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WM-Geschenk ging an DDR-Fußballern vorbei

25 moderne Kofferfernseher gab es 1974 für alle WM-Teilnehmer. Nur die DDR-Fußballer wussten nichts davon. Die begehrte Ware ging per LKW mit der Dreckwäsche nach Berlin.
Das Tor von Jürgen Sparwasser
Sparwasser erzielte den berühmtesten Trefferder DDR-Fußballgeschichte. © Roland Witschel/dpa/Archivbild

Das WM-Geschenk 1974 für alle Teilnehmer ging an den DDR-Fußballern spurlos vorbei. «Wir haben im Nachgang erfahren, eine große Elektrofirma der Bundesrepublik hatte jeden Spieler, der an der WM teilnimmt, einen Kofferfernseher geschenkt», sagte Jürgen Croy der Deutschen Presse-Agentur und ergänzte: «Wir waren ja damals in der DDR 1974 im Hightech-Bereich noch nicht so führend und wir hätten uns darüber gefreut. Wir haben das aber nie erfahren, noch zu Gesicht bekommen.» Gerade nach dem historischen 1:0-Erfolg der DDR über die BRD am 22. Juni in Hamburg wäre es ein besonderes Erinnerungsgeschenk gewesen.

Mit der Dreckwäsche nach Ost-Berlin

Ob aus Kostengründen oder eben für Nachschub bestimmter Utensilien - es pendelte ein Transporter zwischen den zweigeteilten Deutschland. «Die Trikots wurden alle zwei Tage eingesammelt und mit einem Lkw nach Ost-Berlin gefahren. Die wurden nicht in Hamburg gewaschen, sondern in Ost-Berlin», erinnerte sich Torwart Croy, der erst viel später vom WM-Geschenk und dessen Verwendung erfuhr.

«Diese 25 Kofferfernseher, die uns da zugedacht waren, die wurden auf die Wäscheautos gepackt und mit der dreckigen Wäsche nach Ost-Berlin gefahren. Und im Nachgang haben die bestimmt die Bungalows von hohen Politleuten und Würdenträgern geziert. Und mögen sie in Frieden ruhen, hoffentlich haben sie ein gutes Bild gehabt», meinte der heute 77 Jahre alte Croy schmunzelnd und betonte in Richtung der Politiker der ehemaligen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) spitz: «Die haben dem Klassenfeind nicht zugetraut, dass die unsere Wäsche sauber kriegen.»

Republikflucht kam wegen der Familie nicht infrage

Für den DDR-Rekordtorwart kam eine Republikflucht damals nicht infrage. Denn Bundestrainer Helmut Schön hatte zig Jahre zuvor seine Heimat verlassen und war von Dresden in die Bundesrepublik übergesiedelt. «Es war ein Spiel, in dem jeder zeigen wollte, dass er zu Deutschlands besten Fußballspielern gehört. Genau aus diesem Grund war ein Taktieren ganz einfach nicht möglich», sagte der gebürtige Zwickauer Croy.

Für ihn war eine Flucht kein Thema. Er habe zeitig geheiratet und mit seiner Frau schnell zwei Kinder gehabt. Und zu der Zeit sei es so gewesen, dass man nie wieder die Chance gesehen hat, seine Familie wiederzusehen. Dem ehemaligen Sportlehrer und späteren Bürgermeister für Kultur, Schule und Sport in Zwickau war das Risiko zu hoch: «Das war mir dann der Fußball nicht wert, kein Geld der Welt, seine Familie gegen Geld einzutauschen.» Schließlich war «unter Realisten nicht abzusehen, dass diese Wiedervereinigung kommt. Und wenn der Kohl nicht mit Gorbatschow diesen Deal gemacht hätte und dieses fünf Minuten Zeitfenster, was offen war, genutzt hätte, hätte man seine Familie nicht wiedergesehen».

© dpa
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