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17-Jährige zur Prostitution gezwungen? Angeklagter: Liebe

Jahre auf dem Straßenstrich liegen hinter der jungen Frau, als sie bei der Polizei gegen einen Mann aussagt. Er soll sie ausgebeutet haben. Der mutmaßliche Zuhälter aber spricht vor Gericht von Liebe.
Kriminalgericht Moabit
Landgericht Berlin und Staatsanwaltschaft Berlin. © Sonja Wurtscheid/dpa

Weil er eine damals 17-Jährige zur Prostitution gebracht und die junge Frau über Jahre hinweg ausgebeutet haben soll, steht ein 41-Jähriger vor dem Berliner Landgericht. Er soll das mutmaßliche Opfer im Sommer 2019 unter Gewalt mit in seine Wohnung im Stadtteil Reinickendorf genommen und der Jugendlichen angekündigt haben, dass sie sich zukünftig prostituieren müsse.

Der 41-Jährige aber wies die Vorwürfe zu Prozessbeginn am Donnerstag zurück. Er habe die Frau geliebt. Nicht er, sondern ihre Verwandten hätten sie zur Prostitution gezwungen.

Rund dreieinhalb Jahre lang soll er die anfangs 17-Jährige zum Straßenstrich in Berlin-Schöneberg gebracht haben. Dort habe sie täglich bis zu 13 Freier bedient, heißt es in der Anklage. Der mutmaßliche Zuhälter habe sich immer in ihrer Nähe aufgehalten «und nahm ihr das eingenommene Geld ab».

Im Februar 2023 habe die Frau schließlich vorgegeben, kein Geld erhalten zu haben. Als er ihre Tasche durchsucht und 1000 Euro gefunden habe, habe er sie geschlagen. Laut Anklage soll er die Frau in einen Dachbodenverschlag gebracht, gefesselt, mit einem Gürtel geprügelt und eingesperrt haben. Ein bislang unbekannter Mann habe die Frau am nächsten Morgen befreit.

Die Anklage lautet unter anderem auf Vergewaltigung, Zuhälterei, Zwangsprostitution, gefährliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Der Mann wurde im Juni vorigen Jahres festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Der 41-Jährige erklärte im Prozess weiter, er habe die Frau zwar im Sommer 2019 auf der Straße angesprochen, den Kontakt aber wegen ihres jugendlichen Alters gleich beendet. Erst Anfang 2021 seien sie sich wieder begegnet - «wir waren verliebt und hatten eine schöne Zeit».

Bis Januar 2023 habe sie bei ihm und seiner Mutter gewohnt, dann sei sie plötzlich verschwunden. Wochen später habe er sie mit ihren Schwestern in einem Café gesehen. Er gehe davon aus, dass sie «von ihren Schwestern zu der Aussage gegen mich gezwungen wurde - aus Rache, weil ich sie von der Prostitution wegbringen wollte».

Der Prozess wird am 26. Februar fortgesetzt.

© dpa
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