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Apotheker halten Lauterbach-Pläne für «Mogelpackungen»

«Arztpraxen to go» oder «Apotheken light»? Die Empörung über Pläne von Bundesgesundheitsminister Lauterbach ist groß. Apotheker halten seine Vorschläge für Mogelpackungen.
Apotheke
Das Logo an der Tür einer Apotheke. © Uli Deck/dpa/Symbolbild

Apotheker in Brandenburg stellen sich gegen Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und befürchten in Zukunft ein «Zwei-Klassen-System». Der Vorsitzende des Apothekerverbandes, Olaf Behrendt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Vorschläge Lauterbachs etwa für gelockerte Vorgaben für neue Apothekenfilialen brächten keine Erleichterungen. «Es sind alles Mogelpackungen. Damit würde er die Axt ans System legen.»

In Brandenburg haben seit Jahresanfang neun Apotheken in Brandenburg zugemacht. Nach Verbandsangaben gibt es 544 Apotheken, zum Jahresanfang waren es demnach noch 553.

Apothekerverband gegen Lockerungen für neue Filialen

Lauterbach will Neueröffnungen von Apotheken in Regionen mit dünnem Netz erleichtern. Filialen sollen künftig nicht gezwungen sein, Notdienste voll anzubieten, ein Labor vorzuhalten oder Rezepturen anzufertigen. Es soll künftig auch kein Apotheker mehr vor Ort sein müssen, hatte Lauterbach im September vorgeschlagen.

Damit schaffe er eine «Zwei-Klassen-Pharmazie», kritisierte Behrendt, der in Fehrbellin (Kreis Ostprignitz-Ruppin) eine Apotheke betreibt. «Es gibt keine Gespräche auf Augenhöhe, der Ärger ist sehr groß.»

Aus Protest gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung und für höhere Honorare wollen Apotheker aus Ostdeutschland am 29. November auf die Straße gehen. Eine zentrale Kundgebung ist in Dresden geplant. Auch in Brandenburg werden an dem Tag Apotheken schließen und sich am Protest beteiligen. Zuvor hatte es in anderen Bundesländern bereits Aktionen gegeben.

Verband spricht von «vergifteten Angeboten» Lauterbachs

Ein Plan des Gesundheitsministers sieht vor, dass Vorsorgeuntersuchungen zu Bluthochdruck, Cholesterin und Diabetes künftig auch in Apotheken gemacht werden können und diese dafür honoriert werden. Sind die dort gemessenen Werte dann auffällig, soll der Patient zum Hausarzt gehen.

«Das sind vergiftete Angebote, die er uns macht, um einen Keil zwischen Ärzten und Apothekern zu treiben», kritisierte Behrendt. Die Kapazitäten der Apotheken seien auch bereits erschöpft. Zudem ist die Honorierung aus Behrendts Sicht seit 20 Jahren auf dem gleichen Stand geblieben.

Nach wie vor seien auch viele Medikamente, darunter Antibiotika, nicht lieferbar. «Es gibt jetzt wirklich Fälle, wo wir Leute wegschicken». Er hoffe, dass es jetzt keine große Erkältungswelle gebe, meinte Behrendt.

© dpa
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