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Photovoltaik: So rechnet sich der Strom vom Dach

Die Energiewende wird viel diskutiert, nicht alles ist klar. Für Hausbesitzer, die sich für Photovoltaik interessieren und dabei auf Wirtschaftlichkeit achten wollen, gibt es einiges zu wissen.
Einfamilienhaus mit Photovoltaikdach
Mann befreit Photovoltaikdach vom Schnee
Photovoltaikanlage wird installiert

Photovoltaik (PV), also die Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität, ist einer der wichtigsten Bausteine der weltweiten Wende weg von fossilen und hin zu erneuerbaren Energieträgern. Auch in Deutschland ist das so: Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) setzt die Bundesregierung auf einen massiven Ausbau der Photovoltaik. Nach geplanten 9 Gigawatt (GW) neuer Anlagenleistung in 2023 sollen im kommenden Jahr 13 und ab 2025 jeweils 22 GW neu ans Netz gehen. Rund die Hälfte davon soll als Solaranlagen auf Dächern entstehen.

Übertroffen wird die Wichtigkeit der Photovoltaik bislang leider von ihrer Komplexität: Einspeisevergütungen müssen beachtet werden, Anschaffungskosten und Eigenverbrauch berechnet, Wirkungsgrade, Stromzähler und Steuern mitgedacht, und im schlimmsten Fall ist sogar das Baurecht betroffen. Etliches davon verändert sich auch noch je nach Jahr der Inbetriebnahme einer PV-Anlage.

Allerdings klingt das alles (etwas) komplizierter, als es ist. Wer ein paar Grundprinzipien versteht, kann schnell herausfinden, ob und wie sich der Strom vom Dach für ihn rechnet.

1. Das Grundsätzliche

Das Wichtigste zuerst: Man kann eine Solaranlage auf Dach oder Balkon natürlich aus verschiedenen Gründen installieren wollen. Um ohne Rücksicht auf den privaten Nutzen den Klimaschutz zu befördern. Oder um in Krisenzeiten unabhängig von Stromlieferungen zu sein. Ersteres ist teuer, Letzteres ist teuer und fast unerreichbar: Ohne den Einsatz von Brennstoffzellen oder anderer Wasserstofftechnik schaffen selbst sehr große PV-Anlagen kaum mehr als etwa die Hälfte des Eigenverbrauchs eines normalen Haushalts.

Für die allermeisten Hausbesitzer, Mieter und Wohnungseigentümer dürfte hingegen die Wirtschaftlichkeit am wichtigsten sein - eine PV-Anlage soll Kosten sparen oder sogar Geld verdienen. Und hier gibt es vor allem drei Grundsätze zu beachten: Was kostet und was bringt der eigene Solarstrom? Was muss angemeldet oder beantragt werden? Und was ist neben der PV-Anlage selbst noch wichtig, von der Eignung des Daches oder Balkons bis hin zur möglichen Installation eines Batteriespeichers?

2. Die Wirtschaftlichkeit

Ein Dickicht aus Einspeisevergütungen, Installationsjahren, Eigenversorgungs- und Volleinspeiseanlagen wartet auf den potenziellen Solar-Betreiber, wichtig ist aber vor allem eines: Je mehr Sonnenstrom selbst verbraucht wird, desto besser. «Die Einspeisevergütung selbst ist nicht kostendeckend», sagt Tina Schmidt vom Photovoltaik-Netzwerk Baden-Württemberg. «Den Gewinn erwirtschaftet der Eigenverbrauch für die elektrischen Geräte im Haushalt.»

Eine einfache Rechnung verdeutlicht das: Die Kosten für eine zu Hause erzeugte Kilowattstunde (kWh) liegen, laut Schmidt, bei kleineren Hausdächern bei rund elf bis 14 Cent. Bezogen aus dem Netz kostet die gleiche Menge Strom bei bestehenden Verträgen zwischen 35 und 40 Cent. Pro Kilowattstunde ergibt dies eine Ersparnis von 24 bis 29 Cent.

Die Vergütung für eine Einspeisung ins Netz liegt aktuell hingegen bei nur 8,2 Cent pro Kilowattstunde; jede abgegebene Einheit Strom kostet also mehr, als sie einbringt. Zu einem rentierlichen Betrieb der Solaranlage trägt die Einspeisevergütung nur dadurch bei, dass sie die Anschaffungskosten mit refinanziert.

Hinzu kommt: Ab 1. Februar sinkt die Vergütung auf 8,11 Cent, ab 1. August ab 8,03 Cent, und ab 1. Februar 2025 gibt es nur noch 7,94 Cent pro Kilowattstunde. Was zutrifft, bestimmt das Datum der Inbetriebnahme der Anlage, dann gilt der jeweilige Preis für 20 Jahre. Bei größeren Solaranlagen sinkt die Vergütung ab einer bestimmten Maximalleistung auf ein niedrigeres Niveau von aktuell 7,1 Cent.

Aber Achtung: Es gibt teils erhebliche Unterschiede und weiterlaufende Regeln für ältere Anlagen, die Preise, maximale Eigenverbrauchsanteile und auch die technische Ausstattung betreffen. Wer also schon eine Solaranlage sein eigen nennt, wird für eine genaue Berechnung der Umstände um einen Termin mit einem Berater oder eine Sitzung mit einem Online-Rechner wie dem der Stiftung Warentest nicht herumkommen. Auch für alle anderen Interessierten empfiehlt sich ein Besuch.

3. Speicher ja oder nein?

Je nach Wetter, Nutzungszeiten und anderen Faktoren kann allerdings meist nur etwa ein Drittel des erzeugten Stroms selbst direkt verbraucht werden. Für den geschätzten Verbrauch einer vierköpfigen Familie von knapp 4500 Kilowattstunden kämen gemäß der Rechnung oben so zwischen 360 und 435 Euro Ersparnis im Jahr zusammen. Das ist nicht wenig - aber angesichts der Preise von Solaranlagen auch nicht übermäßig viel. Denn die Geräte werden aktuell zwar günstiger. Eine durchschnittliche Hausanlage mit einer Leistung von zehn Kilowatt kostet laut der Initiative «Zukunft Altbau» trotzdem noch 13.000 bis 16.000 Euro. Bis sich der Strom vom Dach wirklich rechnet, können so Jahrzehnte vergehen.

Ein eigener Batteriespeicher kann diese Rechnung verbessern - statt Strom nur dann selbst verbrauchen zu können, wenn gerade die Sonne scheint, lässt er sich damit für später deponieren.

Allerdings gilt das bislang eher theoretisch. «Zwischen November und März oder an trüben Tagen bringt einem der Batteriespeicher nichts», sagt Stefan Hoffmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und macht dazu folgende Rechnung auf: «Gehen Sie bei einem Verbrauch von 4500 kWh im Jahr davon aus, dass ein Drittel des produzierten Stroms direkt verbraucht werden kann. Ein weiteres Drittel wird ins Netz eingespeist, und nur das letzte Drittel (1500 kWh) steigert über einen Batteriespeicher den Eigenverbrauch.»

Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer des Speichers von zehn Jahren beliefe sich die Einsparung demnach auf etwa 3750 Euro. So viel dürfte das Gerät maximal kosten, um sich zu amortisieren - ohne irgendeine positive Rendite. Selbst günstige Batterien mit einer Speicherleistung von fünf Kilowattstunden aber kosten aktuell um die 3000 Euro, bei zehn kWh ist man schnell bei 5000 Euro oder (viel) mehr. Welche Speichergröße zu welchem Stromverbrauch passt, hat etwa die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin erforscht , für die meisten privaten Haushalte aber dürfte gelten: Bevor die Preise weiter sinken, ist ein Batteriespeicher oft eher ein Nullsummenspiel.

4. Die Bürokratie

Immerhin: Der bürokratische Aufwand für Installation und Betrieb einer PV-Anlage ist deutlich gesunken. Weil die EEG-Umlage gestrichen wurde, brauchen viele PV-Anlagen keinen zusätzlichen Stromerzeugungszähler mehr. Ebenso entfällt die Mehrwertsteuer auf neue Anlagen dauerhaft, und auch auf die ausgezahlte Einspeisevergütung fallen weder Umsatz- noch Einkommensteuer an. Ab 2025 sollen Installationsanfragen an die Netzbetreiber leicht und schnell über ein Online-Portal möglich werden. Zudem werden Fristen vorgegeben, wie schnell Netzbetreiber diese Anfragen bearbeiten müssen.

Das im August 2023 vom verabschiedete «Solarpaket 1» enthält auch Regelungen zur Entbürokratisierung von Balkon-Solaranlagen. «So soll nun der Anschluss über herkömmliche Schuko-Stecker erlaubt sein», sagt Verbraucherschützer Hoffmann. Bislang waren sogenannte Wieland-Stecker vorgeschrieben, die nur vom Elektriker installiert werden durften. Auch andere Formalitäten werden vereinfacht: Künftig entfällt die Anmeldung beim Netzbetreiber, stattdessen soll nur noch eine Online-Registrierung im sogenannten Marktstammdatenregister nötig sein. Und auch größer darf die Anlage sein: «Bis zu 800 Watt Leistung sind nun möglich», sagt Hoffmann.

Aufbauen darf so ein Balkonkraftwerk im Prinzip jeder. Voraussetzung ist nur, sich vorher die Zustimmung des Vermieters bzw. der Mehrheit der anderen Wohnungseigentümer einzuholen.

5. Passt mein Dach?

Angesichts der begrenzten Leistung solcher Geräte dürften sich gerade die meisten Hauseigentümer aber eher für Dachanlagen interessieren - und die Frage, ob sich ihr Dach dafür eignet. Hier lautet die Antwort: Höchstwahrscheinlich ja. Auch steile Dächer mit 60 Grad Neigung sind für moderne PV-Anlagen kein Problem. Bei Flachdächern stehen die Geräte auf Tragwerken. Teilweise Verschattung im Lauf des Tages, etwa durch Bäume, ist weniger problematisch als früher. Und auch die Ansicht, dass bei Satteldächern nur Südlagen optimal seien, ist überholt. Zwar ist der Stromertrag bei Südausrichtung maximal.

Aber die Verbraucherzentrale NRW weist auf ihrer Website darauf hin, dass auch Anlagen auf Ost- und Westdächern oft sinnvoll seien, weil «die Stromerzeugung sich stärker über den Tag verteilt, somit kann mehr Strom selbst im Haus genutzt werden». Denn der typische Haushalt verbraucht besonders viel Strom morgens und abends, wenn die Sonne im Osten bzw. Westen steht. Ein Haus mit Ost-West-ausgerichteten Satteldach ist also meist optimal für den Eigenverbrauch.

© dpa ⁄ Michael Ritzau, dpa
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