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Spender werden Empfänger: Generationenwechsel bei Blutspende

Blut spenden und Blut empfangen basiert auf Solidarität. Man spendet, wenn es einem gut geht, und erhält Blutpräparate etwa bei einer OP. Jetzt steht ein Generationenwechsel an - gelingt er?
Blutspende
Das Rote Kreuz sucht neue Blutspender, um die nach und nach ausscheidende Babyboomer-Generation auszugleichen. © Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Das Deutsche Rote Kreuz sucht neue, regelmäßige Blutspenderinnen und Blutspender, um die nach und nach ausscheidende Babyboomer-Generation auszugleichen. Allein die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) verlieren in den nächsten Jahren 275.000 Spenderinnen und Spender aus den spendenstarken Jahrgängen, weil es deren Gesundheit nicht mehr zulässt, hieß es. «Die altersbedingte Konsequenz: Aus Spendern werden Empfänger, dadurch steigt der Bedarf an Blutpräparaten. Dies bedeutet, es werden dringend mehr Menschen benötigt, die zum ersten Mal Blut spenden und dann sprichwörtlich am Ball bleiben.» Anlässlich des Weltblutspendetages an diesem Freitag (14. Juni) wird auf die Bedeutung des Themas aufmerksam gemacht.

Blut kann nicht künstlich hergestellt oder ersetzt werden. Bei Operationen oder nach schweren Unfällen retten Bluttransfusionen Leben und erhöhen die Überlebenschance von Menschen. Für eine Blutspende ist etwa eine Stunde Zeit nötig. Spendetermine und -orte sind online zu finden.

Das Universitätsklinikum Halle betreibt eine eigene Blutspende. Die Anzahl der Spenderinnen und Spender sei in den vergangenen zwei Jahren auf konstantem Niveau, erklärte der Ärztliche Leiter der Einrichtung für Transfusionsmedizin. Der Anteil der Erstspender habe im Jahr 2023 16 Prozent betragen. Um dem Generationenwechsel zu begegnen, bemühe sich die Unimedizin besonders um junge Erstspender. «Der Klinikumsvorstand des Universitätsklinikums Halle (Saale) erkennt die Relevanz einer klinikumseigenen Blutspende und ist bestrebt, diesen Bereich weiter auszubauen. Personalressourcen wurden dafür vom Vorstand freigegeben.» Die Unimedizin in Magdeburg betreibt seit Jahresbeginn keine eigene Spende mehr, das DRK bietet nun dort Spendetermine an.

Beim DRK hieß es weiter: «Jede Generation braucht ihren eigenen, großen Spenderstamm, um das solidarische Versorgungssystem aufrechtzuerhalten. Jetzt ist die Zeit für einen Generationenwechsel gekommen.» Von Januar bis Mai dieses Jahres habe das DRK in Sachsen-Anhalt rund 3300 Erstspender registriert, das entspreche einem Anteil von 8,4 Prozent an allen Spendern. Im Vorjahr habe die Quote bei 8,6 Prozent gelegen. Über die Jahre sei der Wert konstant.

Zu den Blutspendeterminen des DRK in Sachsen-Anhalt kamen den Angaben zufolge in den ersten fünf Monaten dieses Jahres knapp 30.0000 Spenderinnen und Spender. Im Schnitt spendeten sie 1,25 Mal Blut - zusammen waren das mehr als 37.700 Blutspenden. Im vergangenen Jahr hatten die Zahlen etwas darüber gelegen.

Um die Spenderzahlen zu erhöhen, wurden die Vorgaben geändert: So entfiel die Altersgrenze. Jeder ab 18 Jahren darf also spenden, wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben sind. Und auch homo- und bisexuelle Menschen dürfen nicht mehr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung als Blutspender abgelehnt werden. «Ein messbarer Zuwachs an Blutspenden lässt sich nicht ableiten», so das DRK für Sachsen-Anhalt.

Um neue Blutspender zu gewinnen, setzt die Organisation auf digitale Medien und die aktuelle Kampagne «#missingtype - erst wenn's fehlt, fällt's auf», bei der Partner aus Sport, Medien und Wirtschaft mitmachen. «Die Idee hinter #missingtype ist einfach, aber wirkungsvoll: Durch das Weglassen der Blutgruppenbuchstaben von A, B und O im Namen oder Logo wird maximale Aufmerksamkeit für die Blutspende erzeugt.»

Das DRK hofft, auch über diesen Sommer wieder einen Engpass bei den Blutkonserven vermeiden zu können, hieß es. «Aktuell haben wir rund 11.000 Konserven im Bestand und liegen damit knapp über dem Mindestbestand. In den letzten Monaten stellen wir einen erhöhten Bedarf der Kliniken fest.» Aufgrund der guten Spendebereitschaft in den ersten Monaten hätten bislang alle Anfragen von Kliniken bedient werden können. «In den letzten Wochen ist das Spendeaufkommen zurückgegangen. Insbesondere in der Blutgruppe B-negativ aber auch in den Blutgruppen A und 0 haben sich die Bestände deutlich reduziert.» Wichtig sei, dass auch in der Ferienzeit und an den heißen Sommertagen Spendetermine kontinuierlich gut besucht werden.

© dpa
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