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Ungarn 1:0 gegen Schottland: Bangen um Varga

Ein Tor in der zehnten Minute der Nachspielzeit lässt Ungarn aufs Achtelfinale hoffen - doch das war nach einem medizinischen Vorfall bei Stürmer Varga nebensächlich.
Euro 2024: Schottland - Ungarn
Ungarns Barnabas Varga (2vr) steigt zum Kopfball und stößt danach mit Keeper Angus Gunn (l) zusammen. © Marijan Murat/dpa

Beim Jubel mit den Fans über den Last-Minute-Sieg und die Chance aufs EM-Achtelfinale dachten die ungarischen Fußballer an ihren Mitspieler Barnabás Varga. Liverpool-Star Dominik Szoboszlai streifte sich das Trikot des Stürmers über, der nach einem medizinischen Vorfall hinter Decken als Sichtschutz vom Platz gebracht worden war. Auch bei einem Foto nach dem 1:0 (0:0) gegen Schottland war das Trikot mit der Nummer 19 zentraler Bestandteil.

Varga war nach einer Freistoßflanke im Strafraum-Getümmel gestürzt und bewegungslos auf dem Platz liegengeblieben. Beim ungarischen TV-Sender M4 hieß es später, Vargas sei in einem stabilen Zustand. Nach Informationen von Magenta TV war er noch vor Schlusspfiff ansprechbar und auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Freiburger Roland Sallai sagte M4, Varga gehe es besser und er hoffe, dass der 29 Jahre alte Stürmer von Ferencváros Budapest schnell gesund und ins Team zurückkehren werde. Der Vorfall in der 68. Minute rückte das sportliche Geschehen in den Hintergrund.

Bis zur zehnten Minute der Nachspielzeit war Varga noch der einzige ungarische Torschütze dieser EM, beim 1:3 gegen die Schweiz hatte er im ersten Gruppenspiel getroffen. Dann aber erzielte Kevin Csoboth in letzter Sekunde das Siegtor gegen Schottland. Ungarn darf nun mit drei Punkten vom Achtelfinale träumen, als einer der vier besten Gruppendritten wäre das Team wie zuletzt 2016 dabei.

Für die Schotten und ihre nimmermüden Fans ist die EM-Party nach der Vorrunde wieder zu Ende. Nach dem letzten Spieltag der Gruppe A haben die Schotten nur ein Pünktchen und können sich keine Hoffnungen mehr machen. «No Scotland, no party», sangen die Fans der Schotten unter den 54 000 Menschen im Stuttgarter Stadion lange unbeirrt, nun müssen die Spieler von Trainer Steve Clarke aber abreisen. Schon bei den vorherigen drei EM-Teilnahmen war die schottische Mannschaft nicht über die Gruppenphase hinausgekommen. Nach der 1:5-Auftaktniederlage gegen Gastgeber Deutschland hatte sie 1:1 gegen die Schweiz gespielt.

Unentschieden verboten hieß es für die beiden bis dato sieglosen Teams. Vor den Augen ihrer Trainerlegende Sir Alex Ferguson legten die Schotten wild los und drängten die Ungarn gleich mal in die Defensive. Große Hoffnungen legten sie in Scott McTominay von Manchester United, der sieben Tore in acht Qualifikationsspielen erzielt hatte.

Doch spielerisch ging sehr, sehr wenig auf beiden Seiten. Der argentinische Schiedsrichter Facundo Tello hatte alle Hände voll zu tun, dass die leidenschaftlich geführten Zweikämpfe einigermaßen im Rahmen blieben. Auf Ungarns Seite lief die Partie zunächst an Offensiv-Star und Kapitän Szoboszlai vorbei. Der Ex-Leipziger konnte in der ersten Halbzeit kaum Akzente setzen gegen die defensiv ausgedünnten Schotten.

Ungarns Trainer Marco Rossi setzte wieder auf viel Bundesliga-Power mit Péter Gulácsi im Tor sowie dessen Leipziger Kollege Willi Orbán, Márton Dárdai von Hertha BSC, András Schäfer von Union Berlin und dem Freiburger Roland Sallai in der Startelf. Erst nach einer halben Stunde starteten die Magyaren vielversprechende Angriffe. Ein Freistoß von Szoboslai hätte dann fast zum 1:0 geführt - der heranstürmende Orbán köpfte aber auf die Latte.

Nach den Niederlagen gegen die Schweiz (1:3) und Deutschland (0:2) versuchten die Ungarn nach der Pause immer verzweifelter, sich auf ihre fußballerischen Möglichkeiten zu besinnen. Die Begegnung aber blieb auf schwachem Niveau, auch wenn die Anhänger beider Kontrahenten einen Höllenlärm veranstalteten. Erst vergab Szoboszlai kurz vor Schluss eine Riesenchance zur Führung, Csoboth traf in der Nachspielzeit dann den Pfosten - und erlöste die ungarischen Fans in Stuttgart schließlich doch noch.

© dpa ⁄ Ulrike John, Maximilian Wendl und Maximilian Haupt, dpa
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