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Apotheker gehen für höhere Honorare auf die Straße

Zu geringes Honorar, zu viel Bürokratie: Die Apotheker machen auf ihre Situation aufmerksam. Auf den Bundesgesundheitsminister sind sie nicht gut zu sprechen - und bekommen dabei Unterstützung aus der Politik.
Apotheken-Protest gegen die Gesundheitspolitik
Mit geschlossenen Apotheken in ganz Norddeutschland und einer zentralen Kundgebung in Hannover protestieren Apotheker gegen Einsparungen und stagnierende Honorare. © Julian Stratenschulte/dpa

Aus Protest gegen die schlechte wirtschaftliche Lage sind viele Apotheken in Norddeutschland am Mittwoch geschlossen geblieben. Bei einer zentralen Kundgebung in Hannover forderten die Apothekerinnen und Apotheker aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern eine Anhebung und eine regelmäßige Überprüfung der Honorare. Die Kundgebung war der Auftakt zu regionalen Protesten im Laufe des Novembers in ganz Deutschland.

«Wir haben seit zehn Jahren keine Honorarerhöhung bekommen, die Kosten laufen uns davon», sagte Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen. An der Kundgebung in der Innenstadt von Hannover nahmen seinen Angaben zufolge etwas mehr als 3000 Männer und Frauen teil.

Wegen eines zum 1. Februar eingeführten Gesetzes müssten die Apotheken einen Abschlag an die gesetzlichen Krankenkassen abführen. Dadurch seien die Honorare für die Apotheken nominell auf dem Stand von 2004, sagte Groeneveld.

Gesetzesvorhaben von Lauterbach in der Kritik

Groeneveld kritisierte unter anderem ein Gesetzesvorhaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SDP). Dieser wolle, dass Filialen künftig nicht gezwungen sein sollen, Notdienste voll anzubieten, ein Labor vorzuhalten oder Rezepturen anzufertigen. «Das soll Erleichterungen bringen für die Apotheken, soll uns mehr Ellenbogenfreiheit bringen bei der Versorgung der Menschen, hat aber mehr Bürokratie zur Folge», sagte er.

Ansprechpartner für die Honorarforderung ist nach Angaben Groenevelds Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der für die Arzneimittelpreisverordnung zuständig sei. Er habe zwar angedeutet, Verständnis für die Forderungen der Apothekerinnen und Apotheker zu haben. «Der würde das Problem aber gerne loswerden und an Herrn Lauterbach geben», sagte Groeneveld.

Die Gespräche zwischen Lauterbach und den Apothekerverbänden seien bislang ohne Ergebnis geblieben. Wenn sich der Bundesgesundheitsminister durchsetze, werde die Zahl der Apotheken noch schneller sinken. Auch dessen Vorschlag für gelockerte Vorgaben für neue Apothekenfilialen werde nicht greifen, sagte Groeneveld. «An einem Standort, wo einmal eine Apotheke verloren ist, wird keine neue entstehen, auch nicht unter erleichterten Bedingungen.»

Apothekensterben als Warnsignal

Das Apothekensterben sei für ihn ein Warnsignal, sagte der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) auf der Kundgebung: «Apotheken kommen betriebswirtschaftlich an ihre Grenzen.» Eine Anpassung der Honorierung der Apotheken sei dringend notwendig. «Nur so kann die gute Arzneimittelversorgung - die wir trotz Lieferengpässen in Deutschland immer noch haben - weiterhin gewährleistet werden», sagte Philippi. Auch er kritisierte die Pläne seines Parteifreundes Lauterbach für eine «Apotheke light». Dadurch werde die Versorgungssituation der Bevölkerung nicht verbessert.

Ein Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen sagte, dass die Apotheke zusätzlich zum Honorar von den Krankenkassen drei Prozent vom Apothekeneinkaufspreis erhalte und damit die Vergütung von Jahr zu Jahr steige. Außerdem gebe es weitere Erhöhungen wie bei der Dokumentationsgebühr oder etwa der Vergütung von Notdiensten: «Für zusätzliche Honorarsteigerungen an die Apotheken sehen wir keinen sachlichen Grund.» Die Vergütung der Apotheken durch die gesetzlichen Kassen steige jedes Jahr aufgrund der immer höheren Preise für die einzelnen Arzneimittel.

Laut den jüngsten Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) geht die Zahl der Apotheken in Deutschland immer weiter zurück und befand sich Ende Oktober mit 17.733 Apotheken auf dem tiefsten Stand seit 1979. In den ersten neun Monaten dieses Jahres schlossen demzufolge 335 Apotheken.

© dpa
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