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«Megaschiss» vor Zaun um Görlitzer Park - viel schlimmer

Vor zehn Jahren sorgten vor allem Drogendealer für Ärger über den Görlitzer Park in Kreuzberg. Inzwischen lockt die gesamte Umgebung Drogensüchtige und Obdachlose an. Bewohner leiden stärker denn je. Einen Zaun um den Park hält eine Initiative aber für falsch.
Bündnis
Die Sicherheit im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg ist wieder in den Fokus von Polizei und Politik gerückt. © Hannes P. Albert/dpa

Mit großer Sorge sehen Stadtteilinitiativen und manche Anwohner den vom Senat angekündigten Bau eines Zauns um den Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg. Die ohnehin schon massiven Probleme mit Obdachlosen, Drogensüchtigen und Dealern in den umliegenden Stadtteilen würden dadurch noch heftiger, sagte der Sozialarbeiter Juri Schaffranek vom Bündnis «Görli zaunfrei» am Dienstag. «Der Zaun führt zu einer Verdrängung und Verschärfung.»

Auch Monika Obrecht aus der Nachbarschaft betonte: «Wir Anwohner haben vor dem Zaun einen Megaschiss. Es wird alles noch schlimmer.» Der vom Senat angekündigte Zaun um den Park sei eine «Scheinmaßnahme», die kein Problem löse und nichts nütze gegen Verelendung, Drogenhandel und Kriminalität in den Nebenstraßen.

In der Diskussion um die Sicherheit im Park will das Bündnis vor allem mehr Geld für Sozialarbeiter, die sich um Drogensüchtige und Obdachlose kümmern. Nötig seien auch mehr Obdachlosenunterkünfte, kostenlose medizinische Hilfe sowie sogenannte Drogenkonsumräume, die Tag und Nacht geöffnet hätten, forderten mehrere Vertreter des Bündnisses bei einer Pressekonferenz. Diese Angebote müssten auch in anderen Stadtteilen ausgeweitet werden. Sonst könne es «eine gewisse Sogwirkung» nach Kreuzberg geben.

Statt eines Zauns brauche der Park an seinen Rändern weitere Öffnungen zur Umgebung, größere Eingänge, Rundwege sowie mehr Belebung durch Sportangebote, Beleuchtung und gastronomische Angebote, sagte Martin Storck von der Initiative Park-Rat.

Die Debatte über die Sicherheit im Görlitzer Park war im Sommer erneut entbrannt, weil eine junge Frau im Juni von mehreren Männern, mutmaßlich aus der Dealerszene, vergewaltigt worden war.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatten daraufhin angekündigt, die Mauer um den Park abzureißen und Anfang 2024 durch einen Zaun mit Eingangstoren zu ersetzen. Nachts könnten die Tore dann abgeschlossen werden.

Aktuell sagte Wegner am Dienstag nach der Senatssitzung: «Wir als Berliner Senat sind überzeugt, dass der Zaun richtig und wichtig ist.» Ziel bleibe es, mit Hilfe des Zauns den Park zu beruhigen und das Gelände etwa für Familien attraktiver zu machen. Über das genaue Verfahren werde beraten. Für die Grünflächen seien zunächst einmal die Bezirke zuständig. Klar sei für ihn aber auch, so Wegner, dass der Senat diese bei gesamtstädtischen Problemen nicht allein lassen und sie finanziell unterstützen werde.

Die Anwohner und Initiativen beklagten gemeinsam, dass sich die Situation rund um den Park in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert habe. «Die Situation macht Angst. Und wir sind auch unglaublich hilflos, der Verelendung zusehen zu müssen», sagte Monika Obrecht. Inzwischen sei Crack, eine Droge, die sehr schnell wirkt und süchtig macht, weit verbreitet. Menschen im Drogenrausch liefen durch die Straßen, in den Hinterhöfen übernachteten Obdachlose und hinterließen ihre Exkremente.

Eine andere Anwohnerin sagte, früher habe sie sich immer sicher gefühlt im Kiez. «Aber nachts ist es jetzt anders. Es ist Stress, vor allem laufen Männer herum, die oft aggressiv sind.»

Grüne, Linke und auch Teile der SPD kritisierten zuletzt, dass die nächtliche Schließung des Parks nur dazu führen werde, dass sich der Drogenhandel noch mehr in die Wohngebiete verlagere. Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann (Grüne), sagte: «Aus unserer Sicht ist das Symbolpolitik, die nicht dazu beitragen wird, die Situation vor Ort nachhaltig zu verbessern.» Die nächtliche Schließung des Parks verdränge die Probleme in «die Hausflure und Hinterhöfe», sagte sie dem «Tagesspiegel» (Dienstag).

«Mir liegt bis heute keine Planung vor, was sich der Regierende und die Innensenatorin genau vorstellen. Zu welchen Uhrzeiten soll der Park abgeschlossen werden? Wer soll das tun? Wie soll dafür gesorgt werden, dass die Leute, die sich zu dem Zeitpunkt noch in dem Park aufhalten, alle rauskommen?», sagte sie. Auch die Frage, wo das Geld für den Zaun herkomme, sei offen.

Die Berliner Grünen-Fraktion will das Problem vor allem mit viel Geld lösen. 55 Millionen Euro sollen laut einem Vorschlag vom Dienstag ausgeben werden für die Unterbringung und Nothilfe für Obdachlose und Drogensüchtige, für die medizinische Versorgung, Suchthilfe und Beratungen.

© dpa
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