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Thyssenkrupp-Beschäftigte zeigen «Gesichter des Widerstands»

Wie geht es weiter mit der Thyssenkrupp-Stahlsparte? Die IG Metall hat jetzt die Krupp-Stiftung ins Visier genommen. Die wehrt sich gegen die Kritik.
Ursula Gather, Chefin der Krupp-Stiftung
Ursula Gather, Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. © Christoph Reichwein/dpa/Archivbild

Im Ringen um die Zukunft des Stahlherstellers Thyssenkrupp Steel haben Stahlarbeiter am Freitag eine symbolische Kunstaktion an der Villa Hügel in Essen veranstaltet. Sie appellierten an die dort ansässige Krupp-Stiftung, sich als größte Einzelaktionärin des Mutterkonzerns Thyssenkrupp AG stärker für die Arbeitnehmer einzusetzen. Das Kunstprojekt stand unter dem Motto «Kunst oder Stahl - Das Geld muss in sichere Arbeitsplätze fließen und nicht in die Stiftung!», wie die IG Metall mitteilte.

Die Thyssenkrupp Stahlsparte ist Deutschlands größter Stahlhersteller. Die Sparte steht vor einem Umbruch: Am Standort Duisburg ist ein deutlicher Kapazitätsabbau geplant, der mit einem Stellenabbau einhergehen wird. Vereinbart wurde außerdem ein 20-Prozent-Einstieg des Energieunternehmens EPCG des tschechischen Investors Daniel Kretinsky.

Beschäftigte zeigen «Gesichter des Widerstands»

Rund 250 Beschäftigte hätten sich an der Aktion beteiligt, wie der Geschäftsführer der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Karsten Kaus, sagte. Sogar aus Andernach seien Menschen angereist. Bei der Aktion hätten sie «Gesichter des Widerstands» gezeigt. Die gemeinnützige Krupp-Stiftung hält 21 Prozent der Anteile an Thyssenkrupp und ist auch im Aufsichtsrat vertreten.

«Die Stiftung nimmt gerne die Dividenden und gibt dieses Geld für kulturelle Aktivitäten und andere gemeinwohlorientierte Projekte aus», erklärte Kaus. Der Kunstsinnigkeit der Kuratoriumsvorsitzenden Ursula Gather setze man nun eine eigene Kunstaktion entgegen. «Frau Gather muss ihrer Verantwortung im Aufsichtsrat des Thyssenkrupp-Konzerns nachkommen und darf die kulturellen Interessen der Stiftung nicht über das Schicksal der Beschäftigten stellen.» Die Stiftung müsse ihrer Verantwortung für die mehr als 27.000 Stahlbeschäftigten gerecht werden.

Die IG Metall sprach von einer «unheilvollen Rolle», die die Krupp-Stiftung im aktuellen Streit um die Ausrichtung der Stahltochter spiele. Im Aufsichtsrat habe die Stiftung das Vorgehen von Konzernchef Miguel López unterstützt. Das Gremium hatte neulich mit der Doppelstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter den 20-Prozent-Einstieg von EPCG beschlossen. Thyssen & Krupp seien auf den Fundamenten des Stahls zu industrieller Bedeutung gewachsen, erklärte der Steel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Tekin Nasikkol im Vorfeld der Aktion. «Deswegen hat die Krupp-Stiftung auch eine historische Verantwortung gegenüber den Stahlbeschäftigten.»

Krupp-Stiftung: Äußerungen «beschämend»

Die Krupp-Stiftung wies die Kritik zurück und sprach von «Falschbehauptungen». In einem der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegenden Brief an den IG Metall-Vize Jürgen Kerner und den früheren IG Metall-Chef Detlef Wetzel bezeichnete die Stiftung deren Äußerungen in Interviews der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ) vom Dienstag als «beschämend». «Sie beschädigen damit nicht nur uns als gemeinnützige Einrichtung und als Aktionärin, sondern auch das Unternehmen insgesamt», heißt es in dem Brief, der auf den 20. Juni datiert ist. Unterzeichnet wurde er von der Kuratoriumsvorsitzenden Gather sowie den Stiftungsvorständen Volker Troche und Michaela Muylkens.

Die Stiftung sei nach ihrer Satzung zur Förderung von Wissenschaft, Bildung, Kunst und Kultur, Gesundheit und Sport verpflichtet, schreiben sie. Seit 1968 habe die Stiftung dies vor allem im Ruhrgebiet mit Mitteln von bislang fast 700 Millionen Euro getan. «Diesen Stiftungsauftrag jetzt mit mangelnder Sorge um die Thyssenkrupp Mitarbeitenden gleichzusetzen, ist eine Verdrehung der Tatsachen und Vermischung von Sachverhalten.» Wetzel hatte der WAZ gesagt: «Wir reden hier von einer Stiftung, die sich gemeinwohlorientiert nennt. Ich sehe aber vor allem, dass sie kulturelle Aktivitäten fördert und dafür das Geld aus Thyssenkrupp-Dividenden einsetzen will.»

Die Stiftung wies auch Äußerungen von Nasikkol und Kerner, der auch stellvertretender Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef ist, «entschieden zurück». Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Nasikkol hatte der Zeitung gesagt: «Die Anteilseigner im Aufsichtsrat haben die Mitbestimmung in einer wegweisenden Entscheidung komplett ignoriert.» Kerner hatte Gather in der «WAZ» als «große Verbündete von Herrn Lopez» bezeichnet, die bei López stehe «und nicht bei den Mitarbeitern».

Stiftung vertraut Thyssenkrupp-Chef López

Die Stiftung entgegnete: «Unsere Unterstützung des Kurses von Miguel López basiert auf dem Vertrauen in seine Fähigkeit, den Konzern erfolgreich umzustrukturieren und somit eine sichere Zukunft für die Mitarbeitenden zu gewährleisten.»

Die Stiftung habe über die Jahrzehnte hinweg als Hauptaktionärin immer wieder dividendenlose Jahre in Kauf genommen, betonte die Stiftungsführung. Aus Treue zum Unternehmen habe sie es hingenommen, dass sich das Vermögen durch den Fall des Aktienkurses um 80 Prozent reduziert habe. «Diese Opfer haben wir immer wieder im Interesse der langfristigen Stabilität des Unternehmens und der Sicherung der Arbeitsplätze gebracht, weil wir daran glauben, dass Thyssenkrupp eine Zukunft hat. Allerdings braucht es dafür Veränderungen.» Die Stiftung betonte, dass das gesamte Vermögen der Stiftung seit ihrer Gründung in der Beteiligung am Unternehmen bestehe.

© dpa
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