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«Mir geht's um die Mädels»: Hrubesch und der Olympia-Traum

Die deutschen Fußballerinnen vertrauen dem «alten Mann», wie Horst Hrubesch selbst sagt. Der 72-Jährige will noch einmal Olympia erleben. Ein Sieg in Frankreich würde das Paris-Ticket sichern.
Horst Hrubesch
Horst Hrubesch (r) und die DFB-Spielerinnen beim Training auf dem DFB-Campus. © Arne Dedert/dpa

«Vorwärts!», «Kopf hoch!», «Abschluss!» Horst Hrubeschs knappe Anweisungen sind auf dem Frankfurter DFB-Campus gut zu hören. Die «Mädels», wie der Interims-Bundestrainer die deutschen Fußballerinnen stets nennt, «sind fit» und legen eine knackige Übungseinheit hin.

Beschweren tut sich niemand im Team um Kapitänin Alexandra Popp über die nicht ganz zeitgemäße Anrede. «Für mich werden es immer die Mädels bleiben. Das könnten alles meine Enkeltöchter sein», hatte Hrubesch dieser Tage lässig erklärt. Und die Spielerinnen vertrauen dem 72-Jährigen bei ihrer Mission Olympia-Qualifikation.

«Egal, wo ich trainiert habe: Ich habe immer "Jungs" gesagt. Also müsste ich jetzt dann Männer sagen?», fragte Hrubesch, ganz Pragmatiker. Auf so Feinheiten kommt es vor dem Nations-League-Halbfinale der DFB-Frauen gegen Frankreich am Freitag (21.00 Uhr/ARD) in Lyon auch gar nicht an. Mit einem Sieg wären die Vize-Europameisterinnen in Paris dabei. Bei einer Niederlage hätten sie am 28. Februar in Sevilla oder Heerenveen noch eine zweite Chance gegen den Verlierer aus Spanien - Niederlande, da die Französinnen als Gastgeber-Team automatisch für die Sommerspiele qualifiziert sind und es darüber hinaus zwei Olympia-Tickets für Europa gibt.

Hrubesch: «Fußball ist ein einfaches Spiel»

Hrubesch will natürlich gleich gegen Frankreich alles klarmachen. «Es macht ja eigentlich mit dieser Qualität überhaupt keinen Sinn, ein Spiel zu verlieren», sagte Hrubesch nach dem 100-minütigen Training mit abschließendem Elfmeterschießen. Das HSV-Idol hatte nach dem WM-Debakel von Australien mit dem Vorrunden-Aus und dem unrühmlichen Abgang von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im November die deutsche Auswahl zum zweiten Mal nach 2018 übergangsweise übernommen.

«Sie vertrauen mir, und ich vertraue ihnen. Das wissen sie», sagte Hrubesch. «Wir machen uns gegenseitig nichts vor: Fußball ist normal ein einfaches Spiel. Das habe ich versucht, ihnen zu erklären.» Diese Lockerheit, sagte Mittelfeldspielerin Lena Oberdorf, hätte sie manchmal gerne selber. Und: «Horst ist generell ein sehr direkter Mensch.»

Noch haben sich Popp und Co. nicht aus der Krise befreit, doch mit dem 3:0 gegen Dänemark Anfang Dezember wahrten sie ihre Olympia-Chancen. Das 0:0 kurz darauf in Wales ernüchterte allerdings wieder. Aber die klare Ansprache, der Fokus auf das Wesentliche, keine Überfrachtung bei Trainingsinhalten, das tut den Spielerinnen gut.

Fehlerkultur gehört dazu

Eine Szene, wie es sie zu Voss-Tecklenburgs Zeiten gab, wird man unter Hrubesch kaum erleben: Da hatte sich Oberdorf auf dem Platz gegen die ständigen taktischen Anweisungen der Bundestrainerin mit den Worten gewehrt: «Lass mich in Ruhe! Lass mich spielen!»

Der Europameister von 1980, eigentlich Nachwuchsdirektor beim HSV, impft den Spielerinnen immer wieder Selbstvertrauen ein. Sein Credo - «Mach' Fehler! Probier! Dann wissen wir, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder nicht» - nimmt den Spielerinnen etwas den Druck. Und Spaß, sagte Hrubesch auch am Dienstag, habe das Team ohnehin.

Zumal Lea Schüller mit einem Kopfball - ganz wie früher ihr Nationalcoach - der Abschluss der Einheit vor der Frankfurter Skyline gelang. Die Bayern-Spielerin ist eine, die von Hrubeschs Erfahrung als Stürmer profitiert. «Er weiß, wo man stehen muss.»

Hrubeschs Amtszeit kann schnell enden

Hrubesch hatte 2016 in Rio de Janeiro, als die deutschen Frauen mit Cheftrainerin Silvia Neid Gold gewannen, mit den DFB-Männern Silber geholt. Fakt ist, dass er spätestens nach den Sommerspielen sein Amt wieder aufgibt. Wenn er die Olympia-Qualifikation verpatzt, muss der DFB zügig einen neuen Bundestrainer oder eine neue Bundestrainerin präsentieren.

«Ich bin ja auch Egoist auf der einen Seite. Ich würde Olympia gerne noch mal machen. Damit wir noch mal ins Olympische Dorf kommen. In erster Linie geht’s mir um die Mädels, gar nicht so um meine Person», sagte der Routinier. Über mangelnde Akzeptanz kann er sich nicht beklagen: «Die nehmen den alten Mann mit und das funktioniert eigentlich ganz gut.»

© dpa ⁄ Ulrike John, dpa
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