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Deutscher Pavillon mit Bartana und Mondtag in Venedig

In Zeiten von Krieg und Krisen ist auch die Kulturszene erschüttert. Den Umgang damit rückt der Deutsche Pavillon ins Zentrum bei der Kunstbiennale in Venedig.
Deutscher Pavillon
Der Deutsche Pavillon in Venedig. © Felix Hörhager/dpa

Drei Monate vor Beginn der Kunstbiennale in Venedig stehen mit der in Amsterdam und Berlin lebenden israelischen Künstlerin Yael Bartana (53) und dem Berliner Theaterregisseur Ersan Mondtag (36) die beiden Akteure für den Deutschen Pavillon fest. Zudem hat Kuratorin Cagla Ilk einen weiteren Ort vorgesehen. Die in Berlin lebenden Michael Akstaller (31), Nicole L'Huillier (38), Robert Lippok (57) und Jan St. Werner (54) schaffen auf der zwischen Venedig und dem Lido gelagerten Insel La Certosa einen Resonanzraum in der Natur als Gegenstück zur Monumentalität des Deutschen Pavillons.

Die Kunstbiennale Venedig findet vom 20. April bis 24. November statt. Sie gilt neben der documenta in Kassel als wichtigste Präsentation zeitgenössischer Kunst und lockte zur jüngsten Ausgabe vor zwei Jahren mehr als 800.000 Menschen in die Lagunen-Stadt. Die 60. Ausgabe will sich unter dem Titel «Stranieri Ovunque - Foreigners Everywhere» (Fremde überall) vornehmlich mit Migration, Exil und Erfahrungen der Fremdheit befassen.

Im Deutschen Pavillon in den Giardini werde unter dem Titel «Thresholds» (Englisch für Schwellen) Geschichte und Zukunft aus der Perspektive verschiedener künstlerischer Positionen erzählt, hieß es vom zuständigen Institut für Auslandsbeziehungen. «Der künstlerische Beitrag für den Deutschen Pavillon sucht in drei Szenarien den Umgang mit Schwellen, Stufen und Grenzen.»

Sehnsucht nach kollektiver Erlösung

Bartana will an der Schwelle einer als katastrophal empfundenen Gegenwart mit ihrer Arbeit Möglichkeiten des zukünftigen Überlebens suchen. Die Künstlerin, die bereits bei der documenta 2007 dabei war und 2011 während der Biennale den polnischen Pavillon gestaltet hat, beschäftigt sich in Filmen, Installationen, Fotografien oder Performances mit Themen wie nationaler Identität, Trauma und Vertreibung. Für ihre erste Werkschau «Redemption Now» thematisierte sie 2021 im Jüdischen Museum Berlin mit «Malka Germania» (Hebräisch für Königin Germania) die Sehnsucht nach einer kollektiven Erlösung nach gemeinsam durchlebten Ängsten.

Mondtags Part soll dem monumentalen Charakter des in der Nazi-Zeit gestalteten Pavillons «eine fragmentarische, scheinbar kleine Erzählung» entgegensetzen. Mondtag, mit türkischem Migrationshintergrund als Ersan Aygün in Berlin geboren, arbeitet mit den Mitteln von Theater, Musik, Performance und Installation. Mit seinen Inszenierungen wurde er zum Shootingstar der Theaterszene. Er realisierte etwa Sibylle Bergs «Hass-Triptychon - Wege aus der Krise» am Wiener Volkstheater, Bertolt Brechts Theaterstück «Baal» und Thomas Köcks Theateradaption «wagner - der ring des nibelungen» am Berliner Ensemble. Gefeiert wurde auch seine Version von Rued Langgaards Oper «Antikrist» an der Deutschen Oper Berlin.

Künstler wollen Schwellen überwinden

Neben den beiden Positionen im Pavillon wird ein drittes Szenario auf La Certosa geschaffen. «Mit dem Schritt nach außen fokussiert Thresholds die Bedeutung der Schwelle als Moment zeitlicher und räumlicher Übergänge», so das für den deutschen Beitrag zuständige Institut für Auslandsbeziehungen. Akstaller, L'Huillier, Lippok und Werner wollen demnach «den Gedanken der Überwindung von Schwellen» hervorheben.

Kuratorin Ilk erläuterte die Auswahl der künstlerischen Positionen. «In einer Zeit der globalen Krise und der Kriege haben wir uns die Frage gestellt: Wie sehen Orte des Zusammenhalts aus? Wie können wir das nationalstaatlich geprägte Denken und Raumkonstrukt verlassen?», sagte Ilk der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

«Wenn es so etwas wie Hoffnung gibt, dann liegt sie im Überschreiten von Schwellen», so Ilk. Am deutschen Beitrag arbeiteten Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Herkunft und Prägung «an der Verwirrung vermeintlicher Gewissheiten». Die Kuratorin weiter: «Wir befinden uns auf der Schwelle. Nichts ist sicher. Gelingt es uns, daraus einen ehrlichen Moment der Humanität zu machen?»

© dpa ⁄ Gerd Roth, dpa
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