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Verkaufsstart für Silvesterfeuerwerk - Sorge vor Angriffen

Böller und Raketen dürfen nur vom 28. Dezember bis Silvester verkauft werden. Doch das Partyvergnügen ist in Verruf geraten, da damit Einsatzkräfte angegriffen werden.
Feuerwerksverkauf
Feuerwerkbranche

Zum Verkaufsstart für das Feuerwerk werden mancherorts Einkaufswagen voller Böller und Raketen aus den Supermärkten geschoben. Man hört das erste Knallen auf den Straßen. Andernorts sind eindringliche Worte zu vernehmen: «Greift uns nicht an. Beschießt uns nicht mit Böllern, Raketen oder Schreckschusswaffen.»

Der Appell kommt von einer Polizistin, einem Polizisten und einem Feuerwehrmann aus Berlin in einem auf der Plattform X (vormals Twitter) veröffentlichten Video. «Wir gehen gemeinsam in den Einsatz. Damit ihr Silvester sicher feiern könnt. Und um euch zu helfen, wenn ihr uns braucht», sagen sie. «Bitte respektiert unsere Arbeit. Gebt uns genug Platz dafür. Und folgt unseren Anweisungen.»

Video

Gewalt gegen Einsatzkräfte: «trauriger Alltag»

Der Aufruf kommt nicht von ungefähr: Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Sie wurden mit Raketen beschossen und mit Böllern beworfen. Besonders schlimm war es 2022 in Berlin. Die Qualität der Angriffe auf Einsatzkräfte im vergangenen Jahr sei neu gewesen, «etwa wenn Rettungskräfte in mutmaßliche Hinterhalte gelockt und angegriffen wurden», sagte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Im ehrenamtlichen Feuerwehrdienst hat auch abseits von Silvester jeder Zweite in den vergangenen zwei Jahren Gewalt in Form von Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen oder tätlichen Angriffen erlebt (49,5 Prozent). Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Befragung des Deutschen Feuerwehrverbandes und der Gesetzlichen Unfallversicherung hervor. 14 Prozent der mehr als 6500 Anfang bis Mitte November befragten Feuerwehrleute gaben auch an, mit Feuerwerkskörpern beworfen worden zu sein.

«Auch in den polizeilichen Statistiken sehen wir einen kontinuierlichen Anstieg von Angriffen gegen Einsatzkräfte von Polizeien, Rettungsdiensten und Feuerwehren», teilte Bundesinnenministerin Nancy Faeser zu den Ergebnissen mit. «Wir sehen hier eine Verrohung in unserer Gesellschaft, die uns große Sorgen machen muss. Hier geht es um Angriffe auf Menschen, die unter schwierigen, mitunter lebensgefährlichen Bedingungen tagtäglich für unsere Sicherheit im Einsatz sind.»

«Die Zahl erlebter Gewaltvorfälle gegen Einsatzkräfte ist zu hoch - und mittlerweile trauriger Alltag», sagte der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse. Viele Betroffene erstatteten nach wie vor keine Anzeige bei der Polizei, weil sie nicht glaubten, dass ihr Anliegen ernst genommen werde.

«Darauf müssen wir endlich reagieren»

Einsatzkräfte fühlen sich dabei auch von der Politik im Stich gelassen. «Spätestens seit den Gewaltexzessen im vergangenen Jahr in Berlin, aber auch in zahlreichen Orten im Ruhrgebiet und selbst im eigentlich friedlichen Bonn weiß jeder, dass in unserer Gesellschaft etwas auseinandergelaufen ist. Darauf müssen wir endlich reagieren», sagte Jochen Kopelke, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der «Rheinischen Post» (Donnerstag).

«Warum gibt die Politik der Polizei nicht endlich die rechtlichen Möglichkeiten, um konsequent gegen die Beteiligten der Gewaltexzesse einschreiten zu können? Und warum haben wir an Silvester nicht längst ein Verkaufsverbot für Böller? So wie das auch sonst im ganzen Jahr gilt», so der GdP-Vorsitzende weiter.

Auch Feuerwehrpräsident Karl-Heinz Banse sagt: «Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass diejenigen, die das tun, auch mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden. Da hapert es noch.»

Ihm stimmt mancher Politiker bei: «Es braucht mehr Respekt vor Anderen und konsequentes Bestrafen derjenigen, die sich nicht an die Spielregeln halten. Hinter jeder Uniform steckt ein Mensch», sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU).

Neben den härteren Strafen für diejenigen, die das besondere Partyvergnügen missbrauchen, fordern Einsatzkräfte, aber auch Ärztevertreter, Umwelt- und Tierschützer sowie weitere Organisationen ein generelles Anwendungsverbot von Böller. Sie verweisen unter anderem auf die Verletzungsgefahr und die Belastung der Krankenhäuser.

So muss beispielsweise das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in der Silvesternacht seine OP-Kapazitäten deutlich verstärken. «Wir gehen davon aus, dass in der Zeit von 3.00 Uhr bis in den späten Neujahrsabend durchgehend operiert wird», sagte eine Sprecherin. Rund zehn Tage wurden betroffenen Patienten im Durchschnitt auf Station behandelt, wobei ein Teil von ihnen mehrfach in den OP muss. Zahlreiche Patienten büßten Finger oder Teile davon ein. Aber auch Gesicht, Augen und Ohren werden verletzt.

Schwerverletzte an Silvester sind meist männlich

Die durch Feuerwerk Schwerverletzte sind auffällig oft männlich - laut einer Auswertung des UKB zu rund 150 Patienten, die von 2005/06 bis 2022/23 je rund um den Jahreswechsel mit schwerwiegenden Handverletzungen stationär behandelt wurden, waren es dort 97 Prozent. «Sie setzen Knall- und Feuerwerk häufiger ein und neigen eher zu risikohaften Verhalten beim Anzünden als Frauen», halten Fachleute der Abteilung für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie fest. Auch Alkoholkonsum spiele eine große Rolle.

Trotz der Risiken und den immerwährenden Warnungen boomt das Silvesterfeuerwerk weiterhin. Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) rechnet mit einer ähnlich hohen Nachfrage nach Böllern und Raketen wie 2022. Da hatte die Branche einen Rekordumsatz von 180 Millionen Euro erzielt. In diesem Jahr startete der dreitägige Verkauf ausnahmsweise schon am 28. Dezember, weil Silvester auf einen Sonntag fällt.

Vor allem Jüngere scheinen sich vom Feuerwerk angesprochen zu fühlen: 33 Prozent der 18- bis 24-jährigen Befragten einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov gaben an, in diesem Jahr Feuerwerkskörper für Silvester kaufen zu wollen. Der Wert für alle Altersgruppen liegt bei 18 Prozent.

Überzeugen statt verbieten

Doch von einem generellen Böllerverbot sind nicht alle überzeugt. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebund, sagt: «Wir sollten nicht immer nur mit Verboten arbeiten, sondern mit Überzeugung», sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

Überzeugen - das versuchen die Berliner Einsatzkräfte mit ihrem gemeinsamen Video-Appell gegen den Missbrauch des Feuerwerks. Auch mit Blick auf die Folgen für die Angreifer selbst: «Ihr macht euch strafbar und euch drohen mehrere Jahre Gefängnis.» Die drei Beteiligten appellieren: «Also verbaut euch nicht eure Zukunft. Und respektiert uns. Die Menschen, die für euch und eure Familien da sind.»

© dpa ⁄ Von Christian Thiele und Simone A. Mayer, dpa
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