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Land unter: Baden-Württemberg kämpft mit Wassermassen

Vollgelaufene Keller, überspülte Straßen, evakuierte Häuser: Der Dauerregen hinterlässt seine Spuren im Südwesten. Und es ist noch nicht vorbei.
Hochwasser in Baden-Württemberg - Meckenbeuren
Das Hochwasser des Flusses Schussen überschwemmt Teile von Meckenbeuren. © Felix Kästle/dpa

Es sind extreme Regenmengen, die der Boden schlicht nicht mehr aufnehmen kann: Im ganzen Land kämpfen die Einsatzkräfte in Baden-Württemberg mit den Folgen des Starkregens. Menschen mussten aus ihren Häusern in den betroffenen Gebieten in Sicherheit gebracht werden, Bundesstraßen wurden wegen der braunen Fluten gesperrt. Tausende Einsatzkräfte sind seit Freitag im Einsatz. Zehntausende Sandsäcke wurden befüllt. In der Nacht haben die Niederschläge zwar vielerorts nachgelassen, doch nun ziehen unwetterartige Gewitter durch.

Gemeinde-Teile unter Wasser

Teile der Gemeinde Meckenbeuren im Bodenseekreis stehen trotz aller Bemühungen unter Wasser. Der Fluss Schussen sei in den Ortsteilen Kehlen und Brochenzell über das Ufer getreten und habe Straßen geflutet, sagte eine Gemeindesprecherin am Sonntag. Verletzte gab es demnach zunächst nicht.

Rund 1300 Menschen seien am Samstag angehalten gewesen, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Es habe sich um eine Evakuierung auf freiwilliger Basis gehandelt. Manche Bewohner seien in ihren Häusern geblieben und hielten sich in den oberen Geschossen auf, hieß es.

Der Pegelstand der Schussen sei am Samstagabend auf mehr als 4,86 Meter gestiegen. Damit führte der Fluss mehr Wasser als je zuvor. Seitdem falle der Pegelstand langsam ab. Normalerweise sei die Schussen dort nur 45 Zentimeter tief.

Allein mehr als 1000 Einsätze im Kreis Ravensburg

Allein im Kreis Ravensburg gab es seit Freitag rund 1100 Unwetter-Einsätze. Mehr als 230 Not- und Rettungskräfte seien im Einsatz, teilte der Landkreis mit. Der Schwerpunkt habe sich vom Allgäu in das Schussental verlagert. Es gelte weiterhin eine sehr hohe Hochwassergefährdung. In Wangen im Allgäu war am Samstag wegen der Hochwassergefahr die Landesgartenschau geschlossen geblieben.

Unwetter sorgt für Zugausfälle - ICE entgleist

Am Samstagabend waren zwei Waggons eines ICE mit 185 Passagieren an Bord in Schwäbisch Gmünd nach einem Erdrutsch entgleist. Die Passagiere blieben laut einem Bahnsprecher unverletzt und wurden in der Nacht zu Sonntag aus dem Zug evakuiert. Schwäbisch Gmünd liegt etwa 50 Kilometer östlich von Stuttgart. Die Bahnstrecke sei eingleisig wieder befahrbar, bestätigte eine Bahnsprecherin am Sonntagnachmittag. Es seien aber nur geringe Geschwindigkeiten möglich. Der ICE sei wieder auf die Gleise gestellt worden und warte darauf, abgeschleppt zu werden. Wie lange die Sperrung andauert, ist unklar.

Schiffsverkehr eingestellt - hohe Pegelstände

Der Schiffsverkehr auf dem Oberrhein zwischen Iffezheim (Kreis Rastatt) und Germersheim ist eingestellt worden. Das bestätigte die Hochwasserzentrale Baden-Württemberg (HVZ). Der Rhein-Pegel Maxau bei Karlsruhe habe die kritische Marke von 7,50 Metern überschritten. Auch am Neckar soll der Pegelstand noch steigen. Bei Heidelberg erwartet die HVZ ein etwa fünf- bis zehnjährliches Hochwasser. Auf einem Großteil des Neckars könnte die Schifffahrt eingestellt werden, wenn der Pegel in Mannheim die 7,60-Meter-Marke erreicht. Auch andere Flüsse und Bäche in Baden-Württemberg könnten am Sonntag noch rasch und sehr deutlich ansteigen, wie der Experte erklärte.

In drei Orten Trinkwasser abkochen

Weil Regenwasser in die Trinkwasserversorgung eingedrungen war, gilt in zwei Orten im Rems-Murr-Kreis und in einem Ort im Ostalbkreis seit Samstagabend ein Abkochgebot. Konkret handele es sich um Ortsteile in Altdorf, Kaisersbach und Gschwend, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz mit. Es komme zu Verunreinigungen. Insgesamt könnten etwa 100 Haushalte betroffen sein, sagte ein Sprecher der zuständigen Wasserversorgung.

Hangrutsch in Bad Urach

In einem Wohngebiet in Bad Urach sind wegen eines Hangrutsches zwei Dutzend Menschen aus ihren Wohnungen evakuiert worden. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei. Es sei am späten Samstagabend aufgrund der starken Regenfälle zu einem Hangrutsch auf einer Länge von rund 30 Metern gekommen. Rund 25 Personen seien bei Verwandten und Bekannten untergekommen. Die Häuser könnten nach wie vor nicht betreten werden.

Mehr Hilfe für Einsatzkräfte

Das Technische Hilfswerk (THW) stockte die Zahl seiner Einsatzkräfte in den Überschwemmungsgebieten in Süddeutschland deutlich auf. Mittlerweile seien mehr als 1800 Kräfte im Einsatz, teilte eine Sprecherin am Sonntagmorgen mit. Die Helferinnen und Helfer sichern demnach Dämme ab, helfen beim Befüllen von Sandsäcken und unterstützen bei Evakuierungen von Bewohnern in überfluteten Gebieten. Parallel zum THW sind Feuerwehr und andere Nothelfer im Einsatz. Vom Dauerregen betroffen ist auch Bayern.

Noch einmal viel Regen und Gewitter

Am Sonntag kommt laut Deutschem Wetterdienst ein weiterer Schwung Regen und Gewitter ins Ländle. Örtlich kann es heftigen Starkregen geben. Der DWD warnte insbesondere vor schweren Gewittern in den Regierungsbezirken Karlsruhe und Stuttgart. Es bestünden Gefahren durch Blitzschläge und umstürzende Bäume. Dachziegel und Äste könnten herabfallen, auch weitere Überflutungen sind möglich. Der DWD empfiehlt, Aufenthalte im Freien zu vermeiden.

© dpa
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