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Rettung für Kurt Tucholsky Literaturmuseum in Sicht

Geplante Einsparungen der Stadt Rheinsberg beim Tucholsky-Museum führten zu einem Aufschrei in der Kulturszene. Der Deutsche Kulturrat setzte das Museum auf die Rote Liste. Nun will der Landkreis einspringen.
Tucholsky-Museum
Landrat Ralf Reinhardt (l) und Leiter Peter Böthig mit der «Vossischen Zeitung» vom 20.10.1929 mit einem Artikel von Kurt Tucholsky. © Soeren Stache/dpa

Die Stadt Rheinsberg in Brandenburg will mit dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin wegen einer Übernahme der Trägerschaft für das Kurt Tucholsky Literaturmuseum verhandeln. Die Stadtspitze wolle in der Stadtverordnetenversammlung am 18. Dezember einen entsprechenden Antrag unterstützen, sagte der stellvertretende Bürgermeister Norman Geist.

Das Gremium hatte im Oktober zur Haushaltssicherung beschlossen, die wissenschaftliche Leitung des Museums nach dem Ausscheiden des Leiters Peter Böthig Ende März 2024 in dieser Form nicht mehr zu besetzen. Diese Position sollte dann mit der Leitung der Tourismus-Information zusammengelegt werden.

Defizit von rund 241.000 Euro

Für die Stadt Rheinsberg sei das Museum in seiner bisherigen Form ein großer Kostenfaktor, sagte Geist. Trotz Förderung durch das Land in Höhe von 65.000 Euro und weiteren knapp 15.000 Euro vom Landkreis müsse die Stadt in diesem Jahr ein Defizit von rund 241.000 Euro ausgleichen, rechnete der stellvertretende Bürgermeister vor.

Der Landkreis will das Museum hingegen mit einer wissenschaftlichen Leitung sichern. Bis eine geeignete Nachfolge gesichert sei, könne auch der Vertrag mit Böthig verlängert werden, stellte Britta Avantario, Referentin des Landrats Ralf Reinhardt (SPD), in Aussicht. Der Kreistag beschloss, der Stadt Rheinsberg eine Übernahme der Trägerschaft für das Museum zum 1. April anzubieten.

Lesungen mit hochrangigen Autorinnen und Autoren

Das Museum habe sich seit der Eröffnung im Jahr 1991 zu einer deutschlandweit anerkannten Kultureinrichtung entwickelt, begründete Landrat Reinhardt die geplante Übernahme. Dort seien bislang mehr als 470 Lesungen mit hochrangigen Autorinnen und Autoren wie Christa Wolf, Fritz J. Raddatz oder Günter de Bruyn veranstaltet worden. Hinzu kamen 165 Ausstellungen. Die Sammlung des Museums umfasse rund 8000 Artefakte von Tucholsky und anderen Autoren.

Der Deutsche Kulturrat hatte das Tucholsky-Museum nach dem Beschluss der Rheinsberger Stadtverordnetenversammlung auf die Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen gesetzt. Auch das Brandenburger Kulturministerium wäre erleichtert, wenn der Landkreis das Museum in seiner derzeitigen Form erhält.

© dpa
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