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Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde attackiert Saleh

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde kritisiert den SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzenden. Das bleibt allerdings nicht unwidersprochen - von verschiedenen Seiten.
SPD-Landeschef Saleh
Raed Saleh, Landesvorsitzender der SPD in Berlin. © Carsten Koall/dpa

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, will beim Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer nicht mehr mit SPD-Landeschef Raed Saleh zusammenarbeiten. In einem Gastbeitrag im «Tagesspiegel» forderte er den Politiker am Dienstag auf, mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt aus dem Kuratorium für das Projekt zu erklären. Joffe warf Saleh vor, den Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober nicht eindeutig verurteilt zu haben. Der Vorsitzende des Vereins Jüdisches Zentrum Synagoge Fraenkelufer, Dekel Peretz, wies Joffes Kritik allerdings mit deutlichen Worten zurück und distanzierte sich von dessen Forderung.

Joffe wirft Saleh langes Schweigen vor

Joffe erinnerte in seinem «offenen Brief» an Saleh an den Terrorangriff, bei dem rund 1200 Israelis getötet wurden. «Und wie reagierst Du, Raed, darauf? Mit ohrenbetäubendem Schweigen - und das schon seit neun Wochen!», schrieb Joffe. «Nach den ersten Tagen Deines Schweigens hatte ich die Hoffnung, Du würdest nach passenden Worten suchen. Mittlerweile weiß ich, dass Du Dich entschieden hast, die Worte «Terror», «Hamas» und «Verurteilung» nicht in den Mund zu nehmen.»

Saleh sagte dazu am Dienstagabend: «Die Kritik von Gideon Joffe hat mich sehr getroffen, ich habe mich immer klar positioniert gegen jede Form von Antisemitismus.» Er verurteile selbstverständlich den Angriff der Hamas auf Israel.

Joffe äußerte sich anerkennend über das Engagement Salehs für den Wiederaufbau der Synagoge in Kreuzberg. Seine Schlussfolgerung lautet allerdings: «Man kann nicht die von den Nazis ermordeten Juden durch den Wiederaufbau der Synagoge Fraenkelufer ehren, wenn man zugleich zu den von den Islamisten ermordeten Juden schweigt.» Das zu tolerieren, wäre aus seiner Sicht unaufrichtig, so Joffe. «Schweren Herzens teile ich Dir daher mit, dass die Jüdische Gemeinde die Zusammenarbeit mit Dir bezüglich des Wiederaufbaus der Synagoge wird beenden müssen.»

Kritik an Joffes Äußerungen

Der Vorsitzende des Vereins Jüdisches Zentrum Synagoge Fraenkelufer, Peretz, teilte am Dienstagabend mit: «Der Vorstand und das Kuratorium des Jüdischen Zentrums Synagoge Fraenkelufer e.V. können die Kritik von Gideon Joffe nicht nachvollziehen.» Raed Saleh meine es mit seinem Engagement für den Wiederaufbau der Synagoge ernst. «Sein Einsatz für die Vielfalt an jüdischen Organisationen und Initiativen in Berlin ist beispiellos und erregt weltweit Respekt.»

In den vergangenen Wochen habe sich Saleh tatkräftig für das jüdische Leben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Berlin eingebracht. «Wir würden den Rücktritt von Herrn Joffe aus dem Kuratorium begrüßen, denn er hat sich leider schon lange als unzuverlässiger Partner erwiesen.»

Rabbiner Teichtal äußert sich anerkennend über Saleh

Auch Rabbiner Yehuda Teichtal, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, äußerte sich anerkennend über Saleh: «Ich kenne ihn seit rund zehn Jahren. Er ist ein echter Unterstützer von jüdischem Leben in Berlin», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er habe das mehrfach erlebt, etwa bei Salehs Unterstützung für den Jüdischen Campus in Wilmersdorf, einem Ort für Bildung, Kultur und Sport.

«Vor dem 25. Jahrestag des Mauerfalls hat er mir gesagt: Wir dürfen den 9. November 1938 nicht vergessen», erinnerte sich Teichtal. «Wir haben damals gemeinsam mit jüdischen und muslimischen Studenten Stolpersteine in Neukölln geputzt.» Saleh habe sich nach dem Terrorangriff der Hamas aber auch dafür eingesetzt, Präventionsprogramme gegen Antidiskriminierung und Antisemitismus auf den Weg zu bringen, sagte Teichtal.

Der SPD-Politiker hatte Anfang November Berliner Organisationen, die sich gegen Antisemitismus und für gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren, zu zwei Treffen eingeladen und eine engere Vernetzung angestoßen.

© dpa
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