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Rund ein Viertel der Haushalte nicht für Wärmenetze geeignet

Fernwärme ist eine bequeme Lösung, wenn man auch künftig den gesetzlichen Regelungen zur Wärmewende entsprechen will. In Hamburg ist sie bei Weitem nicht überall verfügbar. Eine Karte zeigt jetzt, wo.
Fernwärmerohre
Fernwärmerohre in einer Wind-zu-Wärme-Anlage (Power-to-Heat-Anlage) auf dem Gelände des Heizkraftwerks Wedel. © Christian Charisius/dpa

Rund ein Viertel der Hamburger Haushalte wird auch künftig nicht an ein Wärmenetz angeschlossen werden können. Das geht aus einer «Wärmenetzeignungskarte» hervor, die Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Dienstag als erstes Zwischenergebnis der kommunalen Wärmeplanung vorgestellt hat. Sie teilt die Stadt in vier farblich gekennzeichnete Eignungsgebiete - vom roten «Wärmenetzgebiet» bis zum blauen «Für Wärmenetz nicht geeignet».

Bei den blauen Gebieten, die den größten Teil der Fläche ausmachen, handele es sich um weniger dicht bebaute Stadtteile vor allem mit Einzel- und Reihenhäusern, bei denen dezentrale Lösungen geeigneter seien, sagte der Senator. Aktuell liege der Wärmenetz-Anteil bei rund 26 Prozent.

Der rot-grüne Senat hat sich zum Ziel gesetzt, Hamburg bis 2045 zur klimaneutralen Stadt zu machen. Die Dekarbonisierung der Gebäudewärmeversorgung ist dabei ein wichtiger Baustein. Die Karte soll den Immobilienbesitzern Handlungsoptionen aufzeigen, wie sie den gesetzlichen Regelungen im Zuge der geplanten Wärmewende künftig gerecht werden können.

«Die Karte zeigt auf, wo es bereits Fernwärmenetze gibt, wo ein Ausbau beziehungsweise Neubau möglich erscheint und wo aus wirtschaftlicher Sicht nicht», sagte Kerstan. Die Fernwärme sei dabei nur eine von vielen Möglichkeiten. «Neben einer Wärmepumpe können unter anderem Hybridlösungen zum Beispiel mit Solarthermie oder auch Pelletkessel geeignete Optionen sein.»

Laut Wärmeplanungsgesetz, das zusammen mit dem Gebäudeenergiegesetz Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, müssen die Kommunen bis Mitte 2026 Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen informieren, ob sie mit einem Fernwärmeanschluss rechnen können oder sich für eine andere klimafreundliche Heizungsoption entscheiden müssen.

Derzeit sei seine Behörde damit beschäftigt, die sogenannte Prozesswärme, die beispielsweise in der industriellen Produktion entsteht, zu erfassen. Eine Wärmepotenzialkarte soll dann die Möglichkeiten durch Industrie und Unternehmen aufzeigen. Kerstan zeigte sich zuversichtlich, die Planungen fristgerecht fertigzustellen. «Wir werden kontinuierlich weiter an der Wärmeplanung arbeiten und im Laufe des Jahres nach und nach Zwischenergebnisse präsentieren», sagte er.

Die CDU bezeichnete den vom Umweltsenator vorgestellten Zwischenstand bei der Wärmeplanung als Enttäuschung. «Einzige zentrale Erkenntnis ist, dass rund drei Viertel der Fläche Hamburgs nicht an ein Wärmenetz angeschlossen werden kann», konstatierte der energiepolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion, Stephan Gamm. «Senator Kerstan hat es versäumt, in dieser schwierigen Phase Orientierung zu geben. Die Verantwortung auf Eigenheimbesitzer, Wohnungsgesellschaften und die Bezirke abzuwälzen, ist politisch verantwortungslos.»

Positiver sieht man es bei den Linken: «Die Wärmeplanung ist eine gute und rechtlich erforderliche Sache und - zumindest Stand heute - ist Hamburg zeitlich gut unterwegs», sagte deren Umweltexperte Stephan Jersch. Zugleich kritisierte er aber, dass nicht alle Wärmenetze in Hamburg kommunalisiert wurden. Private Wärmenetzbetreiber seien die «Bremsklötze» der Wärmewende. «Wärme ist öffentliche Daseinsvorsorge. Sie gehört in öffentliche Hände, um die Potenziale für die Energiewende auch zu nutzen», sagte Jersch.

Der energiepolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Thomas Reich, kritisierte die Wärmeplanung als nicht finanzierbar und gescheitert. «Die flächendeckende Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist ideologischen Wünschbarkeiten entsprungen», sagte er. Damit komme «der Wärmepumpenzwang durch die kalte Küche».

© dpa
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