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Schulleiter geben Land schlechte Note

Auch wenn sich die Lage im Vergleich zu den Corona-Jahren leicht verbessert hat: Die Stimmung unter den Schulleitern im Land ist weiter mies, die Bewertung der Schulpolitik auch. Zu schafffen machen vor allem altbekannte Probleme.
Schule
Stühle stehen in einem Klassenzimmer auf den Tischen. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Zwischen «ausreichend» und «mangelhaft»: Schulleiterinnen und Schulleiter in Baden-Württemberg stellen der Landesregierung erneut ein schlechtes Zeugnis in der Schulpolitik aus. In einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) gaben 57 Prozent der befragten Schulleiterinnen und Schulleitern dem Land die Schulnote 5 oder 6. Im Mittel landet die grün-schwarze Schulpolitik von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) bei einer 4,5. Schon im Vorjahr hatte Schopper nur eine 4,5 erhalten. Vor fünf Jahren lag das Land aus Sicht der Schulleiter im Schnitt noch bei einer 3,8 - damals war Susanne Eisenmann (CDU) Chefin im Kultusministerium.

«Mit diesem Zeugnis kann die Politik nicht zufrieden sein», sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand am Freitag in Stuttgart. Die Ergebnisse der Erhebung seien ein Weckruf. «Wenn der Trend anhält, riskiert man seine Glaubwürdigkeit und, viel entscheidender, dass die Kolleginnen und Kollegen an den Schulen resignieren.»

«Zeiten haben sich enorm verschärft»

Die Schuld für die Entwicklung sieht Brand aber nicht nur im Kultusministerium. «Die Zeiten haben sich auch enorm verschärft, darauf hat die Politik noch keine adäquaten Antworten gefunden», sagte Brand. Als Beispiele nannte er große Sprachdefizite in Grundschulen, Defizite bei der Digitalisierung und den Lehrermangel. Schopper könne es «gar nicht viel besser hinkriegen, als sie es gerade hinkriegt - weil die Rahmenbedingungen kaum stimmen», sagte Brand.

Für die bundesweite repräsentative jährliche Umfrage wurden 1310 Schulleitungen in ganz Deutschland befragt, darunter 250 aus Baden-Württemberg. Insgesamt gibt es laut Kultusministerium im Südwesten rund 3800 Schulleiterinnen und Schulleiter. 225 Stellen seien derzeit vakant.

Die Schulleiter sehen zwar weiterhin im Lehrermangel das größte Problem an den Schulen - allerdings nicht mehr so stark wie noch im vergangenen Jahr. Damals sahen 77 Prozent der Befragten den Lehrkräftemangel als größtes Problem an, in diesem Jahr sind es nur noch 60 Prozent der Befragten. Das Problem sei weiter da, sagte Brand: «Es zeigt nur, dass sich die Schulleitungen an das Problem gewöhnt haben.»

Inklusion, Verwaltungsaufgaben und zu wenig Zeit

Inzwischen drängten andere Probleme nach vorne: So sehen deutlich mehr Schulleitungen große Probleme bei der Inklusion von Kindern mit Behinderung und bei der Integration von Geflüchteten: 39 Prozent nennen das ein großes Problem - im vergangenen Jahr waren es noch 28 Prozent.

Nicht neu und weiter aktuell sind aus Sicht der Schulleiter immer weiter anwachsende Verwaltungsarbeiten, zu wenig Zeit und die Anspruchshaltung, dass Schule alle gesellschaftlichen Probleme lösen soll. Das sei aber nicht möglich, sagte Brand: «Wir können nicht das rundum Wohlfühl-Paket an den Schulen bieten, das Eltern entlastet, das die Kinder bildet und erzieht und das noch in jegliche andere erdenkliche Lüge springt.» Das sei für die Eltern und die Gesellschaft zwar komfortabel. «Das kann Schule nicht leisten und dazu ist Schule auch nicht da», sagte Brand.

Besonders bedenklich ist aus Sicht des VBE, dass 92 Prozent der befragten Schulleitern eine Überlastung ihres Kollegiums wahrnehmen. Die Auswirkungen seien gravierend, Lehrerinnen und Lehrer seien besonders anfällig für Depressionen und Burnout.

Schopper sieht positive Entwicklung bei Zufriedenheit

Die Probleme haben auch Auswirkungen auf die Berufszufriedenheit der Schulleiterinnen und Schulleitern. Zwar übt die Mehrheit der Befragten ihren Beruf noch immer gern oder sehr gern aus, ein 20 der Befragten sind aber mit der Arbeit nicht zufrieden. 2019 lag dieser Wert noch bei 5 Prozent. Die Lage war aber auch schon schlechter. Im Corona-Herbst 2020 waren 37 Prozent der Befragten mit ihrem Job unzufrieden.

Dass die Arbeitszufriedenheit im Vergleich zu den Vorjahren leicht gestiegen ist, sieht Kultusministerin Theresa Schopper als wichtige Nachricht. «Nicht zuletzt zeigt die Umfrage auch, dass an den Schulen allmählich eine gewisse Nach-Corona-Normalität eingezogen ist», sagte die Grünen-Politikerin. Es sei aber unbestritten, dass die Bildungspolitik in Baden-Württemberg vor großen Herausforderungen stehe.

Die Opposition im Landtag sieht das natürlich ganz anders und kritisiert Schopper scharf. Die Kultusministerin stehe «auf den rauchenden Trümmern einer jahrelang völlig verfehlten Bildungspolitik», konstatierte Timm Kern, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Besonders ärgerlich sei, dass die von den Schulleitern genannten Probleme schon seit langem bekannt seien.

Die SPD forderte mehr Unterstützung für die Schulleitungen im Land. Es sei nicht verständlich, warum die versprochenen Verbesserungen noch nicht vollständig umgesetzt seien, kritisierte die schulpolitische Sprecherin der SPD, Katrin Steinhülb-Joos. Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Rainer Balzer, nannte Schopper gar einen «Risikofaktor für unser Land». Sie habe keine Antworten und Konzepte für die Probleme.

© dpa
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