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Streik im Einzelhandel - trotz neuem Verhandlungstermin

Seit mehr als acht Monaten ringen Arbeitgeber und Gewerkschaft um einen Tarifabschluss im Einzelhandel. Nach je nach Region bis zu sieben Runden steckt der Konflikt in einer Sackgasse.
Warnstreik im Einzelhandel
Seit Monaten kommt es im Einzelhandel immer wieder zu Warnstreiks. © Christian Charisius/dpa

Eine Pilotrunde in Hamburg soll drei Tage vor Silvester einen Durchbruch im monatelang festgefahrenen Tarifkonflikt des Einzelhandels bringen. Nach mehr als 60 ergebnislosen Tarifrunden in den verschiedenen Tarifgebieten und einem ergebnislosen Spitzengespräch kündigte der Spitzenverband HDE an, er strebe mit der Gewerkschaft Verdi am 28. Dezember in der Hansestadt eine Lösung an.

An den angekündigten Warnstreiks will Verdi gleichwohl festhalten. «Von dem Verhandlungstermin in Hamburg unberührt bleiben die aktuellen bundesweiten Streiks in dieser Woche bis Heiligabend», teilte Verdi auf dpa-Anfrage in Berlin mit. «Sie werden wie geplant weiter stattfinden.»

Der Handelsverband Deutschland (HDE) bezeichnete den Termin als «letzte Möglichkeit für eine Einigung noch in diesem Jahr» - und stellt die bisherigen Angebote der Arbeitgeber zur Disposition, sollte bis Jahresende kein Abschluss gelingen.

Corinna Groß: «Wir akzeptieren kein Tarifdiktat!»

«Es ist gut, dass die Arbeitgeber unseren Terminvorschlag angenommen haben und noch in diesem Jahr wieder an den Verhandlungstisch kommen wollen. Denn wer nicht redet, kann keine Lösung finden», sagte die Bundesfachgruppenleiterin Einzelhandel beim Verdi-Bundesvorstand, Corinna Groß.

«Nicht so gut ist, dass sie uns unverhohlen drohen, dies sei die letzte Möglichkeit für eine Einigung», fügte Groß hinzu. Ein Abschluss sei nur mit einem nochmals verbesserten Angebot möglich. «Wir akzeptieren kein Tarifdiktat! Daher gehen wir jetzt davon aus, dass sich die Arbeitgeber bewegen und hoffen, dass wir für die Beschäftigten in der Hansestadt zu einem Abschluss kommen können.» Auch die Hamburger Verhandlungsführerin der Gewerkschaft, Heike Lattekamp, sagte, ein Tarifabschluss müsse «spürbare Verbesserungen» bringen.

Der Tarifkonflikt im Handel dauert seit vielen Monaten an - immer wieder begleitet von Streikaktionen der Gewerkschaft. Verdi fordert im Einzelhandel unter anderem in allen Regionen mindestens 2,50 Euro mehr pro Stunde und eine Laufzeit von einem Jahr. Je nach Bundesland kommen weitere Forderungen hinzu. Ende November waren Vertreter bei einem Spitzengespräch auf Bundesebene zusammengekommen, das aber letztlich nicht zu Fortschritten führte.

Arbeitgeber setzen Ultimatum

Basis der Verhandlungen soll laut HDE-Sicht das zuletzt im November nachgebesserte Angebot sein. Demnach bieten die Arbeitgeber eine Tarifsteigerung von insgesamt 10,24 Prozent über die angebotene Laufzeit von 24 Monaten. Zusätzlich enthält die Offerte eine Inflationsausgleichsprämie von 750 Euro sowie ein tarifliches Mindestentgelt. «Dieses Angebot wird nur noch bis 31. Dezember 2023 garantiert», lautet zudem ein Ultimatum der Arbeitgeber.

Der Gewerkschaft wirft die Arbeitgeberseite vor, sie habe sich lediglich auf eine Wiederholung ihrer Eingangsforderungen berufen, die durchschnittliche Entgeltentwicklungen von circa 15 Prozent für zwölf Monate bedeuteten. «In den vergangenen Monaten der Tarifverhandlungen hat Verdi die Erwartungen ihrer Mitglieder zu hoch geschraubt», sagte HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. «Zu groß ist daher die Lücke zu dem, was die Handelsunternehmen angesichts der allgemeinen Konsumzurückhaltung finanziell stemmen können.»

Laut HDE enthält das Angebot alle Komponenten, die es die es für einen kurzfristigen Tarifabschluss brauche, was auch zunehmend aus den Belegschaften und selbst von Mitgliedern der Verdi-Verhandlungskommissionen bestätigt werde. «Hintergrund ist sicher auch die wachsende Sorge, dass im neuen Jahr unter neuen Vorzeichen verhandelt würde», so Haarke. «Die Beschäftigten nehmen wahr, dass einige Unternehmen eigene Lösungen suchen werden, 2023 tarifpolitisch ungelöst bleiben könnte und bei der sinkenden Inflation das bisherige Angebot in dieser Form nicht mehr zur Disposition steht.»

© dpa
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