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Warnstreik legt etliche Häfen in Norddeutschland lahm

Mit Beginn der dritten Tarifrunde haben Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter im Norden den Warenumschlag in etlichen Häfen zum Stillstand gebracht. Der Druck auf die Arbeitgeber soll so erhöht werden.
Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen
Lastwagen fahren auf der Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen. © Georg Wendt/dpa

Mit Beginn der dritten Tarifrunde haben Beschäftigte mehrerer Seehäfen den Druck auf die Arbeitgeber mit einem weiteren Warnstreik noch einmal erhöht. Allein in Hamburg legten sie am Montag nach Angaben der Gewerkschaft Verdi von 5.00 Uhr an den Hafen- und Containerumschlag weitgehend lahm. «Der Hamburger Hafen ruht», sagte ein Gewerkschaftssprecher. Gleiches gelte für die Häfen Brake und Emden in Niedersachsen sowie für die Häfen Bremen und Bremerhaven. «In den großen Containerterminals werden die Schiffe heute nicht abgefertigt.» Betroffen seien unter anderem auch Schüttgutbetriebe. Nach Gewerkschaftsangaben sollte der Warnstreik parallel zur dritten Verhandlungsrunde am Montag und Dienstag je nach Standort zwischen 24 und 48 Stunden dauern.

Verdi verlangt für die Beschäftigten bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten unter anderem eine Erhöhung der Stundenlöhne um drei Euro rückwirkend zum 1. Juni sowie eine entsprechende Anhebung der Schichtzuschläge. «Es kommt darauf an, dass insbesondere die unteren Lohngruppen deutlich mehr Einkommen erhalten, die Inflation der vergangenen Jahre hat sie besonders schwer getroffen», sagte Verdi-Verhandlungsführerin Maren Ulbrich. Zudem müssten die Lohnunterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen reduziert werden.

Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) bot bislang zum 1. Juni eine Lohnerhöhung um 2,5 Prozent, mindestens aber 60 Cent mehr pro Stunde an. Die Schichtzuschläge sollen demnach um 24 Cent bis 2,50 Euro steigen. «In Verbindung mit dem sehr hohen Tarifabschluss aus 2022 bildet dieses Angebot gerade auch im Lichte der in den letzten beiden Jahren hohen Inflationsraten eine Reallohnsteigerung für alle Einkommensgruppen ab», erklärte der ZDS auf Anfrage. Dieser vertritt nach eigenen Angaben die Interessen jener 56 seiner 141 Mitgliedsunternehmen, die an den entsprechenden Lohntarifvertrag gebunden sind. Dieser betreffe rund 12.000 Beschäftigte, etwa die Hälfte davon in Hamburg.

Am späten Vormittag zogen rund 1000 vornehmlich mit gelben und orangenen Westen bekleidete Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter von der Elbphilharmonie zum Gewerkschaftshaus unweit des Hauptbahnhofs. Auf ihrem Weg machten sie nicht nur einen Zwischenstopp beim Zentralverband, sondern statteten auch der Hamburger Hafen und Logistik (HHLA) sowie der Reederei MSC einen Besuch ab. Dabei taten sie - begleitet von einem großen Polizeiaufgebot - einmal mehr ihren Unmut über den geplanten Einstieg der weltgrößten Reederei MSC bei der HHLA kund. Nach dem Willen des rot-grünen Senats sollen sie und die Stadt die bislang börsennotierte HHLA als Gemeinschaftsunternehmen führen, bei dem die Stadt eine Mehrheit von 50,1 Prozent hält. Bislang gehörten der Stadt rund 70 Prozent der börsennotierten HHLA.

Bestreikt wurden in Hamburg unter anderem auch die vier Container-Terminals der Logistikunternehmen HHLA und Eurogate. «Bei der HHLA wird der Großteil der Tochterunternehmen am Standort Hamburg bestreikt, unter anderem auch die Containerterminals», sagte eine HHLA-Sprecherin auf Anfrage. Der Betrieb an den Containerterminals Burchardkai (CTB), Altenwerder (CTA) und Tollerort (CTT) werde daher bis zum Ende der dritten Schicht ruhen. Ein Notdienst sei aber sichergestellt. Allein am Eurogate-Terminal und am CTB-Terminal warteten Montagnachmittag mehrere Großcontainerschiffe, darunter die rund 400 Meter lange «HMM Hamburg» mit einer Ladungskapazität von rund 24.000 Standardcontainern (TEU).

© dpa
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