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Wirtschaftskriminalität: Mehr Fälle, weniger Schaden

Deutliche mehr Straftaten, dabei aber ein deutlich geringerer Gesamtschaden - das geht aus dem neuen Lagebild zur Wirtschaftskriminalität in NRW hervor.
Wirtschaftskriminalität
Auf einer Computertastatur liegen Kreditkarten. © Uli Deck/dpa

Die Zahl der aufgedeckten Straftaten im Bereich der Wirtschaftskriminalität ist in Nordrhein-Westfalen zuletzt um 26 Prozent gestiegen. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen registrierte 8245 Straftaten in diesem Bereich für das Jahr 2022, nach 6540 Taten im Vorjahr. Der Anstieg ist vor allem auf eine deutlich gestiegene Zahl der sogenannten Wettbewerbsdelikte zurückzuführen. Das geht aus einem aktuell veröffentlichen Lagebild zur Wirtschaftskriminalität hervor.

Die Schäden, die dabei insgesamt verursacht wurden, waren dagegen deutlich rückläufig. Nach 529 Millionen Euro im Vorjahr waren es 2022 nur noch 362 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um knapp 32 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Tief.

Der Anteil der Wirtschaftskriminalität an sämtlichen Straftaten betrug dabei lediglich 0,6 Prozent. Der Anteil am Gesamtschaden der Kriminalität liegt dagegen bei fast 27 Prozent. Die Polizei ermittelte im Berichtsjahr gegen rund 6600 Verdächtige. Die Zahlen spiegelten nur das Hellfeld der aufgedeckten Wirtschaftskriminalität wider, betonten die Ermittler. Es sei von einem großen Dunkelfeld auszugehen.

So ermittelte die Duisburger Polizei gegen elf Verdächtige, die mit einem Fake-Handel von Autoteilen eine Bank getäuscht haben sollen. Bevor die Bank erkannte, dass die Geschäftstätigkeiten nur zum Schein entwickelt wurden, waren bereits Lastschriften mit einem Volumen von 1,6 Millionen Euro abgebucht worden.

Mit Rückbuchungen konnte die Bank noch einen Teil des Geldes retten, 630 000 Euro blieben aber verschwunden. Der Geschäftsführer des Scheinunternehmens wurde in Frankreich festgenommen, als Hintermann und Haupttäter gilt ein 45-Jähriger aus Berlin.

Mithilfe der Flut-Katastrophe hätten sich zwei Männer fünf Millionen Euro vom Land NRW ergaunern wollen. Sie hätten für Schrottimmobilien gefälschte Gutachten mit überhöhten Werten vorgelegt und damit Wiederaufbauhilfen des Landes in Millionenhöhe beantragt. Dabei seien nur 2 der 16 Immobilien der beiden Verdächtigen von der Flut überhaupt betroffen gewesen. Es sei bereits über eine Million Euro ausgezahlt gewesen, als man den Männern auf die Schliche kam.

Ein Arzt in Recklinghausen soll massenhaft Impfbescheinigungen für Corona-Schutzimpfungen gegen Bargeld ausgereicht haben, ohne zu impfen. 13.000 Euro soll er auf diese Weise erbeutet haben.

Ein Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft im sauerländischen Warstein soll Tochterfirmen gegründet haben, um Geld der Eigentümerin der Gesellschaft zu veruntreuen. Die Firmen hätten jahrelang Verluste erwirtschaftet, was er durch Bilanzfälschung verschleiert habe. Auf diese Weise soll er einen Schaden von 15 Millionen Euro verursacht haben.

Eine 150-köpfige Tätergruppe aus Rumänien soll in großem Stil unberechtigt Kindergeld kassiert haben. Auf diese Weise sei ein Schaden von zwei Millionen Euro entstanden. Das Hauptzollamt Dortmund hatte zusammen mit der Dortmunder Polizei in dem Fall ermittelt.

Das Landeskriminalamt warnte vor Handelsplattformen mit hochspekulativen Geldanlagen im Internet. Die nicht lizenzierten Plattformen mit Sitz im EU-Ausland lockten mit großen Gewinnmöglichkeiten. Tatsächlich täusche aber eine Betrugssoftware Kontobewegungen und Handelsgewinne nur vor. In der Realität werde mit dem Geld der Anleger gar nicht gehandelt - es verschwinde auf ausländischen Konten.

Wer sich seine vermeintlichen Gewinne auszahlen lassen wolle, werde hingehalten und aufgefordert, Steuern oder Bearbeitungsgebühren zu zahlen. Dies diene nur dem Zweck, noch mehr Geld zu erbeuten. Irgendwann werde der Zugriff auf das Konto gesperrt. Dann träten vermeintliche Mediatoren auf den Plan, um ein drittes Mal abzukassieren.

© dpa
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