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Hamas-Anführer Al-Aruri ums Leben gekommen

Wurde der Hamas-Anführer in der libanesischen Hauptstadt gezielt getötet? Die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah inmitten des Gaza-Kriegs steigt.
Explosion in Beirut
In einem südlichen Vorort von Beirut wurden laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA infolge einer Explosion sechs Menschen in den Tod gerissen. © Stringer/dpa

Es ist eine deutliche Eskalation in einer ohnehin brandgefährlichen Lage: Bei einer Explosion in Beirut ist der zweithöchste Anführer der islamistischen Hamas im Ausland, Saleh al-Aruri, ums Leben gekommen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Hisbollah. Auch der Hisbollah-nahe Fernsehsender Al-Manar berichtete, dass der stellvertretende Leiter des Hamas-Politbüros tot sei.

Neben einem Anführer sind laut einem der Hamas nahestehenden Fernsehsender auch zwei weitere hochrangige Mitglieder der Islamistenorganisation getötet worden. Es handelt sich um die Kommandeure Samir Fandi Abu Amer und Assam al-Akra Abu Ammar des bewaffneten Arms der Gruppierung, wie der TV-Sender mitteilte. Die Hamas selbst sprach von zwei getöteten Anführern ihrer Kassam-Brigaden. Sie bestätigte auch den Tod eines ihrer Anführer, des stellvertretenden Leiters des Hamas-Politbüros, Saleh al-Aruri. Insgesamt wurden sechs Menschen getötet, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtet.

Die Explosion ereignete sich vor einem Büro der Hamas in einem südlichen Stadtteil Beiruts, der als Hochburg der vom Iran unterstützten Hisbollah gilt. Die genauen Hintergründe der Explosion blieben zunächst unklar. Schnell kam aber der Verdacht auf, dass es sich um eine gezielte Tötung handeln könnte - mutmaßlich durch Israels Armee oder im Auftrag Israels. Israels Militär kommentierte die Berichte auf Anfrage nicht.

Mit dem Tod Al-Aruris rückt die Hisbollah einen Schritt näher an eine größere militärische Konfrontation mit Israels Armee. Zwischen den beiden kommt es seit Beginn des Gaza-Kriegs zunehmend zu Gefechten nahe der gemeinsamen Grenze - den wohl schwersten seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006. Israelischen Medien zufolge ist die Armee nach dem Vorfall in Beirut auf alle Szenarien vorbereitet, auch auf den Beschuss mit Raketen größerer Reichweite aus dem Libanon. Die Hisbollah gilt als weitaus schlagkräftiger als die Hamas.

Der libanesische Militärexperte und frühere General Chalil Hilo bezeichnete die Situation als «sehr gefährlich». Die Hisbollah werde einen «Angriff in ihrer Hochburg in Beirut nicht tolerieren». Hinweise darauf könnte es am Mittwoch geben - in einer am Abend geplanten Rede von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah.

Al-Aruri, den Israel als Drahtzieher von Anschlägen im Westjordanland sah, galt schon länger als mögliches Anschlagsziel. Er soll für die Aktivitäten des militärischen Hamas-Arms im Westjordanland zuständig gewesen sein. Israel und die Hamas hatten im Sommer - schon vor Beginn ihres laufenden Kriegs - Drohungen ausgetauscht. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dabei, Al-Aruri wisse «sehr genau, warum er und seine Freunde sich versteckt halten».

Gespräche über Freilassung der Geiseln angehalten

Für Bemühungen im Gaza-Krieg um eine erneute Feuerpause oder auch die Freilassung von Geiseln bedeutet Al-Aruris Tod ein Rückschlag. Die Zeitung «Haaretz» berichtete unter Berufung auf arabische Diplomaten, dass die Gespräche durch das «Attentat» zum Stillstand gekommen seien. Al-Aruri selbst soll einer der Unterhändler gewesen sein für die Freilassung von Geiseln aus Gewalt der Hamas vergangenen Monat.

Augenzeugen sagten, ein Gebäude sei von einem Angriff einer Drohne getroffen worden, außerdem ein Auto, aus dem Zivilschützer nach dem Brand eine verkohlte Leiche zogen. Teile eines Gebäudes waren nach der Explosion komplett zerstört. Libanesische Medien berichteten, Al-Aruri sei in einer Wohnung getötet worden. Aus Hamas-Quellen hieß es, in der Gegend habe eine Palästinensergruppe am Abend ein Treffen abgehalten.

Videos nach der Explosion zeigten mindestens ein brennendes Auto nahe einer belebten Straße. Auch Sirenen von Krankenwagen waren zu hören. Über der Gegend stieg weißer Rauch auf, auf der Straße lagen Glassplitter. Bald darauf versammelten sich Hunderte Anhänger der Hisbollah in der Nähe. In einem palästinensischen Flüchtlingslager im Süden des Libanons kam es zu Demonstrationen.

Die «Washington Post» berichtete unter Berufung auf eine anonyme Quelle aus US-Verteidigungskreisen, das israelische Militär sei für den Angriff in Beirut verantwortlich.

Likud-Mitglied gratuliert

Danny Danon, ranghohes Mitglied in Netanjahus Likud-Partei, gratulierte Israels Militär, Geheimdiensten und Sicherheitskräften auf X zur Tötung Al-Aruris. Berichten zufolge untersagte der israelische Kabinettssekretär den Ministern, sich zu dem Vorfall zu äußern. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb auf X: «Alle deine Feinde werden umkommen, Israel.» Israel hatte zuvor alle Hamas-Mitglieder zum Ziel erklärt, die an Planungen der Massaker vom 7. Oktober beteiligt waren - unabhängig von ihrem Aufenthaltsort.

Der geschäftsführende libanesische Premierminister Nadschib Mikati sprach von einem «israelischen Verbrechen, das den Libanon auf jeden Fall in eine neue Phase der Konfrontationen führen will».

Irans Außenamtssprecher Nasser Kanaani machte Israel für den Tod des Hamas-Vertreters verantwortlich und verurteilte die mutmaßliche Attacke. Sie sei «Ergebnis der Verzweiflung und einer schweren und irreparablen Niederlage gegen palästinensische Widerstandsgruppen», sagte Kanaani laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Kanaani forderte zudem eine Reaktion durch den UN-Sicherheitsrat.

Im Kontakt mit dem Hisbollah-Chef

Al-Aruri war Berichten zufolge 58 Jahre alt und verbrachte insgesamt zwölf Jahre in israelischen Gefängnissen vor seiner Freilassung 2010. Er genoss Privilegien als Gesprächspartner von Hisbollah-Chef Nasrallah, der sich nur selten öffentlich zeigt. Israels Armee hatte Al-Aruris Haus im Westjordanland Ende Oktober zerstört.

Die Explosion ereignete sich am Abend vor dem 3. Jahrestag der Tötung von General Ghassem Soleimani der iranischen Revolutionswächter (IRGC). Die USA hatten ihn 2020 im Irak durch einen Drohnenangriff getötet. Die Rede Nasrallahs am Mittwoch war zum Jahrestag der Soleimani-Tötung angekündigt. Kürzlich war zudem der ranghohe iranische General Sejed-Rasi Mussawi bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff in Syrien getötet worden.

© dpa ⁄ Johannes Sadek und Weedah Hamzah, dpa
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