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Gerüst stürzt in Fahrstuhlschacht - Drei Tote

Dramatischer Unfall auf einer Baustelle in der Hamburger Hafencity: Ein Gerüst in einem Fahrstuhlschacht bricht zusammen und fällt acht Stockwerke in die Tiefe. Die Feuerwehr hat große Mühe, drei tote Arbeiter aus dem «Riesen-Mikado» aus Gerüststangen zu bergen.
Mehrere Bauarbeiter in Hamburg von Gerüst gestürzt
Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr stehen vor einem eingerüsteten Hochhaus. © Steven Hutchings/dpa

Ein Gerüst mit mehreren Bauarbeitern stürzt auf einer Hamburger Baustelle in die Tiefe - und die Retter kommen über Stunden nicht an die Opfer heran. Das Unglück ereignete sich am Montagmorgen in einem Fahrstuhlschacht im Überseequartier in der Hamburger Hafencity. Das Gerüst sei aus dem achten Obergeschoss ins Untergeschoss gefallen, erklärte ein Feuerwehrsprecher. Trümmerteile ragten bis ins zweite Obergeschoss. «Wir wissen (...) von drei Toten, die wir gesichert sehen können in diesem Wirrwarr», sagte ein Feuerwehrsprecher. Ein Arbeiter sei mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden.

Bis zum frühen Nachmittag wurden zwei Tote geborgen. Mindestens ein weiterer Arbeiter wurde unter den Trümmern vermisst. Zunächst war von fünf Toten die Rede gewesen. Die Rettung war kompliziert. Höhenretter und ein Technischer Zug der Freiwilligen Feuerwehr waren im Einsatz. «Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, dass wir hier viele Gerüstteile haben, die gesichert werden müssen, und wir uns hier Stockwerk für Stockwerk erst mal an die Einsatzstelle bis nach unten hin rantasten müssen», erklärte der Feuerwehrsprecher. Der Einsatzleiter habe den Trümmerberg so beschrieben: «Ein Riesen-Mikado mit den ganzen Gerüststangen». 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Auf der Baustelle hätten 1300 bis 1500 Menschen gearbeitet, sagte ein Bauleiter. Nach dem Unglück wurde das Gebäude gesperrt, alle dort Beschäftigten mussten den Bereich verlassen. Auf der Straße standen mehrere Hundert Bauarbeiter in leuchtend gelben Westen und mit Helmen auf dem Kopf. Trotz der strahlenden Herbstsonne sahen sie bedrückt aus. «Es hat einen Unfall gegeben», sagte ein 40-jähriger Arbeiter aus Rumänien. «Wir sollen alle nach Hause gehen.»

Warum das Gerüst zusammenbrach, war zunächst völlig unklar. Spezialisten des Landeskriminalamts nahmen vor Ort erste Ermittlungen auf. «Für eine Einschätzung zur Unfallursache ist es aber noch zu früh», sagte ein Polizeisprecher.

Zur Betreuung der Einsatzkräfte und Augenzeugen wurden Notfallseelsorger hinzugerufen. Auch ein Kriseninterventionsteam war im Einsatz. Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. «Mein Beileid und meine aufrichtige Anteilnahme gelten allen Angehörigen der Opfer», schrieb er auf der Plattform X (vormals Twitter). Gleichzeitig dankte er den Einsatzkräften, «die seit Stunden alles tun, um die Verletzten des schrecklichen Arbeitsunfalls in der Hafencity schnell zu bergen».

Das Überseequartier ist Teil der Hafencity, die als Europas größtes innerstädtisches Stadtentwicklungsvorhaben gilt. Auf dem 14 Hektar umfassenden Gelände an der Elbe entstehen ein großes Einkaufszentrum mit vielen Geschäften, Gastronomie, Entertainment, Büros, ein Kreuzfahrtterminal, Hotels und mehr als 1000 Wohnungen. Der nördliche Teil ist bereits seit 2019 fertig, im südlichen Teil laufen die Arbeiten. Das Immobilienunternehmen Unibail-Rodamco-Westfield investiert nach Angaben der Hafencity Hamburg GmbH mehr als eine Milliarde Euro in die insgesamt rund 260 000 Quadratmeter entstehende oberirdische Bruttogrundfläche.

Auf den Baustellen der Hafencity hat es bereits mehrfach schwere Unfälle gegeben. Erst am 2. September waren vier Arbeiter bei einem ähnlichen Unfall an einer Baustelle an den Hamburger Elbbrücken - unweit der Hafencity - teils lebensbedrohlich verletzt worden. Ein Baugerüst knickte ein und riss die Männer etwa fünf Meter in die Tiefe, wie ein Polizeisprecher sagte. Drei Bauarbeiter im Alter von 27, 35 und 53 Jahren wurden schwer verletzt. Ein 21-Jähriger erlitt lebensbedrohliche Verletzungen. Da zum Unfallzeitpunkt gerade Ebbe herrschte und der Fluss kein Wasser führte, fielen die Bauarbeiter auf das steinige Flussbett.

Am vergangenen 9. Juni waren bei einem Brand auf einer anderen Baustelle im Überseequartier mehrere Gasflaschen explodiert. Von dem zehnstöckigen Rohbau zog eine große Rauchwolke in Richtung Innenstadt. Das Feuer war laut Polizei auf dem Dach des geplanten Einkaufszentrums ausgebrochen - vermutlich beim Verschweißen einer Dachpappe. Beim Versuch, das Feuer zu löschen, wurde ein Kranführer leicht verletzt.

Am 6. April 2020 waren auf einer Baustelle an der Zweibrückenstraße in der Hafencity zwei Arbeiter von herabfallenden Bauteilen schwer verletzt worden. Ein Paket aus 20 bis 30 Schalbrettern, das von einem Kran versetzt wurde, sei vom Haken abgerissen, sagte ein Feuerwehrsprecher.

© dpa ⁄ Carola Große-Wilde, Markus Klemm und Bernhard Sprengel, dpa
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