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Wie Schleichkatzen für Luxuskaffee leiden

Kaffeebohnen aus Schleichkatzen-Kot: Noch immer feiern Feinschmecker «Kopi Luwak» als exotische Delikatesse. Aber hinter dem teuren Gebräu verbirgt sich Tierquälerei - die vermeintliche Idylle auf Bali trügt.
Bali
Schleichkatze
Luwak Coffee

Auf Touristen wirkt es wohl wie die perfekte tropische Idylle: Kaffeegärten laden auf Bali vielerorts zum Verkosten und Verweilen ein, malerisch zwischen Reisterrassen gelegen und gespickt mit Kaffeesträuchern, an denen blutrote Beeren prangen. Die meisten Besucher lockt die Neugier. Sie wollen hier einen der teuersten Kaffees der Welt probieren und anschließend oft auch hübsch verpackt einkaufen: «Kopi Luwak». Das Besondere: Das tiefschwarze Luxusgebräu wurde vorverdaut.

Luwak-Kaffee wird aus dem Dung von Schleichkatzen produziert, denen die Bohnen zuvor zu fressen gegeben wurden. Im Darm sind sie einer Nassfermentation mit Enzymen ausgesetzt, was ihren Geschmack verändert. Angeblich ist die Spezialität dadurch frei von Bitterstoffen und bekömmlicher als normaler Kaffee, zudem soll er ein besonderes Aroma haben - «erdig, morastig, mild, sirupähnlich, reichhaltig und mit Untertönen von Dschungel und Schokolade», hat Monty-Python-Star John Cleese es einmal beschrieben.

Dass unzählige Fleckenmusangs (Paradoxurus hermaphroditus), die eigentlich als nachtaktive Raubtiere im Dschungel leben, die Leidtragenden dieses Business sind, wissen nur die wenigsten Urlauber auf der indonesischen «Insel der Götter». Auf den Farmen, wo die Delikatesse in Massen produziert wird, würden manchmal bis zu 100 Exemplare in teils winzigen Käfigen gehalten, sagt Jason Baker, Vizepräsident für internationale Kampagnen bei Peta Asien (People for the Ethical Treatment of Animals).

Verdreckte Käfige und einseitige Ernährung

Mitarbeiter der Tierschutzorganisation haben erst kürzlich wieder undercover einige der Farmen besucht, die Unternehmen und Supermärkte auch im Ausland beliefern, und die entsetzlichen Zustände dokumentiert. Das Ergebnis: «Seit zehn Jahren führen wir regelmäßig Untersuchungen zu dem Thema durch, aber es ändert sich absolut nichts», sagt Baker. Dabei machen Tierschützer in aller Welt schon länger gegen die Produktionspraktiken mobil - nicht nur auf Bali, sondern unter anderem auch auf Sumatra und auf den Philippinen.

Die Musangs werden überwiegend mit Kaffeebeeren gefüttert und können sich in ihren kargen, oft verdreckten Käfigen kaum bewegen, stellte Peta fest. Da es sich um nachtaktive Tiere handelt, würden sie sich in freier Wildbahn tagsüber normalerweise in Baumhöhlen oder Erdlöchern verstecken. «Aber in den Käfigen gibt es keine Möglichkeit, das Licht zu meiden - und sie sind oft direktem Sonnenlicht ausgesetzt», sagt Baker. Auch die einseitige Ernährung setzt den Tieren zu - im Wald würden sie sich als Allesfresser unter anderem von Früchten, Insekten, Würmern, Eiern und kleinen Vögeln ernähren.

«Manche Schleichkatzen beißen sich selbst oder verletzten sich auf andere Weise, weil sie so gestresst sind», erzählt Baker. «Auch laufen sie häufig im Kreis, auch das ist ein Zeichen von Stress und Frustration.»

Lügen für die Touristen

Die rein für Touristen angelegten Kaffeegärten auf Bali - viele davon nördlich des Yoga-Hotspots Ubud - halten meist einen oder zwei Fleckenmusangs in einem etwas größeren Käfig. Musterexemplare sozusagen, damit die Kundschaft sich ein Bild von der exotischen Art machen kann, die die Bohnen vorverdaut hat. Aber selbst für diese Tiere gibt es oft keinen Rückzugsort, keine Ablenkung, kaum Platz. Nichts als Kaffeebeeren, die den Fleckenmusangs von den Mitarbeitern regelmäßig vor die Pfoten geworfen werden.

Auf die Nachfrage, ob die Tiere denn immer in einem solchen Käfig leben müssen, wird in fast allen Gärten das gleiche Lied abgespult: «Nein», sagen die Angestellten freundlich lächelnd. «Nachts lassen wir sie im Dschungel frei und morgens fangen wir sie wieder ein und bringen sie her.» Vor wenigen Jahren lautete die Version noch: «Wir lassen die Schleichkatzen nach ein paar Wochen wieder frei und tauschen sie durch andere aus.» Den meisten Touristen reicht das offenbar, um mit reinem Gewissen «Kopi Luwak» einzukaufen.

«Das sind natürlich alles Lügen», sagt Baker. «Aber sie müssen die Wahrheit verbergen, sonst kämen keine Touristen mehr.» Er nennt das «extrem kreatives Marketing». Den ausländischen Gästen werde der Mythos Luwak Coffee dabei so verkauft, als handele es sich um eine kulturelle Sache, um eine balinesische Tradition. «Aber die Balinesen selbst trinken diesen Kaffee normalerweise gar nicht.»

Wie die Tiere im Detail gejagt und eingefangen werden, das weiß auch Peta nicht genau. «Wir haben von den Plantagen bislang nie die Erlaubnis bekommen, dabei mitzukommen», sagt Baker.

Tonnenweise Exporte auch nach Deutschland

Auch in Deutschland wird die Spezialität vertrieben. International liegen die Spitzenpreise bei bis zu 1000 Euro pro Kilo. Online gibt es 100 Gramm «Kopi Luwak» aber auch schon ab 30 bis 40 Euro zu kaufen. Feinschmecker werden mit der Versicherung geködert, dass «freilaufende Luwak-Katzen die besten Bohnen im Wald aussuchen». Diese würden dann nach der Vorverdauung von einheimischen Bauern eingesammelt und weiterverarbeitet.

«Ein Riesenschwindel», schreibt die Tier- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife auf ihrer Webseite. Schätzungen von Experten zufolge lieferten alle freilebenden Schleichkatzen Indonesiens zusammen vermutlich nur um die 300 Kilogramm «Kopi Luwak» pro Jahr, heißt es in dem Bericht. «Das reicht bei Weitem nicht, um die stetig wachsende Nachfrage für den Luxusschluck zwischendurch zu decken.» Die Delikatesse werde mittlerweile jährlich wohl tonnenweise exportiert. «Die Branche weiß also um die immense Tierquälerei hinter dem Produkt - aber vor der betuchten Kundschaft soll das gefälligst verborgen bleiben.»

Auf Bali wird den Inhabern der Kaffeegärten langsam klar, dass die Tierschutzkampagnen abschreckend auf Touristen wirken. Mitunter wird daher inzwischen vermeintlich auf Käfige zu verzichtet. Hier liegen einzelne Fleckenmusangs offenbar frei, allerdings auch völlig apathisch auf Holzbrettern. «Warum laufen die Tiere denn nicht einfach weg?», erkundigt sich eine Besucherin. «Die Exemplare, die wir hier zeigen, sind alt und schwach», sagt eine Mitarbeiterin. «Die laufen nirgendwo mehr hin.»

© dpa ⁄ Carola Frentzen, dpa
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