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Viele Böllerwürfe auf Einsatzkräfte: Weniger Beamte verletzt

Nach massiven Übergriffen gegen Einsatzkräfte vor einem Jahr hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen in der Silvesternacht 2023/24 ihre Präsenz massiv erhöht. Angriffe gegen Beamte gab es trotzdem. 21 Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt.
Silvester - Köln
Abgebrannte Feuerwerkskörper liegen auf dem Fischmarkt in der Innenstadt während Feuerwerk gezündet wird. © Sascha Thelen/dpa

Erneut ist die Silvesternacht in Nordrhein-Westfalen von zahlreichen Angriffen gegen Einsatzkräfte überschattet worden. Häufig wurden sie mit Böllern beworfen oder mit Raketen attackiert. Die Feuerwehren löschten zahlreiche Brände, die vermutlich durch Feuerwerk verursacht wurden. Unsachgemäßer Umgang mit Knallkörpern sorgte einmal mehr für Verletzungen. Am Kölner Dom wurde der Jahreswechsel nach einer Terrorwarnung unter hohen Sicherheitsmaßnahmen gefeiert. Allein in Köln und Leverkusen waren 1000 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz.

21 verletzte Polizistinnen und Polizisten

Bei Einsätzen wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 21 Beamtinnen und Beamte verletzt. Das waren deutlich weniger als vor einem Jahr, als 43 Beamte zu Schaden kamen. Die Einsatzkräfte wurden etwa durch Pyrotechnik verletzt, wie das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in einer vorläufigen Bilanz berichtete. Die meisten Polizisten seien dienstfähig geblieben, sagte eine Sprecherin. Einige hätten ein Knalltrauma erlitten. Nach massiven Angriffen in der Silvesternacht 2022/23 hatte das Innenministerium die Zahl der diensthabenden Polizistinnen und Polizisten auf mehr als 6600 aufgestockt.

NRW-Innenminister Herbert Reul verurteilte die erneuten Übergriffe auf Einsatzkräfte «aufs Schärfste». «Es laufen immer noch zu viele Leute rum, die nicht gelernt haben, wie man miteinander umgeht», erklärte der CDU-Politiker am Montag in Düsseldorf. «Die Ursachen müssen wir als Gesellschaft erkennen und auch entschieden bekämpfen.» Respekt und anständiger Umgang müssten wieder besser erlernt werden.

Unter anderem wurden bei einem Brandeinsatz in Solingen Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei mit Böllern und Raketen angegriffen. Die Polizei geht davon aus, dass 30 bis 40 Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren an den Angriffen beteiligt waren. Die Täter blieben unbekannt. Der Einsatz dauerte rund dreieinhalb Stunden, mehr als 60 Polizistinnen und Polizisten waren beteiligt. Verletzt wurde niemand.

Rakete traf Feuerwehr-Einsatzleiter am Kopf - unverletzt

Auch in Erkrath griffen Unbekannte bei einem Einsatz die Feuerwehr mit Silvesterraketen an und bewarfen sie mit Böllern. Der Einsatzleiter wurde dabei von einer Feuerwerksrakete am Kopf getroffen. «Dank seines Schutzhelmes und dem geschlossenen Gesichtsvisier sowie seiner Flammschutzkleidung wurde er nicht verletzt», berichtete die Feuerwehr am Montag. Einsatzanlass waren brennende Mülltonnen. Durch einen massiven Polizeieinsatz sei es schließlich möglich gewesen, die brennenden Tonnen zu löschen.

In Bergheim wurden Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr während der Löscharbeiten eines Brandes massiv mit Feuerwerkskörpern beworfen. Die Einsatzhose eines Polizeibeamten wurde durch Feuerwerkskörper angesengt. In einem weiteren Fall sollen mehrere Menschen eine Rettungswagenbesatzung mit Steinen beworfen haben.

Die Polizei zählte landesweit 46 Widerstandshandlungen (Vorjahr 51). In 48 Fällen wurden Anzeigen wegen tätlicher Angriffe gegen polizeiliche Einsatzkräfte gefertigt. Im Vorjahr waren es 34 gewesen. Innerhalb von zwölf Stunden zählte die Polizei von Sonntagabend bis Montagmorgen in NRW insgesamt 1186 Platzverweise (Vorjahr 1358). 154 Personen wurden in Gewahrsam genommen (Vorjahr 215). 26 (Vorjahr 25) wurden vorläufig festgenommen. 210 Personen seien von anderen Menschen verletzt worden. Im Vorjahr waren es 238 Verletzte.

Bei den bislang erfassten Straftaten lagen die Zahlen auf dem Vorjahresniveau. Die Polizeibehörden zählten 357 Körperverletzungsdelikte. Bei den gefährlichen Körperverletzungen gab es einen leichten Anstieg um 22 auf 199 Fälle. Die Anzahl der Sexualdelikte ging um 5 auf 27 zurück. Größtenteils habe es sich dabei um sexuelle Beleidigungen und Belästigungen gehandelt.

In Bottrop wurde bei einem Streit um die Nutzung von Pyrotechnik ein 36-Jähriger durch Stiche lebensgefährlich verletzt. Tatverdächtig sind fünf Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 21 Jahren. Eine Mordkommission wurde eingerichtet. In Dortmund sollen vier Jugendliche einen schlafenden Obdachlosen mit Silvesterböllern beworfen haben. Er wurde leicht verletzt. Die Jugendlichen erhielten Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Polizei Düsseldorf sprach von einer «hohen Einsatzintensität». Schwere Straftaten wurden dem Polizeipräsidium dabei bis zum frühen Nachmittag nach eigenen Angaben nicht bekannt.

Heckenbrand griff auf Haus über

Zahlreiche Brände hielten die Feuerwehren in Atem. In Hennef entzündete eine vermutlich durch Pyrotechnik in Brand geratene Hecke am frühen Montagmorgen ein Einfamilienhaus. Das Feuer sprang von der Hecke auf den Balkon, die Fassade und Teile des Dachstuhles über, wie die Feuerwehr Hennef mitteilte. Verletzt wurde niemand. Die Bewohner waren nicht zu Hause.

In Bochum brannte es fast gleichzeitig in zwei Häusern. In einem Fall hatte ein Feuer in der Hausdurchfahrt eines Mehrfamilienhauses auf eine Wohnung im ersten Obergeschoss übergegriffen. Der Bewohner einer Dachgeschosswohnung wurde über eine Drehleiter gerettet, zwei weitere Hausbewohner brachten Einsatzkräfte über das Treppenhaus in Sicherheit. Alle drei blieben unverletzt. Im anderen Fall waren Möbel auf einer Terrasse eines Mehrfamilienhauses in Brand geraten. Die Hitze des Feuers zerstörte die Scheibe, so dass das Feuer auf die dahinterliegende Wohnung übergriff. Nachbarn brachten die beiden Bewohner in Sicherheit. Die Feuerwehr rettete wenig später den Hund des Ehepaares. Auch in diesem Fall blieben alle unverletzt. Nur noch tot bergen konnte die Feuerwehr hingegen einen Hund nach einem Feuer in einer Souterrain-Wohnung in Oberhausen. Die Bewohnerin überlebte und kam in ein Krankenhaus.

In Essen löschte die Feuerwehr den Brand eines Gebäudes, das als hinduistischer Tempel genutzt wird. Verletzt wurde niemand. In Hürth entzündete ein Feuerwerkskörper einen Balkon. Das Feuer weitete sich auf zwei angrenzende Balkone aus. Eine der Wohnungen ist nicht mehr bewohnbar.

Gladbeck: Schwere Handverletzung durch Feuerwerkskörper

Unsachgemäßer Umgang mit Feuerwerkskörpern sorgte erneut für zahlreiche Rettungsdiensteinsätze. Die Stadt Düsseldorf führte allein zwölf Einsätze darauf zurück, die Stadt Bochum zehn. In Gladbeck erlitt ein Mensch eine schwere Handverletzung durch einen Feuerwerkskörper. «Der Verletzte wurde umgehend versorgt und in ein auf Handverletzungen spezialisiertes Krankenhaus gebracht», berichtete die Feuerwehr. Im Kreis Borken trug ein Mann bei der Explosion eines mutmaßlich selbst gebauten Feuerwerkskörpers schwere Verletzungen davon. Zwischenzeitlich habe auch eine Lebensgefahr nicht ausgeschlossen werden können, teilte die Polizei mit.

Schwere Verkehrsunfälle in Silvesternacht

In der Silvesternacht gab es auch schwere Verkehrsunfälle. In Gütersloh kam ein 25 Jahre alter Fahrer in einer Kurve aus zunächst ungeklärten Gründen mit seinem Auto von der Fahrbahn ab und schleuderte gegen einen Baum. Mit lebensgefährlichen Verletzungen kam er in ein Krankenhaus. Der Gütersloher soll nach Angaben der Polizei alkoholisiert gewesen sein.

In Wuppertal fuhr ein unbekannter Autofahrer kurz nach Mitternacht drei Menschen an. Er kümmerte sich nicht um die Verletzten und ergriff die Flucht. Ein 44-Jähriger erlitt schwerste Verletzungen. Auch in Mülheim wurde ein Mensch von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt. Er wurde in die Uniklinik Essen gebracht.

© dpa
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