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Milch und Wurst aus dem Automaten: Direktverkauf gefragt

Sie bieten Produkte direkt vom Hof und sind immer «offen» - landwirtschaftliche Verkaufsautomaten ziehen zahlreiche Kunden an. Das personallose Konzept gilt als zukunftsträchtig.
Hoffreunde-Hofladen in Butzbach
Kim Rolshausen (l), Leiterin des Hoffreunde SB-Hofladens, kontrolliert die Waren. © Christian Lademann/dpa

Freunde kündigen sich spontan zum Grillen oder zum Kaffee an und weit und breit hat kein Supermarkt mehr offen? In solchen Fällen können Verkaufsautomaten die Lösung sein. Bereits in zahlreichen Gemeinden in Hessen vermarkten Landwirte ihre Produkte direkt über solche Automaten - von Eiern und Milch über Fleisch und Wurst bis hin zu fertig gekochten Soßen.

Die Palette der Verkaufsstellen reicht dabei vom einfachen Schrank, aus dem die Kunden sich die Waren herausnehmen und Geld in eine Kasse zahlen können, bis zum personallosen Verkaufscontainer mit Zugang per EC-Karte und Videoüberwachung. Eine solche automatisierte Verkaufsstelle betreiben die «Hoffreunde», ein Zusammenschluss aus drei landwirtschaftlichen Betrieben, in Bad Nauheim in der Wetterau.

Vor knapp einem Jahr startete ihr Hoffreunde 24/7 Hofladen in der Kurstadt als ein Pilotprojekt. Von den Kunden werde das Angebot gut angenommen, sagt Isabelle Burgstaller, die das Hoffreunde-Konzept verantwortet. In dem personallosen Hofladen finden sich Produkte der drei beteiligten Betriebe, darunter etwa Kartoffeln, Rind- und Schweinefleisch sowie Wurstwaren, Spargel und Erdbeeren, Kirschen, Eier und Milchprodukte, Mehl, Marmeladen und Honig. Nach dem kontaktlosen Zutritt mit der Bankkarte können die Kunden einkaufen, die Barcodes der Produkte selbst scannen und dann bargeldlos zahlen.

Neben dem automatisierten Verkaufscontainer betreiben die beteiligten Betriebe auch zwei Hofläden mit Personal. Neben dem Kundenkontakt sprächen kurze Transportwege, Frische, Qualität und Transparenz für die Direktvermarktung, sagt Burgstaller. Die automatisierten Läden sparten Personalkosten, doch seien der Bau und die Ausstattung durchaus kostenintensiv gewesen, ob es weitere 24/7 Hofläden geben wird, sei daher noch nicht entschieden. Burgstaller ist aber davon überzeugt, dass solchen automatisierten Läden, die ein spontanes Einkaufen auch außerhalb normaler Öffnungszeiten ermöglichen, die Zukunft gehört. Die Nachfrage in diesem Bereich werde immer größer.

Landwirtschaftliche Verkaufsautomaten boomten vor allem in der Corona-Pandemie und auch noch eine Zeitlang danach, wie Juliane Kuhlmann vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen sagt. In letzter Zeit sei es um das Thema etwas ruhiger geworden - einerseits, weil es schon vielerorts Automaten gibt, aber vielleicht auch, weil die Verbraucher wegen der Inflation sparsamer beim Einkaufen geworden sind. Kuhlmann berät in einem Team Landwirte zum Thema «Erwerbskombinationen» - also etwa Höfe, die Ferien auf dem Bauernhof oder pädagogische Veranstaltungen anbieten wollen. Auch zu den verschiedenen Möglichkeiten der Direktvermarktung können sich Bauern bei dem Team Rat holen und eine Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen lassen.

Wie viele Verkaufsautomaten die Bauern insgesamt in Hessen schon aufgestellt haben, dazu gibt es keine Daten. Auf einer Karte listet der Landesbetrieb Landwirtschaft aber beispielsweise 13 Betriebe auf, die Milchautomaten betreiben, fast die Hälfte davon ist in der Wetterau angesiedelt. Auch für andere Produkte dürfte der Markt noch nicht gesättigt sein, das sei aber auch vom jeweiligen Standort abhängig, sagt Kuhlmann.

Ein Konzept für automatisierten Hofläden hat Markus Häfele zu seinem Geschäft gemacht. Auch zu dem 24/7 Hofladen der Hoffreunde beriet und unterstützte er die Betriebe. Nach eigenem Bekunden ist er auch mit vielen weiteren Landwirten im Gespräch, die sich zumeist interessiert aber auch abwartend zeigten und den Markt noch etwas beobachten wollen, bevor sie entsprechende Investitionen tätigen. Schon allein das immer drängendere Problem Personalmangel spreche aber dafür, dass sich automatisierte Geschäfte zunehmend durchsetzen, erwartet Häfele. «Ich sehe in ein, zwei Jahren sehr großes Wachstumspotenzial in dem Markt».

Ein Problem bei den personallosen Verkaufsstellen sind derweil Vandalismus und Diebstähle, wie man auch beim Hessischen Bauernverband weiß. Bei Automaten an öffentlichen Plätzen oder an vielbefahrenen Straßen träten solche Fälle etwas weniger häufig auf, es gebe sie aber dennoch. Auch Bauern, die Schnittblumen zum Selbstschneiden anboten, hatten immer wieder mit solchen Diebstählen von Blumen oder gleich des ganzen Kasseninhalts zu tun und deshalb teils ihre Angebote eingestellt.

Auch bei Häfeles Modell, das er unter dem Namen Emmi's 4.0 vermarktet, ist Diebstahl nicht völlig ausgeschlossen, wie er sagt. Fraglich sei aber, ob es sich lohnen würde, wenn sich die Kunden beispielsweise über ein Check-In-System per App vorher anmelden müssten. «Dann würden sicherlich weniger Kunden die Läden nutzen.»

© dpa ⁄ Christine Schultze (Text) und Christian Lademann (Fotos), dpa
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