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«Das letzte verbleibende Lagerfeuer»: Dschungelcamp wird 20

Neues Jahr, neues Dschungelcamp: Was früher noch als Ekel-TV gebrandmarkt war, ist mittlerweile ein Ritual geworden, auf das sich viele im Publikum einigen können.
Dschungelcamp wird 20 Jahre alt
Die Moderatoren Jan Köppen und Sonja Zietlow vom Dschungelcamp: Die neue Ausgabe geht am 19. Januar 2024 los. © Pascal Bünning/RTL/dpa

Neil Armstrong war der erste Mensch auf dem Mond, Edmund Hillary und Tenzing Norgay die ersten auf dem Mount Everest - und Costa Cordalis der erste, der für das deutsche Fernsehen in die Schlangengrube stieg. Im Januar 2004 leistete der Schlagerbarde mit der schwarzen Prachtmähne («Ich fand sie irgendwo allein in Mexiko, Anita») Pionierarbeit.

Cordalis war damals der erste Kandidat, der für die ganz neue Show «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» im fernen Australien in eine sogenannte Dschungelprüfung ging und sich zur Erheiterung des Publikums malträtieren ließ. Kaum absehbar war damals, wie viele seinem Vorbild folgen würden.

Erfolgreiche Show

Mittlerweile weiß man es: 2024 gibt es das RTL-Dschungelcamp immer noch - am 9. Januar exakt seit 20 Jahren. Von Claudia Effenberg bis Rainer Langhans, von Dolly Buster bis Thomas Häßler wurden seitdem allerlei C-Promis durch das Pritschen-Lager geschleust. Und am 19. Januar startet die nächste Staffel. Im Jubiläumsjahr soll unter anderem Schauspieler Heinz Hoenig (72), honoriger Charakter-Mime in großen Mehrteilern, durch die Urwald-Mühle gedreht werden.

Bei karger Nahrung ausharren, mehr oder minder fiese Prüfungen überstehen - das Programm ist wohlerprobt. «Das Dschungelcamp ist neben «Wetten, dass..?» das letzte verbleibende Lagerfeuer des traditionellen Fernsehens, das eine große Reichweite besitzt», sagt die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher. Und «Wetten, dass..?» wird je nach Entscheidung des ZDF möglicherweise nie wieder zu sehen sein.

Schon zu Beginn, 2004, wurden Top-Quoten eingefahren. Die erste Dschungel-Staffel kam nach RTL-Angaben auf einen fabelhaften Marktanteil von durchschnittlich 31,3 Prozent. Die Show war sofort das Gesprächsthema in Wohnzimmern, in Kantinen und auf Schulhöfen.

Eine echte Neuheit im TV

Die ersten Protagonisten ahnten dagegen selbst noch nicht so richtig, worauf sie sich eingelassen hatten. «Wir wussten gar nicht, was die mit uns vorhatten in diesem Camp», gab Cordalis 2015 zu. Dabei gab es die Show eigentlich schon seit 2002 in Großbritannien. Ins deutsche Camp zogen etwa Moderatorin Caroline Beil und Musiker Werner Böhm (Gottlieb Wendehals) ein. Aus damaliger Sicht Halbprominente, von denen man annahm, dass sie im Januar einfach nichts zu tun hatten.

Spätestens aber als der Casting-Kandidat Daniel Küblböck (DSDS), damals 18 Jahre alt, in einer Prüfung 30.000 Kakerlaken entgegenzitterte, war die Entrüstung groß. Bis dato waren Promis im deutschen Fernsehen meist in sterilen TV-Studios ein wenig verulkt worden.

Nun lagen sie wie Küblböck dem Wimmern nahe in einem Glassarg am anderen Ende der Welt. «Ekel-TV» nannten es die einen, «Guantanamo Bay der deutschen Spaßgesellschaft» («Der Spiegel») andere. Schon vier Tage nach dem Start sah sich die Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) in der Pflicht, die Absetzung zu fordern.

«Es gab damals nichts Vergleichbares im deutschen Fernsehen», erinnert sich RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner. «Die Sendung war lauter und extremer als alle anderen TV-Sendungen zu dieser Zeit und hat daher recht stark polarisiert.» Damals habe man sich auf das Dschungelcamp eingelassen, weil man an das Format geglaubt habe.

«Aber dass die Quoten dann so durch die Decke gegangen sind, hat uns dann doch sehr überrascht», sagt er. In den ersten Jahren sei es auch viel schwieriger gewesen, Promis für die Show zu gewinnen. «Wir haben uns immer von Staffel zu Staffel gehangelt», sagt er.

Der Image-Wandel

Mit den Jahren änderte sich aber das Image des Dschungel-Zirkus, obwohl weiter Fisch-Eingeweide und «Kotzfrüchte» aufgefahren wurden. Was früher vermeintlich Doof-TV für schlichte Gemüter gewesen war, wurde zunehmend als Kammerspiel für ein vom grauen Januar ermattetes Bildungsbürgertum verkostet. Großes Theater, nur eben mit Tierhoden.

Der Fernsehwissenschaftler Lothar Mikos schrieb schon 2004, dass der Clou an der Show sei, dass sie «differente Bedeutungsangebote» bereithalte. Spiel, Reality-Soap, Boulevard und Comedy vermischten sich. Das Publikum könne «abhängig von situativen und sozio-kulturellen Kontexten» unterschiedliche «Schwerpunkte» setzen. Anders gesagt: Für jeden, von oben bis unten, ist etwas dabei.

In Erinnerung blieb etwa die Staffel 2011, in der Model Sarah Knappik von Schauspieler Mathieu Carrière im Zuge größter Ränkespiele auf Knien angefleht wurde, freiwillig auszusteigen («Sarah, bitte verlass uns!»). In derselben Staffel geriet zudem eine Liaison zwischen der Bro'Sis-Sängerin Indira Weis und dem US5-Musiker Jay Khan unter akuten Heuchel-Verdacht. In keiner Dschungel-Chronik fehlen darf auch Schauspielerin Ingrid van Bergen, die 2009 mit damals 77 Jahren mit all ihrer Rest-Grandezza lebende Maden herunterwürgte - und gewann.

Costa Cordalis selbst, der 2019 starb, zeigte sich zeitlebens zufrieden mit seiner Entscheidung, mitzumachen - auch er gewann die Staffel. Die Schlangengrube war damals allerdings auch nicht das größte Problem. Mit der Teilnahme habe er seine Ehe gefährdet, berichtete er später. Ehefrau Ingrid habe mit Scheidung gedroht.

© dpa ⁄ Jonas-Erik Schmidt, dpa
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