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Söders Gender-Verbot stößt auf Kritik in der Schulfamilie

An Bayerns Schulen soll das Gendern verboten werden. So will es der Ministerpräsident. In der gerne zitierten Schulfamilie kommt Söders Vorstoß alles andere als gut an.
Regenbogenflagge
Eine Regenbogenflagge weht im Wind. © Federico Gambarini/dpa/Symbolbild

Das angekündigte Gender-Verbot an Bayerns Schulen stößt bei Bildungsverbänden auf viel Kritik und Ablehnung. «Ein hartes Verbot neuer Schreibweisen halte ich (...) nicht für notwendig und zielführend. Es bestünde damit eher die Gefahr einer weiteren Spaltung und Polarisierung in der Schulgemeinschaft», sagte etwa der Vorsitzende des Philologenverbandes (bpv), Michael Schwägerl, am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in München. Der Vorsitzende des Realschullehrerverbandes (brlv), Ulrich Babl, erklärte: «An den bayerischen Realschulen ist Gendern kein nennenswertes Thema, eine Genderpflicht lehnen wir jedoch klar ab.»

Der bayerische Elternverband betonte, ihn lasse «diese Stichelei gegen die Ampelregierung unbeeindruckt». Söder stelle nur «in populistischer Art die geltende Rechtslage dar, wonach Deutsch die Amtssprache in bayerischen Schulen und Behörden ist».

Söder hatte am Dienstag in seiner ersten Regierungserklärung der neuen Wahlperiode zur Überraschung vieler erklärt, in Bayern solle das Gendern in Schulen und in der Verwaltung verboten werden. Der Freistaat würde damit den gleichen Weg gehen wie einige andere Bundesländer. So werden etwa an Schulen in Sachsen und Sachsen-Anhalt Sonderzeichen für eine geschlechtsneutrale Sprache abgelehnt.

Selbst Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) war nicht vorher von Söder informiert worden. Entsprechend zurückhaltend äußerte sie sich zu dem Vorstoß des Regierungschefs: «Wir haben an den Schulen bereits einen klaren Leitfaden zur sprachlichen Repräsentanz der Geschlechter. Wir werden jetzt prüfen, ob es Änderungsbedarf gibt. Eines ist mir ganz wichtig: Wir wollen und werden gute und verlässliche Regelungen für alle Beteiligten finden.»

Der bpv setze sich dafür ein, dass in bayerischen Schulen sorgfältig mit der deutschen Sprache umgegangen werde, so Schwägerl. «Das bedeutet, dass man offen für neue Formen ist, die zum Beispiel Frauen und Männer gleich behandeln, aber diese nicht vorschnell einführt, bevor sich die Sprechergemeinschaft dahinter stellt und ein klares Regelwerk entstanden ist.» Wegen der wachsenden Zahl an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sei für den Spracherwerb eine klare Orientierung notwendig. «Wer noch mit den drei grammatischen Geschlechtern und den richtigen Artikeln der deutschen Sprache kämpft, braucht keine zusätzlichen Schwierigkeiten.»

Es sollte selbstverständlich sein, Schülerinnen und Schüler sprachsensibel und gleichberechtigt zu unterrichten, sagte Babl. Ein einfaches Beispiel hierfür sei die Berücksichtigung unterschiedlicher Berufsbezeichnungen wie Feuerwehrmann und Feuerwehrfrau. «Bei der Überwindung tradierter Rollenbilder setzen wir uns jedoch in erster Linie für eine Erweiterung der Entwicklungschancen und beruflichen Perspektiven aller Kinder und Jugendlichen ein.»

Bayern sei immer gut damit gefahren, so Schwägerl und Babl weiter, den Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung zu folgen. Noch zu Beginn des Schuljahres sei in einer ministeriellen Bekanntmachung festgehalten worden, dass die amtlichen Rechtschreibregeln in der jeweils gültigen Fassung die verbindliche Grundlage des Unterrichts an allen Schulen seien. Zugleich gelte aber auch, dass sich Sprache immer wieder ändere. Daher sei es wichtig, «dass wir diese Veränderungen verstehen und kritisch betrachten. Gerade an den weiterführenden Schulen muss auch - alters- und adressatengerecht - über die Entwicklung der Sprache gesprochen werden.»

«Was Deutsch ist, wird vom Rat für deutsche Rechtschreibung definiert», betonte auch Martin Löwe, Landesvorsitzender des Elternverbands. Dieser habe unlängst klargestellt, dass die Aufnahme von Asterisk (Gender-Stern), Unterstrich (Gender-Gap), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das Amtliche Regelwerk nicht beabsichtigt sei. «Ministerpräsident Söder verrät uns nicht, welche Sanktionen von ihm bei Zuwiderhandlung intendiert sind. Ein Verbot ohne Sanktionen hat allenfalls symbolischen Charakter.»

Rückendeckung erhielt Söder nur von seinen Parteifreunden. Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek sagte, es sei gerade in diesen Zeiten wichtig, «auch mal eine klare Kante zu zeigen und die Lebensrealität der Menschen auch abzubilden». Staatskanzleichef Florian Herrmann unterstrich, dass es gerade an Schulen und in der Verwaltung wichtig sei, eine verständliche Sprache zu pflegen.

© dpa
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