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IG Metall Bayern fordert sieben Prozent mehr Lohn

In drei Monaten beginnen im Freistaat die Tarifverhandlungen in der Metallindustrie. Die Gewerkschaft verweist auf die Inflation, die Arbeitgeber warnen.
Warnstreiks der IG Metall
Tausende Teilnehmer nahmen in der Tarifrunde 2022 in Ingolstadt an einer Warnstreik-Kundgebung der IG Metall teil. © Daniel Löb/dpa

Die IG Metall Bayern fordert für rund 600.000 Beschäftigte der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sieben Prozent mehr Lohn. Für die unteren Entgeltgruppen soll es eine soziale Komponente geben, für die Azubis verlangt die Gewerkschaft 170 Euro, wie sie am Freitag mitteilte. Außerdem will sie mehr Auswahl zwischen Zeit und Geld durchsetzen.

Damit folgt die Tarifkommission der IG Metall Bayern der Forderungsempfehlung des Bundesvorstands der IG Metall vom Montag. Die Vertragslaufzeit soll zwölf Monate betragen.

IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott sagte: «Die Inflationsausgleichsprämie 2022 war ein einmaliger Effekt, die Lebenshaltungskosten aber bleiben hoch und steigen weiter.» Die wirtschaftliche Lage der Betriebe ermögliche eine Tabellenerhöhung in dieser Größenordnung. Die Heterogenität in der Branche werde berücksichtigt.

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in Bayern beginnen am 11. September in München. Die Tarifverträge laufen bundesweit zum 30. September aus, die Friedenspflicht endet am 28. Oktober, Warnstreiks sind ab 29. Oktober möglich. In aller Regel wird im Laufe der Verhandlungen ein Pilotbezirk vereinbart, dessen Abschluss dann die übrigen Regionen übernehmen. Meist ist das ein Bezirk, in dem es wirtschaftlich relativ gut läuft. 

Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) wies die Forderungen zurück. Die Produktion liege 10 Prozentpunkte unter dem Vorkrisenniveau 2018 und der Auftragseingang im ersten Quartal l7 Prozent unter Vorjahr. Es sei «unverständlich, dass die IG Metall Bayern mitten in der Rezession eine der höchsten Entgeltforderungen der jüngeren Vergangenheit aufstellt, obwohl sie selbst vor der De-Industrialisierung warnt», sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Facharbeiter in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie verdienen laut Gewerkschaft im Durchschnitt gut 50.000 Euro. Der Anteil der Lohnkosten an den Betriebsausgaben liege in der Branche in einer Größenordnung von 15 Prozent und damit viel niedriger als zum Beispiel bei Dienstleistern. 

Bei einer IG-Metall-Umfrage, an der sich in Bayern 66.000 Beschäftigte beteiligt hatten, nannten 80 Prozent mehr individuelle Wahlmöglichkeiten zwischen Zeit und Geld als wichtig. Mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit bezeichneten demnach sogar 86 Prozent der Befragten als sehr wichtig oder wichtig. Eine deutliche Lohnerhöhung ist für 70 Prozent besonders wichtig. 

In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie arbeiten 873.000 Beschäftigte. 473.000 arbeiten in Unternehmen, für die der Flächentarifvertrag gilt, weitere annähernd 130.000 in Unternehmen, die den Vertrag übernehmen oder sich daran anlehnen. 

Bundesweit sind 3,9 Millionen Menschen in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt. Die 7-Prozent-Forderung wurde in allen Tarifbezirken der IG Metall beschlossen.

© dpa
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