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Einsamkeit unter Jugendlichen als «Massenphänomen»

Einsamkeit unter Jugendlichen ist einer neuen Studie zufolge weit verbreitet. Die Wissenschaft sieht Handlungsbedarf. Wichtige Botschaft laut Experten: Du bist nicht allein.
Studie zu Einsamkeit unter Jugendlichen
Eine Studentin sitzt auf dem Bett in ihrem WG-Zimmer, vor ihr liegen Lehrbücher und ein Notizbuch. © Michael Matthey/dpa/Illustration

Einsamkeit hat unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit der Pandemie deutlich zugenommen und ist sehr weit verbreitet. «Einsamkeit ist so was wie eine heimliche Pandemie», sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst am Freitag bei Vorstellung einer Studie in Berlin. Es handele sich um ein «Massenphänomen» unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Das Thema sei als «neue soziale Frage unserer Zeit» für die gesamte Gesellschaft relevant. Die renommierte Einsamkeitsforscherin Maike Luhmann betonte, es sei wichtig, die Aufmerksamkeit auf junge Menschen zu richten. Sie hatte die Untersuchung im Auftrag der Landesregierung mit einem Team durchgeführt.

Die Ergebnisse in Zahlen

Unter fast 1000 Personen zwischen 16 und 20 Jahren, die im Herbst 2023 in NRW befragt worden waren, sind rund 16 bis 18 Prozent laut Studie sehr einsam. Bei den jüngeren Befragten - knapp 1250 Achtklässler zwischen 13 und 15 Jahren - seien knapp 4 bis 11 Prozent als stark einsam einzustufen.

Die Spannen in den Ergebniszahlen ergeben sich, weil nach Geschlecht und in zwei Arten von Einsamkeit - emotional und sozial - getrennt wurde. Vergleichbare bundesweite Daten zeigten ebenfalls gestiegene, hohe Einsamkeitswerte, schilderte Luhmann, die auch die Bundesregierung berät. Es gebe wenig Vergleichsdaten für junge Menschen, aber eine Zunahme in Deutschland sei eindeutig, sagte die Expertin der dpa kurz vor der Präsentation.

Insgesamt waren in den beiden separaten Erhebungen rund 2200 junge Leute in NRW befragt worden. Addiert man in beiden Altersgruppen noch diejenigen hinzu, die moderat oder manchmal einsam sind, steigen die Zahlen noch erheblich an. Tendenziell machte die Analyse etwas mehr weibliche Betroffene aus.

Einer der Hauptfaktor: Einkommensarmut der Eltern

Ein erhöhtes Risiko haben Jugendliche mit besonderen persönlichen oder psychischen Belastungen und auch junge Menschen, die Diskrimierungserfahrungen gemacht haben, erläuterte die Expertin der Uni Bochum. Die Pandemie hinterlasse Spuren. Auch Faktoren wie überhoher Konsum digitaler Medien spielten eine Rolle.

Und: «Wir haben festgestellt, dass diejenigen, die angegeben haben, dass sie finanzielle Probleme haben in ihrem Haushalt, auch eher einsam sind», unterstrich Luhmann. «Das ist ein deutschland- und europaweites Phänomen, wenn nicht gar ein internationales.»

Sie berichtete: «Aus der Forschung wissen wir, dass Einsamkeit, wenn sie chronisch wird, mit einer ganzen Reihe von negativen Konsequenzen verbunden ist.» Folgen könnten sein: Gestörter Schlaf, soziale Angst, Depression, sinkende schulische Leistungen, weniger Bewegung und Aktivitäten.

Es gehe gerade bei jungen Menschen darum, langanhaltende negative Folgen bis hin zu körperlichen und psychischen Erkrankungen zu vermeiden. Wüst mahnte bei dem «Einsamkeitsforum» mit Experten, man müsse der Einsamkeit früh begegnen. «Das Thema gehört in die Mitte der Gesellschaft.» Auch die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Strategie.

Verschiedene Formen von Einsamkeit

Emotionale Einsamkeit ist das negative Gefühl, dass einem Menschen fehlen, denen man sich nahe fühlt, dass man niemanden hat, dem man sich anvertrauen kann. Soziale Einsamkeit ist das Empfinden, zu wenig Kontakte und Freundschaften zu haben, keiner Gruppe zugehörig zu sein. Die Studie zeigte: Die Qualität der Freundschaften wird als wichtiger empfunden als die Quantität. Einsamsein ist nicht dasselbe wie Alleinsein und auch nicht mit sozialer Isolation zu verwechseln.

Einsamkeit ist ein schmerzliches Gefühl, aber nicht per se negativ: «Sie ist auch ein Teil der Lebenserfahrung und kann eine positive Funktion haben, denn junge Menschen müssen lernen, wie sie daraus auch wieder rauskommen», erklärt Luhmann. Soziale Medien könnten einerseits wichtiges Werkzeug sein, um eine Kommunikation zu starten oder Kontakte zu halten. Aber: Gerade bei den Jüngeren mit exzessiver Nutzung von Handy, Computer und Co. seien die Einsamkeitswerte erhöht.

Jugendzeit ist eine sensible, instabile Lebensphase

«Die Jugendzeit ist eine Phase der Neuorientierung, der Identitätsfindung, eine sehr turbulente Lebensphase mit vielen Wechseln», schilderte Luhmann. Jeder Wechsel in ein neues Umfeld berge auch das Risiko, dass es nicht klappe mit den Kontakten.

Manche könnten mit ihrer Einsamkeit umgehen, andere reagierten mit unwirksamen oder schädlichen Verhaltensweisen. Psychotherapeutin Franca Cerutti berichtete aus ihrer Praxis, das Einsamkeitsproblem verschärfe sich, sei schambesetzt. Wer sich als Jugendlicher stark einsam fühle, habe damit ohne ein Gegensteuern mutmaßlich auch als Erwachsener zu tun.

Es solle mehr Wissen vermittelt werden, rät die Studie. Weitere Tipps: Soziale und emotionale Kompetenzen stärken, mehr Begegnungsorte schaffen und Jugendliche da ansprechen, wo sie sind - also in Schule und Internet.

Redaktionshinweis: In einer früheren Version der Meldung funktionierte der Link zur Studie nicht. Das wurde korrigiert. (14.11., 17.20 Uhr)

© dpa ⁄ Yuriko Wahl-Immel, dpa
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