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Pisa-Desaster: Wüst sieht Handlungsbedarf schon in Kitas

Mit Blick auf Deutschlands schwaches Abschneiden bei Pisa kritisiert NRW-Ministerpräsident Wüst Kürzungen bei der Sprach-Förderung junger Kinder. Er fordert eine frühe Priorisierung von Basiskompetenzen.
Ministerpräsident Hendrik Wüst
Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht während eines Interviews im Landesbüro der dpa. © Rolf Vennenbernd/dpa

Nach den desaströsen Ergebnissen der neuen Pisa-Studie sieht Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) Handlungsbedarf schon im Kita-Bereich und in Grundschulen. «Denn wer schon in der Grundschule nicht altersadäquat mit Sprache umgehen kann, der kann auch andere Dinge nicht lernen», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Wüst kritisierte in diesem Zusammenhang die Kürzungen des Bundes beim Programm der Sprach-Kitas. Anders als die Bundesregierung habe die schwarz-grüne NRW-Landesregierung trotz der angespannten Haushaltslage und vieler notwendiger Einsparungen nicht bei Kindern und Jugendlichen gespart. Bei den Mitteln für die Sprach-Kitas habe das Land Kürzungen des Bundes sogar ausgeglichen.

In Sprach-Kitas werden mit zusätzlichem Personal vor allem Kinder gefördert, deren Eltern kein oder wenig Deutsch können. Nach der Entscheidung des Bundes, aus der Förderung auszusteigen, hatte das Land NRW die Kosten übernommen.

Nach der Corona-Pandemie seien mit der Pisa-Studie nun die «verheerenden Auswirkungen» der Schulschließungen sichtbar geworden, sagte Wüst. Auch die geflüchteten Kinder brauchten dringend Hilfe. «Das zeigt, wie wichtig es ist, dass wir alle Prioritäten darauf setzen, dass diese Kinder erst mal die Basiskompetenzen erlernen, nämlich den Umgang mit Sprache und rechnen.»

In der am Dienstag veröffentlichten Studie hatten die deutschen 15-/16-Jährigen im Lesen, in Mathematik und in Naturwissenschaften die schwächsten Leistungswerte erreicht, die für Deutschland jemals im Rahmen von Pisa gemessen wurden. Die Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vergleicht dabei Industrieländer.

Ein Viertel der Kinder in der vierten Klasse könne nicht altersadäquat mit Sprache umgehen, sagte der NRW-Regierungschef. Dafür gebe es mehrere Ursachen. Ein wichtiger Punkt sei, dass es nirgendwo so viele unbesetzte Stellen gebe wie im Grundschulbereich. Mit insgesamt 900 Millionen Euro wird daher in den nächsten Jahren in NRW schrittweise die Eingangsbesoldung für alle Lehrkräfte angeglichen, auch um bisher schlechter bezahlten Grundschul-Lehrberuf attraktiver zu machen.

Ende 2022 hatte NRW-Schulministerin Dorothee Feller zudem ein Handlungskonzept zur besseren Unterrichtsversorgung auf den Weg gebracht. «Erste Erfolge» sind laut Wüst jetzt zu sehen. Innerhalb eines Jahres seien fast 4000 Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Schulpsychologen an die Schulen gebracht worden.

Die Pisa-Ergebnisse werden wohl auch Thema bei der Kultusministerkonferenz am Donnerstag und Freitag werden. Außerdem soll ein Gutachten zur Lehrkräftegewinnung und Lehrkräftebildung vorgestellt werden.

© dpa
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