigawatt. Bereits minimale Änderungen beim Abstandsgebot könnten aber die mögliche Leistung sogar versechsfachen. Die Analyse wurde von der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) mit Sitz in München und dem britischen Think Tank Ember erstellt.

Konkret errechnet die Analyse bei einer Absenkung des Mindestabstands zwischen Windrädern und Siedlungsbebauungen von 800 Metern ein Leistungspotenzial von mehr als 15 Gigawatt. Bayern könnte damit seinen derzeitigen jährlichen Gasverbrauch um 28 Terawattstunden (27 Prozent) senken. Dies würde auf Grundlage der für 2024 erwarteten Gaspreise jährliche Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro bedeuten. Sollten die Gaspreise gar wieder auf das Niveau von 2022 steigen, käme es sogar zu jährlichen Einsparungen von 3,4 Milliarden Euro.

«Mit einer geringfügigen Anpassung der bestehenden Rahmenbedingungen für Windkraftanlagen könnte der Freistaat seine Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erheblich steigern und so seine derzeitige Abhängigkeit von fossilen Gasimporten verringern», sagte Sarah Brown, Europe Programme Lead, von Ember. Bayern sollte diese Chance ergreifen, nicht nur um die Kosten für die Verbraucher zu senken, sondern auch um seine Energiesouveränität zu stärken.

«Kein anderes Bundesland hat so gute Voraussetzungen, noch vor dem Bund klimaneutral zu werden, wie Bayern: viel Potenzial für regenerative Energien, eine starke Verwaltung und Wirtschaftskraft. Damit der Wirtschaftsstandort Bayern stark bleibt, braucht es eine zukunftsfähige, saubere Energieversorgung», sagte Carolin Friedemann, Geschäftsführerin und Gründerin der IKND.

Die Staatsregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. «Klar ist allerdings: allein mit Solarstrom ist das bayerische Erneuerbare-Energien-Ziel nicht zu erreichen. Die Lösung ist ein deutlicher, aber eindeutig erreichbarer Ausbau der Windenergie», heißt es in der Auswertung.

Der Ausbau der Windkraft kommt auch nach der 10H-Novelle noch immer nur sehr verhalten in Gang - sowohl beim Neubau als auch bei den neuen Genehmigungen. Im Koalitionsvertrag hatten sich CSU und Freie Wähler auf 1000 neue Windräder bis 2030 verständigt.

Die Studie analysiert, welche Folgen die geltende 10H-Regel für den Ausbau hat. In ausgewählten Gebieten im Freistaat wurde der erforderliche Abstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern mit einer Novelle im November 2022 auf 1000 Meter verringert. Da aber moderne Windräder bis zu 200 Meter hoch sein können, müssten diese außerhalb von Vorranggebieten zwei Kilometer entfernt sein.

© dpa
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