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Weihnachten: «Bethlehem ist traurig dieses Jahr»

Das Heilige Land wird seit Oktober vom Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas erschüttert. Weihnachtsstimmung kommt kaum auf. Die Menschen feiern, wenn sie können, im kleinen Kreis.
Weihnachten im Heiligen Land
Bethlehem
Installation

Neben dem Altar liegt ein Haufen Steine, darum herum Holzfiguren. In der Mitte liegt eine Puppe eingehüllt in einen schwarz-weißen Palästinenserschal, wie Fotos zeigen. Angehörige der evangelisch-lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem wollten an die unter Trümmern verschütteten Kinder im Gazastreifen erinnern, sagt Pfarrer Munther Issak. «Die Idee ist, dass Christus geboren ist unter den Unterdrückten und denen, die heute leiden.» Die Installation ersetze in diesem Jahr den Weihnachtsbaum.

Bethlehem im südlichen Westjordanland - der Überlieferung nach Geburtsort von Jesus Christus - ist einer der heiligsten Orte für Christen. Üblicherweise ziehen gerade in der Weihnachtszeit Massen an Touristen durch die Altstadt und zur weltbekannten Geburtskirche. Doch dieses Jahr überschattet der Gaza-Krieg Weihnachten im Heiligen Land.

Keine Weihnachtsdekoration

Der große Weihnachtsbaum, der sonst in der Adventszeit vor der Geburtskirche steht, fehlt. Bereits im November hatten die Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem festgelegt, dass es wegen des Krieges keine Weihnachtsdekoration im Heiligen Land geben soll.

Die Mitternachtsmesse in Bethlehem mit dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, in der Nacht zum 25. Dezember soll allerdings stattfinden.

«Bethlehem ist traurig dieses Jahr», sagt Pfarrer Munther Issak, dessen Gotteshaus nur wenige Gehminuten von der Geburtskirche entfernt steht. «Wir sind alle traurig und leiden wegen dem, was in Gaza passiert.»

Auslöser des Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas sowie anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt hatten. Mehr als 1200 Menschen wurden dabei getötet. Israel begann daraufhin mit massiven Luftangriffen und seit Ende Oktober mit einer Bodenoffensive in dem Gebiet. Dabei wurden nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde inzwischen mehr als 18.000 Menschen getötet.

Angst vor einer Ausweitung des Krieges

Pfarrer Munther Issak sagt, auch die Menschen in Bethlehem hätten Angst, dass der Krieg sich ausweiten werde. Zudem gebe es auch einen starken wirtschaftlichen Druck, weil viele im Tourismus tätig seien. Der Zugang zur Stadt ist extrem eingeschränkt wegen Straßensperren der israelischen Armee, wie Palästinenser erzählen. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Bethlehem befindet sich unter palästinensischer Verwaltung, die Zufahrtsstraßen können allerdings von Israel blockiert werden.

Im Heiligen Land bilden die Christen nur eine sehr kleine Minderheit: Im Gazastreifen leben rund 1000 Christen, bei insgesamt rund 2,2 Millionen Einwohnern. In Israel machen die Christen knapp zwei Prozent der rund 10 Millionen Bürger aus. Im Westjordanland sind es rund 1,5 Prozent der rund 3,2 Millionen Palästinenser.

Am schwierigsten ist die Lage der Christen im umkämpften Gazastreifen. Haitham Saba hat sich sonst jedes Jahr um diese Zeit mit seiner vierköpfigen Familie auf Weihnachten vorbereitet, Dekoration gekauft, neue Kleider und Süßigkeiten. Gemeinsam hätten sie dann in der Griechisch-Orthodoxen Kirche in der Altstadt von Gaza gefeiert, erzählt der 29-Jährige.

Doch dieses Jahr habe er sich auch mit muslimischen Nachbarn in die Kirche zurückziehen müssen, um sich vor israelischen Luftangriffen zu schützen, sagt er. Die Kirche wurde im Oktober nach Kirchenangaben bei einem israelischen Luftangriff getroffen. 18 Menschen, die Schutz gesucht hätten, seien getötet worden, hieß es.

Weihnachten im kleinen Kreis

Bei dem Massaker am 7. Oktober in Israel sind vier Christen getötet worden - im Gazastreifen seit Kriegsbeginn 21 Christen, wie Pater Nikodemus Schnabel, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, sagt.

Auch in der Jerusalemer Altstadt mit ihren kleinen Läden fehlen die beleuchteten Weihnachtsbäume, die Weihnachtsdekoration und die sonst üblichen Massen an Weihnachtstouristen. Stattdessen würden die Menschen dieses Jahr Weihnachten im kleinen Kreis feiern, so Schnabel. «Alles was religiös ist, findet statt, alles was weggekürzt wurde, ist das drumherum», sagt der Benediktinermönch. «Es geht um eine intime Weihnacht, wo die Geburt Jesu Christi im Zentrum steht.» Ob es zu Weihnachten einen Baum in der Kirche geben werde, stehe noch nicht fest.

Die Dormitio-Abtei mit ihrem Laden, ihrer Cafeteria und der Kirche ist geöffnet. Gottesdienste und Konzerte finden statt. «Ich möchte, dass die Leute spüren, wenn sie bei uns über die Schwelle treten, es fällt so eine Last ab», sagt er. Die Konzerte seien auch mit 200, 300 Zuhörern gut besucht.

Wie jedes Jahr wollen die Mönche an Heiligabend nach Bethlehem zur Geburtskirche laufen. Dabei tragen sie stets eine Rolle mit Namen von Menschen mit sich, die darum gebeten haben. In diesem Jahr stehen erstmals auch Namen von toten Menschen auf der Rolle - von Opfern des 7. Oktober und dem Krieg danach, wie Schnabel erzählt. Von Christen, Muslimen und Juden. Auf Bitten der Angehörigen. Der Mönch sagt: «Die Namensaktion gibt vielen Trost.»

© dpa ⁄ Stefanie Järkel, Maher Abukhater und Emad Drimly, dpa
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