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Braun: Kneipen oder Kinos mutiger für die Kultur umwidmen

Eine Theatervorstellung in einer Kneipe? Ein Kaufhaus als Kulturstätte? Kulturstaatssekretär Arne Braun spornt Veranstalter, Gewerbe und Gemeinden an, neue Räume für Kultur und Begegnung zu schaffen.
Staatssekretär Arne Braun
Arne Braun, Staatssekretär, und Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg bei einer PK. © Marijan Murat/dpa/Archivbild

Vor allem auf dem Land sollten Städte und Gemeinden, aber auch Eigentümer und Veranstalter aus Sicht des baden-württembergischen Kulturstaatssekretärs Arne Braun mehr Ideen zulassen und flexibler über Spielstätten und Standorte entscheiden. «Wir müssen versuchen, Räume zu entwickeln. Räume, die still liegen wie alte Gasthöfe oder Scheunen. Es können dort auch mal Kulturbühnen reingehen und so auch die Gastronomie wiederbeleben», sagte der baden-württembergische Kulturstaatssekretär Arne Braun der Deutschen Presse-Agentur.

Als weitere Beispiele für ein kreatives Öffnen von Räumen nannte der Grünen-Politiker etwa Orte wie Bunker, Brachflächen, ehemalige Kaufhäuser oder den Park der Villa Reitzenstein, die zeitweise auch für Kulturveranstaltungen geöffnet werden könnten. Am Sitz des Staatsministeriums etwa gibt es in den Sommermonaten regelmäßig Politik- und Kulturangebote. «Immer dann, wenn Räume, die dafür nicht vorgesehen sind, neu interpretiert und kulturell aufgeladen werden, entsteht beim Publikum ein Perspektivwechsel, der Denkweisen aufbrechen und zur Reflexion anregen kann», sagte Braun. «Deshalb brauchen wir bei den Verantwortlichen, bei den Behörden eine Ermöglichungshaltung.»

Vor allem im ländlichen Raum würden zunehmend Räume von Gemeinden oder Gewerbe aufgegeben, darunter neben Gasthäusern auch Kinos und Kirchen, Bauernhöfe, Fabriken und Geschäfte. Somit verschwänden aber auch Chancen, außerhalb von Familie und Job mit anderen Menschen zusammenzukommen. «So nimmt die Individualisierung und Vereinzelung unserer Gesellschaft zu», sagte der Staatssekretär. Das könne sich auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken.

Würden Leerstände kulturell genutzt, entstünden neue Orte der Begegnung. «Die physischen «Freiräume» bieten die Voraussetzung für kulturelle Freiräume», sage Braun. Das Land habe diese Projekte mehrere Jahre lang finanziell mit dem Förderprogramm «FreiRäume» unterstützt. Seit dem Jahr 2020 wurden bislang insgesamt 45 Musterprojekte ausgewählt und mit insgesamt 2,1 Millionen Euro gefördert. Geplant sei, das Programm fortzusetzen, teilte das Ministerium mit. Zunächst sollen aber die bisher geförderten, teilweise noch nicht abgeschlossenen Projekte ausgewertet werden. Dabei werde es vor allem um die konkreten Auswirkungen der Projekte vor Ort gehen.

Zu den bislang geförderten Projekten gehören ein neues Kino- und Kulturzentrum in einer Fabrikhalle in Löffingen (Breisgau-Hochschwarzwald), die Öffnung des Schullandheims Mönchhof in Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) zum Kultur- und Begegnungszentrum, die Entwicklung der Alten Stallhalle in Rottweil zum Kulturtreffpunkt oder ein Konzertprojekt in einer ehemaligen Nudelfabrik in Gerabronn (Kreis Schwäbisch Hall).

Auch wurde in Ostrach (Kreis Sigmaringen) wurde das Dorfgemeinschaftshaus zu einem ganzjährig bespielten Ort, die leer stehende Bankfiliale in Schemmerhofen (Kreis Biberach) wurde zur Kulturwerkstatt und die abrissgefährdete Kirche in Bräunlingen zum «Haus der Musik» (Schwarzwald-Baar-Kreis).

© dpa
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