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Eberl zwischen Suche und Umbau: «Bin kein Heilsbringer»

Hoeneß-Wunschkandidat Max Eberl legt beim FC Bayern los. Er muss schnell einen Trainer finden und knifflige Kaderfragen beantworten. Er erzählt, warum er einst mit Didi Hamann Kisten packen musste.
Max Eberl
Max Eberl ist der neue Sportvorstand des FC Bayern München. © Sven Hoppe/dpa

Trainersuche, Kaderumbau, Hoeneß-Fußstapfen - vor der Wucht der Aufgaben hat der zum «Heilsbringer» erkorene neue Bayern-Sportvorstand Max Eberl keine Angst.

«Ich habe schon unterschrieben, ich kann nicht mehr zurück», scherzte der 50-Jährige, als er auf eine schier endlose To-do-Liste beim FC Bayern angesprochen wurde. «Ich bin kein Heilsbringer. Ich bin ein Typ, der anpacken möchte, der in seiner Zeit als Manager immer Gas geben musste.» Er sei froh, nach 30 Jahren «nach Hause» zu kommen, zu dem Verein, «der immer ein Stück von meinem Herzen war», sagte der einst für die Bambini des FC Bayern kickende Eberl.

Bei der Vorstellung in der Allianz Arena passenderweise zum 124. Club-Geburtstag verwies Eberl auf seinen Aufgabenzettel im DIN-A5-Format, auf dem die Suche nach einem neuen Trainer nach der beschlossenen Trennung von Thomas Tuchel am Saisonende neben dem Kampf um Titel aus der «Jägerrolle» die drängendste Aufgabe ist. «Wir müssen den passenden Trainer für Bayern München finden und dann eben auch die passenden Spieler, die zu Bayern München und zu unserem Trainer passen», sagte Eberl. «Das am liebsten so schnell wie möglich, aber das wird nicht ganz so einfach sein.» 

Alonso und Eberl - da war doch mal was?

Kandidaten, das würde zum Beispiel auf Leverkusens Xabi Alonso zutreffen, stünden möglicherweise noch anderswo unter Vertrag, sagte Eberl, der einst schon mit Alonso über einen Wechsel nach Gladbach verhandelte. «Das war ein sehr interessantes Gespräch, aber das lässt keinen Rückschluss auf heute zu», sagte Eberl.

Viel verriet der langjährige Gladbach- und ehemalige Leipzig-Manager nicht zur Trainersuche. Deutsch oder Englisch wären als Sprache hilfreich, wenngleich das kein Ausschlusskriterium sei. «Dieses Puzzle zusammenzusetzen, Trainer, Verein, Gedanken, Spieler - das ist jetzt die Aufgabe der nächsten Monate.»

Eberl war immer «Prio Nummer 1»

Nach Matthias Sammer (2012-2016), Hasan Salihamidzic (2017-2023) soll nun Eberl mit einem Vertrag bis 2027 als dritter Sportvorstand des FC Bayern den Verein nach turbulenten und in dieser Saison womöglich erstmals wieder titellosen Tagen in ruhmreiche Zeiten führen. Mit dem vor einem halben Jahr verpflichteten Sportdirektor Christoph Freund werde er auf «Augenhöhe» zusammenarbeiten, sagte Eberl. Im Vorstand ist er an der Seite der langjährigen Banker Jan-Christian Dreesen und Michael Diederich der wichtigste Ansprechpartner für die sportlichen Belange. 

Eberl sei für den Posten immer «Prio Nummer 1» gewesen, betonte Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Hainer. Er stellte dem neuen starken Mann in Transferfragen ein ordentliches Budget für einen möglichen Umbau des Kaders in Aussicht. «Natürlich ist es unser oberstes Ziel, sportlichen Erfolg zu haben», sagte Präsident Hainer, «und natürlich müssen wir dafür bestimmte finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.» Der Ostfriese Dreesen, der den Niederbayern Eberl mit einem «Willkommen dahoam» begrüßte, hofft auf langfristigen und nachhaltigen sportlichen Erfolg sowie auf «Weitsicht auf dem Transfermarkt». 

Expertise von Hoeneß und Rummenigge ist Eberl wichtig

Als langjähriger Wunschkandidat von Bayern-Patron Uli Hoeneß und nun als dessen Nachfolger viele Jahre später will Eberl Hoeneß' Expertise ebenso wie die des früheren Vorstandschefs Karl-Heinz Rummenigge nutzen. Er sei als Profi «fußballerisch sehr limitiert» und von seinem Umfeld abhängig gewesen und auch heute brauche er ein gutes Umfeld für Erfolge, sagte der langjährige Gladbacher Verteidiger.

Eberl holt sich weiterhin Rat vom Psychologen

Offen sprach Eberl über sein Ende in Gladbach. Dort verkündete er im Januar 2022 seinen Rückzug als Sportdirektor, «weil ich einfach erschöpft bin, weil ich einfach müde bin, weil ich keine Kraft mehr habe, diesen Job auszuüben, so wie es dieser Job und dieser Verein benötigt», erläuterte er damals. Er lässt sich weiterhin von einem Psychologen beraten, «den ich jetzt Gott sei Dank nicht mehr so häufig brauche wie in der Zeit».

Sorgen mache er sich trotz der großen Aufgabe keine. «Ich trete ein großes Erbe an», räumte Eberl aber ein. Als Jugend- und Amateurspieler lief er anderthalb Jahrzehnte für die Bayern auf, kam zu einem Profieinsatz - und erlebte Ansagen der Münchner Amateurtrainerlegende Hermann Gerland. «Mitte der 1990er habe ich mit Didi Hamann Pakete im Fanshop packen müssen, weil Hermann Gerland nicht wollte, dass wir in den Sommerferien irgendwie rumlungern.»

Eberl: Trainersuche und Kader «kein Hexenwerk»

Dazu ist auch jetzt keine Zeit. «Natürlich ist der Aufgabenzettel sehr groß, aber ich habe keine Angst.» Sowohl die Trainersuche als auch die Arbeit an der neuen Kaderstruktur sei «kein Hexenwerk», versicherte Eberl, der in einer Karo-Hose erschien. Wie groß der Umbau ausfalle, da legte sich Eberl nicht fest. Gespräche werde er führen, namentlich ging es um den von Real Madrid umworbenen Alphonso Davies und um Führungskraft Joshua Kimmich.

Erst einmal gilt es ohnehin, diese missglückte Spielzeit noch zu einem Happy End zu führen. «Ich will diese Saison nicht hergeben», verkündete Eberl, der auch die Abteilung Attacke beim FC Bayern wiederbeleben soll. Ziel sei es, «das Bestmögliche in der Saison herauszuholen.» Die Münchner liegen aktuell in der Bundesliga acht Punkte hinter Spitzenreiter Bayer Leverkusen. In der Champions League muss der FC Bayern im Achtelfinale ein 0:1 gegen Lazio Rom aufholen.

© dpa ⁄ Christian Kunz, Martin Moravec und Manuel Schwarz, dpa
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