Der König des Fußballs

In Brasilien wird er ehrfurchtsvoll "o Rei" genannt – "der König": Pelé ist der einzige Spieler der Welt, der es geschafft hat drei WM-Titel zu gewinnen. Nun geht es der lebenden Legende gesundheitlich so schlecht, dass eine ganze Nation für ihn betet.

Von seinem Bett im Krankenhaus aus werde er das Achtelfinal-Match der „Selecao“ gegen Südkorea ansehen, ließ Pelé über die sozialen Medien ausrichten – garniert mit einem Bild des blutjungen Pelé, wie er während der WM 1958 durch die Straßen Stockholms schlendert.

Für die derzeitigen brasilianischen Nationalspieler war die Gesundheit des Helden in der Pressekonferenz vor dem Spiel auch wichtiger als aktuelle sportliche Aussichten. Auch für Pelé wollen sie einfach nur den sechsten WM-Titel für das fußballverrückte Land gewinnen, so das einhellige Statement.

Was für ein Gegensatz dazu ist dagegen das jämmerliche Bild, dass Fußball-Deutschland derzeit abgibt! Doch es besteht Anlass zur Hoffnung, dass es wieder besser wird. Am späten Montagabend berichtete das ZDF, dass laut DFB Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff seinen bis 2024 geltenden Vertrag vorzeitig aufgelöst habe. Für die Kenner des Fußballs kommt diese Entscheidung vier Jahre zu spät.

Vor der WM 2018 in Russland, wo Deutschland in der Vorrunde sang- und klanglos unterging, hatte Bierhoff mit Watutinki ein Quartier ausgewählt, das weit ab vom Schuss lag und bei den Kickern zu einem Lagerkoller führte. Und dann war da noch eine unfassbar schlechte Stimmung, weil die Spieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan trotz ihres Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan mit nach Russland gefahren waren.

Erst nach dem Ausscheiden kam Bierhoff aus der Deckung und gab Özil die Hauptschuld am Ausscheiden des DFB-Teams. Es folgten mit der EM 2021 und der WM 2022 zwei Turniere, in denen „die Mannschaft“ ebenfalls früh nach Hause fliegen musste. Erst das hatte nun Konsequenzen.

Wie es weitergeht, wird sich zeigen. Ziel muss es jedenfalls sein, bis zur Heim-EM 2024 eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, die unbelastet von unsinnigen Diskussionen um die „Haltung“ der Spieler um den Titel mitspielen kann. Laut einiger Quellen könnte der DFB-Vizepräsident und Geschäftsführer von Borussia Dortmund, der im Wesentlichen für die Ablösung Bierhoffs warb, seinen Posten übernehmen. Auch Fredi Bobic, derzeit Manager bei Hertha BSC, wird als heißer Kandidat gehandelt.

Japan – Kroatien 1:3 n.E.

Doch kommen wir zurück zu der Truppe, gegen die die DFB-Auswahl das entscheidende erste Vorrundenspiel verloren hatte und die selbst nur aufgrund eines irregulären Siegtreffers gegen Spanien weitergekommen war: Japan wollte im Achtelfinale gegen Vize-Weltmeister Kroatien gewinnen, hatte aber mit dem eigenen Größenwahn zu kämpfen.

Während internationale Experten das Weiterkommen der Asiaten schon als großen Erfolg eingeordnet hatten, schwadronierten nun einige Spieler davon, dass man Weltmeister werden könne. Wieso dann Trainer Moriyasu auf die Idee kam ausgerechnet Tanaka fast 120 Minuten auf der Bank zu lassen, bleibt ein Rätsel.

Der Spieler von Fortuna Düsseldorf erzielte schließlich das (irreguläre) 2:1 gegen Spanien und war auch beim Sieg gegen Deutschland einer der besten Japaner auf dem Platz. Ohne Tanaka fehlte den „Blue Samurai“ denn auch fast über die ganze Spielzeit gegen Kroatien der zündende Gedanke im Mittelfeld.

So kamen die Japaner erst durch einen Zufall zum 1:0. Nach einer kurz ausgeführten Ecke legte Doan ins Zentrum ab. Im Gewusel kam der Ball zu Maeda, der aus kurzer Distanz abstaubte (44. Minute). Bis dahin hatte Kroatien in Form von Perisic (8. Minute) und Petkovic (26. Minute) die klareren Chancen gehabt.

Der Vize-Weltmeister von 2018 erhöhte nach der Pause das Pressing und wurde bald belohnt. Juranovic legte auf der rechten Seite in den Halbraum zurück. Von dort flankte Lovren maßgeschneidert in die Box, wo Perisic Ito davonlief und unhaltbar in die lange Ecke einköpfte (55. Minute).

Danach wollte kein Team zu viel riskieren und Chancen blieben Mangelware. Kroatiens Keeper Livakovic parierte mit einem Reflex Endos Versuch (63. Minute). Der japanische Torwart Gonda hielt auf der anderen Seite gegen Modric das 1:1 fest (66. Minute).

Als selbst in der Verlängerung kein Tor in einer zunehmend verflachten Partie fallen wollte, musste der Sieger im Elfmeterschießen ermittelt werden – und hier zeigte Japan eine grottenschlechte Leistung. Mit Miamino, Mitoma und Yoshida scheiterten gleich drei „Blue Samurai“ am kroatischen Torwart Livakovic, wodurch der Mann von Dinamo Zagreb in der Heimat zum Volkshelden wurde.

Fazit: Japans Traum vom WM-Titel ist zurecht frühzeitig ausgeträumt und man fragt sich, wie Deutschland gegen diese Truppe verlieren konnte. Kroatien zeigte indes eine kampf- und laufstarke Leistung, dürfte im Achtelfinale aber der krasse Außenseiter sein.

Brasilien – Südkorea 4:1

Der Gegner der Kroaten ist nämlich kein Geringerer als der fünffache Champion Brasilien. Die „Selecao“, die erstmals nach dem ersten Match gegen Serbien auch wieder auf Super-Star Neymar zurückgreifen konnte, zeigte in den ersten 36 Minuten gegen die Südkoreaner eine beeindruckende Show.

Diese waren derart chancenlos, dass man sich statt ihrer die Uruguayer auf dem Platz gewünscht hätte. Suarez, Cavani & Co gelten in Südamerika ja als Angstgegner der Brasilianer, scheiterten aber an einer der vielen Fehlentscheidungen in diesem WM-Turnier. Ein offensichtlicher Elfmeter an Cavani in der Nachspielzeit wurde nicht gegeben und so fuhren die „Urus“ frühzeitig nach Hause.

Brasilien war indes blendend aufgelegt und die Partie früh entschieden. Neymar verpasste zwar zunächst eine Hereingabe von Raphinha am ersten Pfosten, doch am zweiten Pfosten vollendete Vinicius Junior überlegt zum 1:0 in der 7. Minute. Nach Jungs Foul an Richarlison durfte Neymar zum Elfmeterpunkt gehen und von dort aus sicher zum 2:0 verwandeln (13. Minute).

Dann zwang zwar der frühere Leipziger Hwang „Selecao“-Keeper Alisson zu einer Flugeinlage (17. Minute), doch Richarlison erzielte in der 29. Minute ein Traumtor nach einer wahrhaft brasilianischen Kombination. Paqueta legte nur sieben Minuten später das vorentscheidende 4:0 nach (36. Minute) und Südkorea war erledigt.

Nun schalteten die Brasilianer mehrere Gänge zurück und nutzten die Gelegenheit auch wirklich allen 26 Spielern im Kader bei dieser WM Spielpraxis zu geben. So kamen Alt-Star Dani Alves und sogar Weverton, der dritte Keeper der „Selecao“, zu ihren Minuten.

In der 76. Minute gelang den tapfer kämpfenden und sich nie aufgebenden Südkoreanern immerhin noch durch einen abgefälschten Weitschuss des eingewechselten Paik der Ehrentreffer. Für mehr fehlte dem WM-Halbfinalisten von 2002 schlicht und ergreifend die Klasse.

Die schönste Szene an diesem Abend war allerdings nach dem Match zu sehen. Anstatt sich einfach über das 4:1 zu freuen, enthüllten die Stars der „Selecao“ ein vorbereitetes Banner, um ihren Pelé zu grüßen. Die gesamte Mannschaft versammelte sich dahinter und gab ein beeindruckendes Zeichen der Einheit ab.

Fazit: Südkorea bekam die erwartete Lehrstunde von bärenstarken Brasilianern, die in dieser Form der große Titelfavorit sind. Im Viertelfinale wartet mit Vize-Weltmeister Kroatien aber ein anderes Kaliber.

© Tom Meyer
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