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«Wir lassen nicht locker»: Elterninitiative macht Druck

Mit der Ankündigung, ein neues neunjähriges Gymnasium im Südwesten entwickeln zu wollen, hat die Regierung den größten Druck aus der Debatte genommen. Wie wollen die Initiatorinnen eines Volksantrags jetzt weitermachen?
Elterninitiative zum Volksantrag
Unterstützer der Elterninitiative „G9 Jetzt! BW“ stehen im Foyer. © Marijan Murat/dpa/Archivbild

Nach der Ankündigung der Landesregierung, ein neues Modell für ein neunjähriges Gymnasium erarbeiten zu wollen, machen die Initiatorinnen eines Volksantrags weiter Druck für eine schnelle Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg. «Wir lassen nicht locker, bis ein akzeptables Konzept auf dem Tisch liegt», sagte Anja Plesch-Krubner, eine der Initiatorinnen. Das seien sie ihren Unterstützern schuldig. Sollte sich die Landesregierung zu lange Zeit mit einem Konzept lassen oder nicht nahe genug an den Forderung des Volksantrags sein, werde man den Druck nochmals erhöhen. «Dann werden wir das Volksbegehren initiieren müssen», sagte Plesch-Krubner.

Die Initiative will mithilfe eines Volksantrags eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg erzwingen. Dafür hatten die Initiatorinnen mehr als 100 000 Unterschriften eingesammelt und an den Landtag übergeben. Mit dem Antrag muss sich nun das Parlament voraussichtlich im kommenden Jahr befassen. Lehnt es den Gesetzentwurf der Initiative ab, können die Initiatorinnen ein Volksbegehren beantragen. Dann müssten sie erneut Unterschriften sammeln, in dem Fall aber von einem Zehntel der Wahlberechtigten, derzeit rund 770 000. Gelingt ihnen das, könnte am Ende eine Volksabstimmung über die Dauer des Gymnasiums entscheiden.

Nachdem auch ein von der Landesregierung einberufenes Bürgerforum die Rückkehr zu einem modernisierten G9 empfohlen hatte, hatte das Land am Dienstag angekündigt, man sei offen für ein «neues G9» und starte einen Prozess zur Erarbeitung eines solchen neuen G8/G9-Modells. «Wir werden jetzt keine Schnellschüsse machen oder einfach zum G9 der 1990er-Jahre zurückkehren. Wir werden eine Lösung erarbeiten, die den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird und die Empfehlungen des Bürgerforums aufgreift», sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

Hoffnung auf ein schnelles, flächendeckendes G9 machte er jedoch keine: Er könne sich nur ganz schwer vorstellen, dass die Umstellung auf ein neunjähriges Gymnasium bereits für das kommende Schuljahr möglich wäre, sagte Kretschmann. Das sieht die Elterninitiative völlig anders: «Wir fordern, dass das schnellstmöglich passiert, also zum nächsten Schuljahr», sagte Plesch-Krubner. Aus Sicht der Initiative könnte das Land zunächst die Bildungspläne der G9-Modellschulen dafür verwenden, bis ein Konzept für das modernisierte G9 vorläge.

Sie und ihre Mitstreiter seien aber auch gesprächsbereit, betonte Plesch-Krubner. Auch eine Modernisierung des Gymnasiums könnten sich die Initiatorinnen des Volksantrags vorstellen. «Wir können uns gerne über pädagogische Konzepte unterhalten. Vertiefen finden wir auch gut», sagte sie. Kretschmann hatte am Dienstag gesagt, er wolle mit den Initiatorinnen das Gespräch suchen.

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warf Kretschmann vor, er wolle bei dem Thema auf Zeit spielen. «Bei G9 stehen wir nicht am Anfang der Diskussion und wir haben beileibe kein Erkenntnisproblem», teilte der Politiker am Sonntag mit. «Es braucht jetzt endlich die rasche Umsetzung.»

Derzeit ist in Baden-Württemberg das achtjährige Gymnasium Standard. G9 gibt es nur noch als Modellprojekt an 44 staatlichen Schulen und an einigen Privatschulen. Ihre Initiative für eine Rückkehr zu G9 hatten die Eltern damit begründet, dass die Kinder wegen der verkürzten Schulzeit unter einem starken Leistungsdruck stünden und wenig Freizeit hätten.

Redaktionshinweis: dpa/lsw-Thema des Tages - Stellungnahme der FDP ergänzt

© dpa
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