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Rückschlag für Artenschutz: Ausgewilderter Luchs ist tot

Luchse sind in Baden-Württemberg sehr selten. Um für Nachwuchs zu sorgen, wurde das Weibchen Finja ausgewildert. Nach ihrem Tod bleibt eine große Frage offen.
Finja
Eurasischer Luchs

 

Stuttgart (dpa/lsw) - Als Martin Hauser mit GPS und Funk das Revier der Luchskatze im Nordschwarzwald erreicht, weiß er sofort Bescheid. «Wenn man so ein scheues Wildtier wie eine Lüchsin findet und es bewegt sich überhaupt nicht, dann ist gleich klar, dass das eine Ausnahmesituation ist», berichtet der Wildtierbeauftragte des Landkreises Rastatt. Vor sieben Monaten hat er die Klappe der Transportbox für die Auswilderung geöffnet und das Luchsweibchen Finja im Nordschwarzwald in die Freiheit entlassen. Monatelang hat er seine Spuren verfolgt, aber vor einigen Tagen entdeckt er das Tier schwer krank und fast regungslos. «Da sind jetzt schon Tränen geflossen», sagt er. «Das ist eine harte Sache. Ich habe Finja ins Herz geschlossen.» 

Bei der routinemäßigen Kontrolle eines möglichen Risses hatte Hauser das in einem Gehege geborene Tier zwar lebend, aber in einem sehr schlechten Zustand gefunden. «Da keine Behandlung anschlug und zur Vermeidung weiteren Leidens musste das Tier leider eingeschläfert werden», sagte Agrar- und Forstminister Peter Hauk (CDU) heute. «Das ist traurig, aber kann leider auch Teil der Realität bei Auswilderungsprojekten sein.»

Finja war die Pionierin 

Als erstes Luchsweibchen in Baden-Württemberg war Finja mit einem Sender am Halsband Anfang Dezember vergangenen Jahres ausgewildert worden. Die Mission: Arterhalt. Denn bislang - und nun wieder - lebten nur männliche Luchse im Südwesten. Und es werden immer weniger. Derzeit leben mindestens drei Kuder - also Männchen - in Baden-Württemberg. Sicher bestätigt ist unter anderem Toni im Nordschwarzwald, auf den die Hoffnungen für eine Paarung mit Finja gesetzt wurden. Zudem werden noch wenige seit langem nicht mehr auffällige Tiere im Oberen Donautal, am westlichen Bodensee und im Südschwarzwald geführt. Ein weiterer Luchs war im Januar auf der Autobahn 8 bei Remchingen (Enzkreis) überfahren worden. 

Als größte wild lebende Katzenart war der Luchs vor mehr als 200 Jahren in Europa weit verbreitet. Als Räuber von Nutztieren und aus Angst vor Tollwut wurde er damals gezielt verfolgt. Außerdem trug der Verlust von Lebensräumen dazu bei, dass er aus den Wäldern verschwand. Geplant ist, bis zu zehn, insbesondere weibliche Luchse, in einem vierjährigen Projekt bevorzugt im Schwarzwald auszuwildern, um mit den vorhandenen männlichen Luchsen das Vorkommen im Land zu stützen. 

Mit dem Projekt habe Baden-Württemberg ein neues Kapitel des Artenschutzes im Südwesten aufschlagen wollen, sagte CDU-Minister Hauk. «Wir hatten darauf gehofft, dass Finja zum Neuaufbau eines Luchsvorkommens im Schwarzwald mit Jungtieren beitragen könnte.» Das Tier stammte aus einem Wildgehege in Thüringen und wurde in einem speziellen Gehege in Rheinland-Pfalz für die Auswilderung vorbereitet. 

Tierschützer sehen keine Gefahr für Auswilderungsprojekt

Für die Tierschutzorganisation World Wildlife Fund ist der Tod des Weibchens ein herber Rückschlag für das Auswilderungsprojekt und die Bestandsstützungen der Luchse im Schwarzwald. Das Projekt sei aber nicht gefährdet. «Wir mussten von Beginn an damit rechnen, dass ein solch herausforderndes Artenschutzunterfangen auch mit Rückschlägen wie diesem verbunden ist. Schließlich ist die Sterblichkeit von jungen Luchsen in der Natur grundsätzlich hoch», sagte die Artenschutzreferentin Sybille Klenzendorf, die für das Projekt beim WWF Deutschland zuständig ist. 

Der naturschutzpolitische Sprecher der Grünen -Landtagsfraktion, Markus Rösler, wies auf die weiteren geplanten Auswilderungen hin. Dennoch sei Finjas Tod ein «fatales Unglück».

Unklar ist noch, warum das Luchsweibchen ums Leben kam. Äußere Verletzungen habe es nicht gegeben, sagten der Rastatter Wildtierbeauftragte und ein Sprecher des Ministeriums. Das Tier werde nun untersucht. Bis Ergebnisse vorlägen, könne es aber dauern. «Man hatte das nicht mehr auf dem Schirm, dass man bei Wildtieren eigentlich damit rechnen muss», sagte Hauser. Wichtig sei nun, weitere Luchskatzen auszusetzen. Hauser ist optimistisch: «Es müssen genügend Tiere ausgewildert werden, dann ist der Erfolg nur eine Frage der Zeit.» 

 

© dpa ⁄ Martin Oversohl, dpa
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