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Verdächtiger von Offenburg kam wohl zu Hause an Todeswaffe

Nach den tödlichen Schüssen in einer Offenburger Schule ist noch viele Fragen offen, einiges wird aber auch klarer. So haben Ermittler Erkenntnisse, woher der 15-Jährige die Tatwaffe hat.
Gedenken an Waldbachschule
Blumen und Kerzen liegen vor der Schule in Offenburg, in der sich die Bluttat ereignete. Die Sonderkommission «Mühlbach» ermittelt in dem Fall. © Philipp von Ditfurth/dpa

Eine Schusswaffe, die wohl aus dem Elternhaus stammt, ein gefährlicher Angriff auf eine Lehrerin und ein heldenhafter Mann, der möglicherweise Schlimmeres verhinderte: Der tödliche Schusswaffenangriff eines 15-Jährigen auf einen Mitschüler in Offenburg hat sich unter dramatischen Umständen abgespielt.

Das Opfer wurde von zwei Schüssen getroffen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft einen Tag nach der Bluttat berichteten. Der 15-Jährige soll den Mitschüler nach ergänzenden dpa-Informationen unvermittelt in den Kopf geschossen haben. Als Motiv für die Tat komme Eifersucht infrage.

Der Tatverdächtige schoss am Donnerstag Ermittlern zufolge in einer sonderpädagogischen Schule der badischen Stadt auf den Jungen. Das Opfer erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Der tatverdächtige Deutsche kam wegen mutmaßlichen Totschlags in Untersuchungshaft.

Die Schusswaffe, die der mutmaßliche Schütze benutzte, ist nach dpa-Informationen eine alte Beretta 765 gewesen. Es sei noch nicht bekannt, ob die Waffe in rechtmäßigem Besitz war oder ob hier nicht ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorliege. Die «Bild» meldete, es handle sich um ein Erbstück des Opas.

Wie die Ermittler mitteilten, dürfte die Handfeuerwaffe des mutmaßlichen Todesschützen aus dessen persönlichem Umfeld stammen. Das betreffe auch die Munition. Nach ergänzenden dpa-Informationen kam der Jugendliche wohl zu Hause an die Waffe.

Mutmaßlicher Schütze hatte Molotowcocktail dabei

Der mutmaßliche Täter habe direkt nach dem Angriff auf dem Flur eine Lehrerin auf den Kopf geschlagen und sie leicht verletzt. Der Vater eines unbeteiligten Schulkindes hielt den mutmaßlichen Todesschützen nach der Tat auf. Er habe den Jugendlichen lautstark angesprochen und ihn dazu bewegt, die Schusswaffe abzulegen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. «In der Folge hielt der Vater den mutmaßlich aufgebenden Täter bis zum Eintreffen der schnell vor Ort erschienenen Polizeikräfte fest.»

Der mutmaßliche Todesschütze hatte laut Informationen aus Sicherheitskreisen auch einen Molotowcocktail dabei. Es sei ein Brandsatz gefunden worden. «Im Zuge der Durchsuchung des Schulgebäudes konnte von den Einsatzkräften der Polizei im Treppenhaus eine Flasche mit mutmaßlich brennbarer Flüssigkeit aufgefunden und sichergestellt werden», teilten die Ermittler nun mit. «Inwieweit diese Flasche mit dem Tatgeschehen im Zusammenhang steht, ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen.»

Die Wohnung des Festgenommenen sei durchsucht worden. «Hierbei konnten weitere Beweismittel sichergestellt werden, deren Auswertung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird», sagten die Ermittler. Die in sozialen Medien kursierenden Gerüchte und Mutmaßungen über den Fall würden nicht kommentiert.

Betreuung durch Schulpsychologen

Die Ermittler sicherten einen Tag nach dem Verbrechen weiter Spuren in der Schule. Es fand dort kein Unterricht statt. Die Polizei richtete eine Sonderkommission mit dem Namen «Mühlbach» ein. «Zunächst stehen viele sensibel zu führende Vernehmungen von Zeugen an, die es zusammen mit den bereits kursierenden Darstellungen zu bewerten gilt», teilten die Behörden mit.

Schulpsychologen betreuten unterdessen junge Leute der umliegenden Bildungseinrichtungen, wie das baden-württembergische Kultusministerium mitteilte. Ministerin Theresa Schopper (Grüne) sagte: «Unsere Gedanken sind jetzt bei der Familie und den Angehörigen des Opfers.» Ein Ereignis wie dieses schlage tiefe Wunden in eine Schulgemeinschaft.

Auch der Opferbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung bot Hilfe an: «Als Opferbeauftragter stehe ich allen Betroffenen mit meinem Team als Ansprechpartner zur Verfügung», erklärte Alexander Schwarz. Mit den Engagierten vor Ort sei es ihnen ein Anliegen, für sie da zu sein und sie in dieser schweren Situation nicht alleine zu lassen.

© dpa ⁄ Christian Böhmer, Marco Krefting und Oliver Schmale, dpa
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