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Roth will mehr europäische Kulturpolitik

Auch Kulturpolitik macht an Grenzen nicht halt. Als Kulturstaatsministerin will Claudia Roth neue Schwerpunkte setzen.
Kulturstaatsministerin Claudia Roth
Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), Staatsministerin für Kultur und Medien, gibt ein Interview in ihrem Büro. © Hannes Albert/dpa

Kulturstaatsministerin Claudia Roth will Kulturpolitik stärker mit den Nachbarländern verweben. «Kultur kennt keine Grenzen und Kulturpolitik ist eng verknüpft mit dem, was in europäischen Mitgliedsländern passiert», sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

«Angriffe von den Antidemokraten auf die Kultur»

Die neue Regierungskonstellation in Polen stimmt Roth dabei zuversichtlich. «Das Weimarer Dreieck Frankreich, Polen, Deutschland hat während der PiS-Zeit in Polen an einer Seite nicht funktioniert. Trotz aller Versuche gab es keine vertrauensvolle Zusammenarbeit, eher eine permanente Provokation von Seiten der PiS-Regierung. Ich bin sehr froh und es ist eine gute Nachricht für Europa, dass sich da jetzt neue Türen öffnen», sagte Roth.

Sie habe sich bereits mit einem Brief an ihren polnischen Kulturminister-Kollegen Bartłomiej Sienkiewicz gewandt und wolle «sehr bald» mit der französischen Kulturministerin Rima Abdul Malak nach Warschau fahren, um deutlich zu machen: «Lasst uns in einer Zeit, in der Kultur so wichtig ist und es so viele Angriffe von den Antidemokraten auf die Kultur gibt, das Weimarer Dreieck neu begründen.» Roth verwies etwa auf das in Berlin geplante Deutsch-Polnische Haus. Dieses wichtige Projekt wolle sie in vertrauensvollem Verhältnis mit der polnischen Seite voranbringen.

Zudem sprach sie von möglichen Rückgaben. «Polen hat berechtigte Forderungen gestellt zur Restitution von polnischen Kulturgütern, die bei uns sind. Das war über viele Jahre blockiert. Wenn wir ein vertrauensvolles Verhältnis haben, dann sollten wir jetzt auch ein Zeichen aussenden», sagte Roth. Dafür habe sie bereits im Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Einigung hergestellt zu Kulturgütern Polens in den Beständen der Stiftung. «Auf einer solchen vertrauensvollen Grundlage können wir auch über Kulturgüter sprechen, die uns wichtig sind und die in Polen sind.»

«Vielfalt des literarischen Italien bei Frankfurter Buchmesse»

Auch mit Italien stehen Projekte an. «Ich werde mich Anfang des Jahres in Italien unter anderen mit dem italienischen Kulturminister Gennaro Sangiuliano treffen und ihn bitten, im Rahmen der G7-Präsidentschaft das Thema Kultur und Nachhaltigkeit aufzusetzen», sagte Roth. Das werde auch für den Kulturbereich in Italien immer relevanter, «nicht zuletzt auch für einen Schatz der europäischen Kultur wie Venedig», das als Weltkulturstadt vor den Folgen der Klimakrise geschützt werden müsse.

Zudem ist Italien Gastland bei der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr. «Es gibt großartige italienische zeitgenössische Literatur. Da werde ich auch noch mal im Detail mit dem italienischen Kollegen besprechen, wo wir diese Präsentation und das Gastland Italien unterstützen können, um die ganze Vielfalt des literarischen Italien in Frankfurt zu sehen», sagte Roth.

«In der Ukraine passiert auch ein Krieg gegen die Kultur»

Auch die Situation in der Ukraine beschäftigt die Kulturstaatsministerin weiter, die als erstes Kabinettsmitglied in Kriegszeiten nach Odessa gereist war. «Der Krieg in der Ukraine ist nicht vorbei, leider ganz im Gegenteil. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren», sagte Roth. «Was in der Ukraine passiert, ist auch ein Krieg gegen die Kultur. Odessa etwa wird systematisch angegriffen, die Innenstadt, der alte historische Kern der Weltkulturstadt.» Sie verwies auf eine im Juni in Deutschland geplante Recovery-Konferenz, «um auch einen Fokus darauf zu legen, dass dieser Krieg sehr systematisch die kulturelle Identität zerstören will».

Auch andere Schwerpunkte wünscht sich Roth. «Es wäre wichtig, dass sowohl bei der Berlinale, aber auch in Ausstellungen im nächsten Jahr nicht vergessen wird, was dort in der Ukraine immer noch tagtäglich passiert, was die Menschen und ihre Kultur unter der verbrecherischen russischen Aggression zu erleiden haben», sagte sie.

«Leitkultur ist wie Schnellzug in die Vergangenheit»

Auf Internationalität und Vielfalt setzt Roth auch in Deutschland. «Die Realität einer diversen Gesellschaft wird auch in einer Kultur sichtbar und hörbar, die Teilhabe für alle garantiert», sagte sie. «Es muss darum gehen, Diversität, Geschlechtergerechtigkeit auch gerade im Bereich Kunst und Kultur deutlich zu machen, sichtbar zu machen, umzusetzen. Es braucht einen erweiterten Kulturbegriff, der sich nicht abkapselt, sondern der Teilhabe von allem als Reichtum begreift und es nicht enger macht.» Roth: «Der Begriff der Leitkultur ist wie so ein Schnellzug in die Vergangenheit.»

© dpa
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