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Angst vor Eskalation: Der Hisbollah-Chef warnt Israel

Nach der Tötung eines ranghohen Hamas-Anführers in Beirut wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Gaza-Konflikts. Hisbollah-Chef Nasrallah macht Israel verantwortlich.
Gaza-Streifen
Das israelische Militär fliegt weiter Luftangriffe auf den Gaza-Streifen. © Abed Rahim Khatib/dpa

Nach der Tötung eines Hamas-Anführers in der libanesischen Hauptstadt Beirut will die Regierung im Libanon eine Eskalation verhindern. Der geschäftsführende Außenminister, Abdallah Bou Habib, sagte dem britischen Radiosender BBC 4, dass seine Regierung mit der Schiitenmiliz Hisbollah spreche, um «sie davon zu überzeugen, dass sie nicht selbst reagieren sollte». Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warnte Israel in einer mit Spannung erwarteten Rede vor einer Eskalation des Konflikts mit dem Nachbarland. Seine Miliz ist mit der Hamas verbündet. Unterdessen ist im Gazastreifen die Zahl der Toten nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf 22.300 gestiegen.

Beirut befürchtet Eskalation

Die Regierung in Beirut fürchtet eine mögliche Ausweitung des Konflikts. «Wir sind sehr besorgt, die Libanesen wollen nicht hineingezogen werden, selbst die Hisbollah möchte nicht in einen regionalen Krieg hineingezogen werden», sagte Minister Bou Habib. Er forderte die westlichen Staaten auf, «Druck auf Israel auszuüben, damit es all seine Gewalt und alle seine Aktionen einstellt, nicht nur im Libanon, nicht nur in Beirut, sondern auch in Gaza».

Der Vize-Leiter des Politbüros der Hamas, Saleh al-Aruri, war bei einer Explosion in Beirut ums Leben gekommen. Insgesamt starben bei dem Angriff nach Hamas-Angaben sieben Menschen. Die Terrororganisation gab umgehend Israel die Schuld. Israels Militär wollte Berichte über eine gezielte Tötung von Al-Aruri nicht kommentieren.

Hisbollah-Chef warnt: Haben keine Angst vor Krieg

Nasrallah bezeichnete die Tötung des hochrangigen Hamas-Vertreters in seiner Rede als «eklatanten israelischen Angriff». «Die Ermordung Al-Aruris ist ein gefährliches Verbrechen, das nicht ohne Reaktion und Bestrafung bleiben wird», sagte der Hisbollah-Chef. «Wir haben keine Angst vor dem Krieg und wir zögern nicht.» Nasrallah kündigte an, sich am Freitag erneut öffentlich äußern zu wollen.

Als Reaktion auf den Tod von Al-Aruri feuerte die Hisbollah einige Raketen auf israelische Ziele ab. Das israelische Militär griff daraufhin seinerseits Ziele im Libanon an. Die Hisbollah meldete zwei weitere getötete Mitglieder.

USA hatten millionenschweres Kopfgeld auf Hamas-Vize ausgesetzt

Die USA hatten auf den getöteten Hamas-Vize Al-Aruri ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen US-Dollar (4,5 Mio Euro) ausgesetzt. Die USA stufen Hamas wie die EU als Terrororganisation ein. Schon 2015 hatten die USA Al-Aruri als weltweit tätigen Terroristen designiert.

Die USA hatten das Kopfgeld 2018 angekündigt im Rahmen des Programms «Rewards for Justice». Bei diesem wurden bisher mehr als 250 Millionen US-Dollar an 125 Tippgeber weltweit gezahlt, um mit deren Hinweisen «Bedrohungen für die nationale Sicherheit der USA» zu bekämpfen, wie es beim US-Außenministerium hieß.

Neue Angriffe im Gazastreifen fordern wieder viele Tote

Binnen 24 Stunden wurden bei israelischen Angriffen im Gazastreifen laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wieder 128 Palästinenser getötet. 261 weitere Menschen seien bei insgesamt zehn Attacken verletzt worden, teilte die Behörde mit. Damit steige die Zahl der Getöteten auf 22.300, die der Verletzten auf 57.300. Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen verübt hatten.

US-Experten: Nachlassen israelischer Angriffe günstig für Hamas

Israels Armee riskiert im Gaza-Krieg nach Einschätzung von US-Experten, mit einem Nachlassen der Bombardierungen in die Hände der islamistischen Hamas zu spielen. Die israelischen Streitkräfte gingen im Norden des Gazastreifens zu einer Phase gezielter Schläge mit geringerer Truppenstärke über, was es der Hamas wahrscheinlich ermöglichen werde, sich militärisch neu zu formieren, hieß es in einem Bericht des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW).

Israels Armee hat jüngst fünf Brigaden abgezogen und einigen Reservisten die einstweilige Rückkehr ins Zivilleben erlaubt. Israels Armee habe zwar mehrere Hamas-Einheiten dezimiert und andere kampfunfähig gemacht. «Aber die militärischen Kräfte der Hamas sind derzeit weder besiegt noch zerstört», erklärte das ISW.

Hisbollahs Tunnelsystem rückt in den Blick

Die Hisbollah im Libanon soll über ein Tunnelsystem verfügen, das einem Medienbericht zufolge weit ausgefeilter ist als das der Hamas. Die unterirdischen Tunnel verliefen im Süden Libanons über Hunderte Kilometer bis zur Grenze nach Israel hinein, zitierte die «Times of Israel» den Geheimdienstexperten Tal Beeri. Die Hamas nutze ihr eigenes Tunnelnetz als Schutz vor Israels massiven Bombardierungen und um sich zu verstecken. Außerdem bedienten sich die Terroristen der Tunnel, um aus dem Nichts aufzutauchen und hinterrücks heranrückende israelische Soldaten anzugreifen.

Neue Vorwürfe der WHO gegen Israels Armee

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warf Israel derweil «skrupellose» Angriffe auf ein Krankenhaus in der umkämpften Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens vor. Nach Angaben des palästinensischen Rettungsdienstes Roter Halbmond sind bei den Angriffen mindestens fünf Zivilisten getötet worden, darunter ein fünf Tage alter Säugling, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Online-Plattform X, früher Twitter, in der Nacht zu Mittwoch.

© dpa
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