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Schamanin von Bad Dürrenberg in neuer Umgebung

Ein besonderer Raum für eine besondere Frau: Das Grab der 9000 Jahre alten Schamanin von Bad Dürrenberg wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle neu präsentiert.
Schamanin von Bad Dürrenberg
Mitarbeiter des Landesmuseums drapieren die sterblichen Überreste der Schamanin von Bad Dürrenberg in der Dauerausstellung. © Hendrik Schmidt/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg erstrahlt in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle in neuem Glanz. Das 9000 Jahre alte Skelett und die Grabbeigaben werden der Öffentlichkeit in einem neu gestalteten Raum präsentiert. «Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg ist einer der wichtigsten Funde der mitteleuropäischen Archäologie und neben der Himmelsscheibe von Nebra eines der absoluten Highlights des Landesmuseums», sagte Landesarchäologe Harald Meller am Donnerstag. Das Grab wurde 1934 zufällig im Kurpark von Bad Dürrenberg entdeckt. Der Fund ist eines von nur drei sicher nachweisbaren steinzeitlichen Schamanengräbern weltweit.

«Ein großangelegtes Forschungsprojekt hat in den letzten Jahren zahlreiche wichtige neue Erkenntnisse zu diesem Fund geliefert. Die Besucherinnen und Besucher erwarten neben neuen Funden aus dem Grab neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer mächtigen Frau, die vor 9000 Jahren für ihre Gruppe von größter Bedeutung war», sagte Meller weiter. Neben dem aktualisierten Lebensbild der Frau gibt es vom Künstler Karol Schauer ein neu gestaltetes Panorama. Es zeigt den Blick von der Hochterrasse über der Saale, auf der ihre Bestattung lag, und führt die damalige Landschaft mit Eichenmischwäldern, Kiefern- und Ulmenbeständen sowie Haselnusssträuchern vor Augen. Siebzehn Schubladen bieten vertiefende Informationen zur Lebenswelt der Mittelsteinzeit und der Schamanin selbst. Eine 3D-Nachbildung und eine Filmanimation erläutern Anomalien an Wirbeln und Hinterhauptloch, die bei bestimmten Bewegungen des Kopfes ein anfallartiges Rollen der Augen (Nystagmus) auslösten, was auf ihre Zeitgenossen wie ein Zeichen des Kontakts mit der Geisterwelt gewirkt haben muss.

Bei erneuten Grabungen ab Dezember 2019 am Fundort konnten die genaue Fundstelle des Grabes lokalisiert und Reste der mit Rötel durchsetzten Grabgrube sowie weitere Fundobjekte geborgen werden. Neufunde sind beispielsweise 14 durchbohrte fossile Gyraulus-Schneckenhäuser von nur etwa fünf Millimetern Größe. Sie könnten zu einer Kette gehört haben, ins Haar geflochten oder auf der Kleidung aufgenäht gewesen sein. Sie stammen aus dem Steinheimer Becken im heutigen Baden-Württemberg. Damit zeugen die filigranen Objekte nicht nur von der Fingerfertigkeit der mittelsteinzeitlichen Menschen, sondern auch von erstaunlichen Fernkontakten in der Zeit vor 9 000 Jahren. Neue archäogenetische Untersuchungen ergaben, dass die Schamanin dunkelhaarig war, helle Augen und einen dunkleren Hautton hatte.

Außerdem wurde, nur einen Meter vom Grab der Schamanin entfernt, eine weitere Grube freigelegt. Neben einer Arbeitsplatte aus Sandstein mit deutlichen Bearbeitungsspuren sowie Arbeitsgeräten aus Quarz und Feuerstein wurden die Überreste von zwei Rothirschgeweihen entdeckt. Die Grube wurde etwa 600 Jahre nach der Bestattung der Schamanin und des Kindes angelegt. Die 30- bis 40-jährige Frau war vor etwa 9 000 Jahren sitzend und zusammen mit einem etwa sechs bis zwölf Monate alten Kind bestattet worden. Ein möglicher Kopfschmuck aus Rehgeweih und Tierzahngehänge zeigen die besondere Stellung der Toten als spirituelle Anführerin ihrer Gruppe. Das Kind, ein Junge, ist nicht ihr Sohn, sondern lediglich Verwandter 4. oder 5. Grades.

Auf der am Freitag beginnenden Landesgartenschau in Bad Dürrenberg ist die Schamanin in einem Kuppelzelt präsent. «Über computergestützte AR-Brillen (Augmented Reality) erzählt die Schamanin den Besuchern in einem rund sechsminütigen Film von ihrem Leben und Sterben», sagte Geschäftsführer Michael Steinland. Ebenso sind in großen Vitrinen Repliken der Artefakte aus dem Grab der Schamanin ausgestellt und ein vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie erstellter Dokumentarfilm erläutert die neuesten Erkenntnisse.

© dpa
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