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Bayern im «Kampfmodus»: Neuer als Mutmacher gegen Arsenal

Dem taumelnden FC Bayern droht der finale Titel-K.o. Die Rückkehr von Kapitän Neuer und auch Sané weckt Mut. Trainer Tuchel gibt das Ziel vor. Und Kane setzt bei der Heimkehr auf eine imposante Serie.
Manuel Neuer
Torwart Manuel Neuer (r) soll dem fragilen Bayern-Gebilde wieder Stabilität geben. © Sven Hoppe/dpa

Max Eberl verstaute noch schnell Brille und Handy im Rollkoffer, bevor er gestenreich den verbalen Einpeitscher und Mutmacher für den kniffligen London-Trip des FC Bayern München gab.

Nachdem man das verflixte Heidenheim-«Ding» intensiv aufgearbeitet und sich intern «klar die Meinung gesagt» habe, sei es nun entscheidend, «in diesem von Thomas Müller angesprochen Kampfmodus nach London zu fahren», verkündete der Sportvorstand, bevor er einen erst drei Tage alten Sonderflieger auf die Insel bestieg.

Nach einer harten Landung bei englischem Wetter strahlte Trainer Thomas Tuchel am Vorabend viel Vorfreude aus, als er dem wieder einsatzfähigen Leroy Sané im Emirates Stadion lachend auf die Schulter klopfte. «Wir brauchen zwei absolute Topleistungen», nannte Tuchel als Grundlage für den Halbfinal-Einzug. Eberl räumte freilich ein: «Favorit ist Arsenal.»

Sané: Können einiges gutmachen

Spätestens auf dem Weg in den Finalort der Champions League forcierte der taumelnde FC Bayern um London-Rückkehrer Harry Kane das Aufbäumen gegen den finalen Titel-K.o. in dieser Saison. Als Mutmacher gingen nach chaotischen Tagen die Rückkehrer Manuel Neuer, Sané, Kingsley Coman und auch Youngster Aleksandar Pavlovic mit an Bord. «Wir müssen nach vorne schauen und können einiges wiedergutmachen», sagte Sané.

Eberls Hoffnung auf ein gutes Ergebnis im Viertelfinal-Hinspiel am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) speist sich auch aus den überwiegend guten Bayern-Auftritten in Europa in dieser Spielzeit: «Die Qualität der Mannschaft ist da. Das hat sie schon gezeigt, allerdings zu wellenartig.»

Gute 50 Tage vor dem Königsklassen-Finale im Wembley-Stadion kehrt Arsenal-Spezialist Kane in seine langjährige Wahlheimat zurück. Wie auch Tuchel, der einst in London als Trainer des FC Chelsea mit dem Königsklassen-Pokal seinen größten Triumph feierte.

Tuchel und das große Ziel: Wembley

Begleitet von Forderungen nach seiner sofortigen Ablösung gab der 50-Jährige die Marschroute für seinen letzten großen Bayern-Wunsch aus: Wembley. «Die Saison ist nicht verloren, sie ist dann zu Ende, wann sie zu Ende ist», sagte Tuchel. Oftmals in der Bundesliga vermisste Attribute wie «Hunger, Hingabe und Leidenschaft» würde der 50-Jährige gerne gegen Arsenal sehen. «Ich nehme ihn total fokussiert und klar wahr», sagte Eberl und ergänzte: «Wir sitzen zusammen im Boot.»

Tuchel empfing seine Spieler nach einer längeren Besprechung lachend zum Abschlusstraining, das bei sommerlichen Temperaturen noch in München stattfand. Zu bereden gab es davor viel, der Trainingsbeginn verschob sich nach hinten. Wie nach der blutleeren Clásico-Pleite gegen Borussia Dortmund (0:2) und dem surreal anmutenden 2:3 in Heidenheim die Wandlung in London glücken soll, bleibt freilich die entscheidende Frage.(Königs-)Klasse auf Knopfdruck? Oder doch die nächste Alarmstufe nach Arsenal?

Gnabry: Bayern ist da, wenn es drauf ankommt

«Es ist ein 'Do-or-Die-Spiel'. Da sind wir meistens besonders stark», sagte der einst für Arsenal und in London mit vier Toren für Bayern gegen Tottenham schon stark spielende Serge Gnabry. Für Zuversicht durfte für den ersehnten Schritt auf dem Weg nach Wembley und ins Finale am 1. Juni auch die jüngste Arsenal-Bilanz von dreimal 5:1 herhalten.

Vor dem Rückspiel am Mittwoch kommender Woche in der Allianz Arena soll besonders die Rückkehr von Kapitän Neuer dem fragilen Bayern-Gebilde wieder Stabilität geben. «Es ist immer schön, wenn du Manuel als Galionsfigur auf dem Platz hast», sagte Eberl. Seit seinem bei der Nationalmannschaft erlittenen Muskelfaserriss fehlt der 38-Jährige, beide Spiele ohne ihn gingen verloren. Sané und Coman sollen der zu berechenbaren Offensive mehr Tempo und frische Impulse verleihen. Das Arsenal-Team von Trainer Mikel Arteta gewann schließlich alle Heimspiele in dieser Champions-League-Saison, ohne jedes Gegentor.

Keine Bayern-Fans erlaubt

«Wir müssen Energie aufbauen. Wir wissen alle, dass wir es ganz anders können, aber auch müssen», mahnte Sportdirektor Christoph Freund. Fans können beim Energieaufbau kaum helfen, denn wegen einer UEFA-Strafe sind rund 15 Kilometer vom Endspielstadion entfernt keine Bayern-Anhänger zugelassen.

Neben Neuer will auch dessen Weltmeisterkollege Müller gegen den Spitzenreiter der Premier League um den Nationalteamkollegen Kai Havertz vorangehen. «Wir werden alles geben. Es ist nicht so, dass wir uns in der Nase bohren und alles egal ist», versicherte Müller vor seinem 150. Champions-League-Einsatz. Auf dem Trainingsrasen strahlte er - wie auch Mützenmann Sané - fast schon demonstrativ gute Laune aus.

Kane mit Top-Bilanz gegen Arsenal

Kane schoss sich begleitet von Kirchenglocken schon mal für einen Lieblingsgegner warm. Die Tottenham-Ikone, die im Alter von acht Jahren mal eine Saison für den FC Arsenal spielte, traf bei den Profis in 19 Pflichtspielen gegen die Gunners 14 Mal. «Tore», antwortete Eberl auf die Frage nach seiner Erwartung an Kane und prophezeite: «Harry wird eine wichtige Figur sein.»

Nach den jüngsten Tiefschlägen und dem Aus in DFB-Pokal und Meisterschaft spricht aber mehr dafür, dass die Titellos-Serie von Kane ein weiteres Jahr anhält. Furchteinflößend sind die Münchner, die in London wie schon beim Champions-League-Triumph 2013 wieder im Nobelhotel The Landmark logieren, zum Start in die heiße K.o.-Phase keineswegs. Dreimal nacheinander wurde das Viertelfinale zuletzt zur europäischen Endstation. Ein Jahr vor dem Champions-League-Finale im eigenen Stadion soll diese Serie nicht fortgeschrieben werden. Der mögliche Halbfinal-Gegner ist auch schon bekannt, es wäre Titelverteidiger Manchester City oder Champions-League-Rekordsieger Real Madrid. Mehr Motivation geht kaum.

© dpa ⁄ Christian Kunz und Klaus Bergmann, dpa
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